| Titel | How to Get to Heaven From Belfast |
| Genre | Komödie, Mystery |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 16 |
| Creator | Lisa McGee |
Starttermin: 12.02.2026 | Netflix
Die Cornetto-Ära bekommt eine irische Schwester
Wie hauchdünn die Membran zwischen provinzieller Tristesse und überspitztem Genre-Wahnsinn sein kann, hat Edgar Wright in seiner völlig abgedrehten Cornetto-Trilogie gleich drei mal in Folge unter Beweis gestellt. Egal ob in der blutig-albernen Actionfilm-Persiflage „Hot Fuzz“ oder dem apokalyptischen Alkoholrausch „The World’s End“ – wenn Wright alte Freundschaften und genretypischen Entgleisungen in den urigen Kulissen Großbritanniens aufeinandertreffen lässt, dann ist das Ergebnis ebenso absurd wie brillant – und dabei britisch bis in die fuchsroten Haarwurzeln. Trockener Wortwitz, pechschwarze Ironie und ein fast schon schizophrener Spaß an genreübergreifender Dissonanz – ein Erfolgsrezept, das der “Running Man”-Regisseur beherrscht wie kaum ein anderer. Eingefärbt in den galligen Ton nordirischer Komik, entpuppt sich Netflix’ entfernte Schwester „How to Get to Heaven From Belfast“ dabei keineswegs als bloßer Abklatsch, sondern als eine handwerklich eigenständige Weiterentwicklung, die den erzählerischen Hunger all jener stillt, die nach dem Ende der Cornetto-Ära nach mehr genreübergreifenden Charme lechzen.

Drei Frauen, ein Todesfall – und jede Menge offene Fragen: Das ist die Ausgangslage von Lisa McGees schrulliger Freundinnenzusammenkunft, die eine Gruppe grundverschiedener Frauen mitten in ein schrulliges Kuriositätenkabinett aus Kriminalgeschichte, übersinnlichem (?) Mystery und trocken-schwarzem Humor katapultiert. Saoirse (Roísín Gallagher), Robyn (Sinéad Keenan) und Dara (Caoilfhionn Dunne) sind Ende dreißig und haben, seitdem sie ihrem beschaulichen Heimatort Knockdara in der tiefen Provinz Nordirlands, den Rücken gekehrt haben, völlig unterschiedliche Lebensentwürfe verfolgt. Doch die Nachricht vom Ableben von Greta, einer gemeinsamen Freundin aus ihrem einstigen Zirkel, wirkt wie ein Magnet, der sie zurück an den Ort ihrer Freundschaft zieht. Doch vom einstigen Glück, ist – dort erst einmal angekommen – nicht mehr viel übrig. Das Verhalten der wie ferngesteuert wirkenden Trauergemeinschaft wirkt dabei genauso seltsam, wie die komischen Umstände von Gretas tragischem Ableben. Noch ehe sie sich versehen, stecken sie knietief in einem Sumpf aus dörflichem Wahnsinn und der Erkenntnis, dass ihre Rückkehr in die Vergangenheit vielleicht nicht der erhoffte Schlussstrich, sondern ein humoristischer Freifahrtschein direkt in den Wahnsinn ist.

Drei Frauen, eine Leiche – und der ganz normale Horror der Provinz
Es ist verdammt erfrischend, in die Welt von „How to Get to Heaven From Belfast“ einzutauchen – vor allem, wenn man bedenkt, was Netflix Woche für Woche auf seine Streaminggemeinde loslässt. Zwischen all den glattgebügelten Algorithmus-Ausgeburten macht Lisa McGees weibliche Antwort auf „Hot Fuzz“ & Co. erstaunlich viel Spaß – und das nicht zuletzt wegen der perfekt ausgeloteten Gewichtung von trockenem Humor, treibender Spannung und dem surrenden Grundrauschen paranoider Mystery. Die Formel dabei ist recht simpel und für sich betrachtet eigentlich sogar ziemlich genau das, was die Streaminglandschaft ohnehin schon im Überfluss breitwalzt. Doch McGees Gespür für ihre Charaktere und die punktgenaue Fusion der einzelnen Elemente machen hier den entscheidenden Unterschied. Da wäre das düstere Geheimnis aus der Kindheit, das Saoirse und ihre Mädels auch noch in den Alltagszermürbungen der Enddreißiger verbindet, genauso wie der mysteriöse Todesfall, der weit mehr zu bieten hat, als nur plumpe Ermittlungsarbeiten. Zwei Komponenten, die eigentlich immer ziehen, aber nur selten zünden.

Dass „How to Get to Heaven From Belfast“ so gut funktioniert, liegt vor allem an der charismatischen Besetzung in der ersten Reihe. Roísín Gallagher, Sinéad Keenan und Caoilfhionn Dunne wirken nicht wie gecastet. Sie wirken wie eine echte Fehlbesetzung für ein ganz normales Leben – und genau deshalb passen sie so gut zusammen. Ihre Dynamik hat wenig von der künstlichen Serien-Harmonie, wie sie leider viel zu häufig auf Netflix zu sehen ist und entwickelt sich stattdessen organisch aus dem heiteren Zusammenspiel von chronischer Überforderung, quirligen Wortwechseln und nordirischem Galgenhumor, der sich wie ein roter Faden durch die bissigen Wortwechsel zieht. Während das im Hintergrund dümpelnde Mysterium stetig voranschreitet und dabei neugierige Hobby-Sherlock-Holmes und mysteriebegeisterte Serienjunkies gleichermaßen in sich hineinzieht, ist also auch seitens komödiantischem Timings für reichlich bissigen Unterhaltungswert gesorgt. Das Einschalten lohnt sich.

Fazit
McGees nordirischer Genremix ist der dringend benötigte Gegenentwurf zur Netflix-Stangenware. Dank toller Dynamik zwischen den Darstellerinnen und mal staubtrockenen, mal quirligen Wortwitz wird die mysteriöse Wahrheitssuche von drei Freundinnen zum herrlich skurrilen Trip für Fans von Edgar Wrights Cornetto-Trilogie.


