Brotherhood: Angstzustand – Kritik zum Netflix Film: Nervenkitzel pur

Brotherhood: Angstzustand Netflix Film 2026
TitelBrotherhood: Angstzustand
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
RegiePedro Morelli

Starttermin: 11.02.2026 | Netflix

Die Netflix Serie geht in die nächste Runde – als Spielfilm

Die Korruption der Polizei füttert die Gewalt der Gangs – und umgekehrt. Wer die brasilianische Serie „Brotherhood“ im System hat, kennt den Zermürbungskrieg zwischen Uniformen ohne Ehre und Kriminellen ohne Gnade, der in den Häuserschluchten São Paulos jeden Rest von Moral wegschwemmt. Nach dem Ende der zweiten Staffel und dem bitteren Ende von Edson (Seu Jorge), Anführer und Leitfigur der sogenannten Bruderschaft, schien der letzte Vorhang des sich gegenseitig befeuernden Wechselspiels aus Gewalt gefallen – doch der Hunger nach Vergeltung schläft nicht, er wartet nur auf den nächsten Funken. Mit „Brotherhood: Angstzustand“ werden die alten Wunden erneut aufgerissen und mit Salz eingerieben. Auch ohne Vorwissen zu den vorangegangenen Geschehnissen erweist sich die filmische Fortsetzung als unmittelbarer Sprung in den Abgrund, der keine Zeit für Erklärungen verschwendet und sein Publikum direkt an der Gurgel packt.

Brotherhood: Angstzustand Netflix Film 2026
Brotherhood: Angstzustand ©Netflix

Alles beginnt mit einer trügerischen Ruhe: Im Polizeipräsidium wird gefeiert, die bevorstehende Geburt eines Kindes zelebriert – eine seltene, fast schon naive Insel der Menschlichkeit in einem Meer aus Korruption, doch diese Idylle ist nichts weiter als die brennende Lunte für das kommende Chaos. Eine Bombe zerfetzt die Stille und schickt die Zuschauerschaft auf eine Jagd durch die betonierten Eingeweide von São Paulo. Diese zehnminütige Plansequenz klebt an den Figuren wie kalter Schweiß. Seit dem Netflix-Erfolg „Adolescence“ in aller Munde mag dieses technische Spielwerk zwar Konjunktur haben, aber auch hier entfaltet es eine eigene, dreckige Sogwirkung – wenngleich das Konzept bereits erste, kleine Abnutzungserscheinungen zeigt. Die Kamera schneidet nicht weg – zumindest nicht sichtbar –, sondern frisst sich durch das viszerale Chaos der Straßenschlachten, vorbei an brennenden Fahrzeugkrarosserien und den sternförmigen Salven der Schnellfeuerwaffen. Gefangen in einer einzigen, atemlosen Bewegung, bis der Vorspann die Szenerie endlich ausspuckt und die erste echte Pause zum Luftholen gönnt

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xKein Vorwissen? Kein Problem!

Dann der Schnitt zwei Tage zurück, hinter die Mauer der Eskalation. Wir sehen Ivan (Lee Taylor) und seine Frau, die für die Bruderschaft brennen. Ihre Geschichte entfaltet sich formelhaft, aber effektiv: Die 18-jährige Elisa (Camilla Damião), Tochter des toten Edson, wird von korrupten Polizisten verschleppt. Während Tante Cristina (Naruna Costa) verzweifelt versucht, die Reste ihrer Moral zusammenzukratzen, versinkt die Stadt im Chaos. Immer wenn das Blut auf dem Asphalt zu kochen beginnt, verzichtet „Brotherhood: Angstzustand“ auf hektische Schnitte. Stattdessen zelebriert das Netflix Original die handwerklich kompetent umgesetzte Gewalt in langen, unerbittlichen Einstellungen. Keine klinische Action, sondern ein rasanter Rausch, der die Zuschauerschaft zwingt, jede Sekunde des unbarmherzigen Überlebenskampfes ohne Atempause mitzuerleben. Hier herrscht koordiniertes Chaos in durchchoreografierte Form.

Brotherhood: Angstzustand Netflix Film 2026
Brotherhood: Angstzustand ©Netflix

Man muss  „Brotherhood“ nicht unbedingt gesehen haben, um sich in dieser maroden Welt zurechtzufinden, auch wenn es natürlich dienlich ist, mehr über die Figuren zu wissen, die sich in ihr bewegen. Doch auch losgelöst funktioniert „Brotherhood: Angstzustand“, dafür sorgen die vereinzelten Rückblicke in die Vergangenheit der Akteur*innen – und den Rest übernimmt die Inszenierung, die die hässliche Fratze eines Brasiliens porträtiert, in dem die Grenzen zwischen Gesetz und Verbrechen längst verschwommen sind. Sicher, der Film erreicht nie die sakrale Dringlichkeit eines „City of God“, aber er ist eine verdammt ehrliche Bestandsaufnahme des Verfalls. Es geht nicht um Helden, es geht um das nackte Überleben, inszeniert als übersichtliche, aber chaotische Jagd durch ein korruptes System. Der Druck in der Magengrube ist zwar nicht permanent, und doch ist der Effekt spürbar – laut, rasant und unterhaltsam.

Brotherhood: Angstzustand Netflix Film 2026
Brotherhood: Angstzustand ©Netflix

Fazit

Ein knallharter Rausch, der keine Gefangenen macht: Trotz bekannter Muster überzeugt die Fortsetzung der Netflix Serie durch ihre dreckige Atmosphäre und technische Brillanz.

Bewertung: 3.5 von 5.
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