Unfamiliar: Kritik zur Netflix Serie – Der nächste deutsche Streaming-Hit?

Unfamiliar Netflix Serie 2026
TitelUnfamiliar
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
CreatorPaul Coates

Starttermin: 05.02.2026 | Netflix

Das deutsche Netflix-Paradoxon

Man kennt das Prozedere: Ein neuer deutscher Netflix-Release steht an, die Marketing-Trommel rührt kräftig für düstere Bilder und „internationale Qualität“, und am Ende bleibt oft nur das schale Gefühl einer gut ausgeleuchteten Leere. Mit der Spionage-Serie „Unfamiliar“ unternimmt der Streaming-Gigant nun den nächsten Versuch, das Genre des Agententhrillers auf hiesigem Boden heimisch zu machen. Das Versprechen klingt zunächst verlockend: Ein deutsches „The Americans“, verpflanzt zwischen Gastronomie-Fassade und die unterkühlte Tristesse Berliner Vorstädte, getragen von einem Cast, der auf dem Papier eigentlich für darstellerische Tiefe bürgt. Doch schon nach den ersten Minuten schleicht sich diese spezifische Ernüchterung ein, die man mittlerweile fast schon reflexhaft mit deutschen Prestige-Produktionen verbindet. Es ist dieses seltsame Paradoxon zwischen visuellem Hochglanz und inhaltlicher Blutleere, das uns auch hier wieder begegnet. Bevor wir uns jedoch im Dickicht der hölzernen Dialoge verlieren, werfen wir einen Blick auf das, was uns die Macher*innen eigentlich verkaufen wollen.

Unfamiliar Netflix Serie 2026
Unfamiliar ©Stephan Rabold / Netflix

Die Geschichte, die Netflix hier pünktlich zum Februar 2026 präsentiert, führt uns in ein unscheinbares Berliner Viertel, in dem Meret (Susanne Wolff) und Simon (Felix Kramer) ein kleines Familienrestaurant betreiben. Nach außen wirken sie wie ein eingespieltes Gastronomen-Paar, doch ihr Alltag ist eine hochgefährliche Inszenierung. Als ehemalige BND-Agenten nutzen sie ihr Heim als inoffizielles Safe House für Menschen, die offiziell gar nicht existieren dürfen. Die mühsam aufrechterhaltene Sicherheit gerät jedoch ins Wanken, als ein neuer Schutzsuchender auftaucht, dessen Ankunft alte Wunden aus einem Einsatz in Belarus vor sechzehn Jahren aufreißt. Plötzlich steht nicht nur das Leben ihrer Schützlinge auf dem Spiel, sondern auch das ihrer eigenen Kinder, während sie von russischen Agenten und den Schatten ihrer eigenen Behörde in die Enge getrieben werden. In weiteren Rollen ergänzen Samuel Finzi und Natalia Belitski das Ensemble dieses Versteckspiels, das sich schnell von einer logistischen Herausforderung in einen verzweifelten Kampf um die eigene Biografie verwandelt.

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Unfamiliar, aber leider nur allzu bekannt 

Man fühlt sich als Kritiker*in mittlerweile fast schon wie der sprichwörtliche Leierkastenmann, der immer dieselbe Melodie von der verschenkten Chance abspielen muss – aber deutsche Produktionen machen es einem auch verdammt schwer. Oft stimmt das Setting, wie man es bei „Dark“ bewundern durfte, oder zumindest die Grundidee ist reizvoll, wie etwa beim doch allzu seelenlosen „Black Mirror“-Verschnitt „Cassandra“ – beides übrigens ebenfalls von Netflix. Doch dann kommen die Dialoge um die Ecke und reißen mit einer fast schon erschreckenden Präzision alles wieder ein. „Unfamiliar“ macht da leider munter weiter. Wir werden mit hölzern vorgetragenen Wortwechseln gequält, die einerseits viel zu viel verraten, indem sie das Offensichtliche laut aussprechen, und andererseits absolut gar nichts sagen. Da wirkt dann auch der permanent bedrohlich dröhnende Score plötzlich völlig deplatziert und offenbart eine gewaltige Ton-Bild-Schere. Man hört das musikalische Versprechen eines existenziellen Albtraums, sieht aber auf dem Bildschirm nur Darsteller*innen, die Sätze aufsagen, als stünden sie auf der Bühne eines laienhaft besetzen Kleinstadttheaters. Was „Unfamiliar“ uns da am Ende als großen Spionage-Plot verkaufen will, ist leider von einer fast schon beleidigenden Belanglosigkeit.

Unfamiliar Netflix Serie 2026
Unfamiliar Netflix Serie 2026

Wo manche im Vorfeld vollmundig von einem deutschen „Mr. & Mrs. Smith“ redeten – nur eben in düster und ernst, was ja quasi schon durch das Amazon-Serien-Remake des vorvergangenen Jahres abgehakt wurde –, haben wir es hier mit einer gänzlich herkömmlichen Spionagegeschichte zu tun. Wir stolpern durch die verwinkelten Gassen der Berliner Nacht, doch „Unfamiliar“ ist eben kein „Victoria“ – jenes deutsche Meisterwerk mit zur Abwechslung mal wirklich authentischen Dialogen, den es gelang Berlin als lebendige Metropole zu zeigen, die atmet und schwitzt. Stattdessen bleibt ein formelhafter Spionagethriller über Verrat, Täuschung und die unvermeidlichen moralischen Grauzonen, die man mittlerweile in jedem zweiten Drehbuchseminar als Standardbaustein findet. Das sieht zwar dank hochwertiger Kameras und Color-Grading angenehm düster aus, fühlt sich beim Konsumieren aber unangenehm zäh an. Es fehlt der Mut zur Lücke, zur Stille oder zur echten Dreckigkeit, die über die klinische Netflix-Optik hinausgeht. Am Ende bleibt ein Produkt, das zwar alle Checklisten des modernen Streamings erfüllt, aber dabei vergisst, eine Geschichte zu erzählen, die man nicht schon nach der ersten Episode wieder vergessen möchte.

Unfamiliar Netflix Serie 2026
Unfamiliar ©Stephan Rabold / Netflix

Fazit

Ein schicker Agenten-Thriller, der trotz Star-Besetzung in klinischer Langeweile erstarrt. „Unfamiliar“ liefert zwar edle Bilder, scheitert aber krachend an hölzernen Dialogen und einer Story, die man sofort wieder vergisst. Belanglose Hochglanz-Leere.

(Fazit nach zwei Episoden)

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