| Titel | Good Fortune |
| Genre | Komödie |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 6 |
| Regie | Aziz Ansari |
Kinostart: 16.10.2025
Keanu Reeves als Engel statt Baba Jaga
Kaum jemand könnte passender für die Rolle eines Engels sein als Keanu Reeves. Für viele ist er das ohnehin schon im echten Leben. Der durch „Matrix“ und „John Wick“ bekannte Schauspieler gilt als einer der unproblematischsten Menschen in Hollywood: bodenständig, warmherzig und erstaunlich nahbar. In Interviews wirkt er ehrlich und zurückhaltend, und mit seinem Vermögen tut er nachweislich viel Gutes – unter anderem spendete er einen Großteil seiner „Matrix“-Gage an die Krebsforschung. Und als wäre das nicht genug, besitzt Reeves auch noch ein Charisma, mit dem er mühelos jeden Zuschauer um den Finger wickelt.

Eine Eigenschaft, die ihm auch in der Rolle des Schutzengels Gabriel zugutekommt. Mit seinem komödiantischen Timing und seiner liebenswerten Ausstrahlung wird Reeves zum klaren Aushängeschild von „Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel“, dem Regiedebüt von Schauspieler und Comedian Aziz Ansari, der zugleich die Hauptrolle Arj übernimmt. Arj lebt in Los Angeles, hält sich mit wechselnden Jobs über Wasser und verliert zunehmend die Lust am Leben. Sein Schutzengel Gabriel ist selbst frustriert, hat das Gefühl, nicht genug bewirken zu können, und beschließt kurzerhand, sich direkter in Arjs Leben einzumischen. Um ihm neue Hoffnung zu geben, lässt er ihn für eine Woche in das Leben des reichen Venture-Kapitalisten Jeff (Seth Rogen) schlüpfen – ohne die Konsequenzen dieses Eingriffs zu bedenken.

Existenzkrise zum Wohlfühlen
Zur Seite, Gen Z! Hier gibt es nichts für euch zu sehen. Außer ihr wollt einen Blick in eure eigene Zukunft riskieren. „Good Fortune“ gehört ganz klar den Millennials – vom cringen Humor (Chicken Nuggies!) bis hin zur Message, die Aziz Ansari vermitteln will. Einer Generation, die mit der Hoffnung aufgewachsen ist, sich mit Anfang 30 ein Haus leisten zu können, heute aber froh ist, wenn am Monatsende die Miete bezahlt ist. Menschen, die jeden Cent zweimal umdrehen, Tag für Tag denselben Trott erleben und zusehen müssen, wie Arbeitsbedingungen immer schlechter werden und Möglichkeiten immer weiter schwinden, während Milliardäre sich einen Dreck um all das scheren. Genau hier setzt Ansari an und will erklären, dass Geld nicht alles ist. Das Ironische daran: „Good Fortune“ schafft es keine Minute lang, diese Aussage wirklich glaubwürdig zu vermitteln. Im Gegenteil – das Leben von Hauptfigur Arj verbessert sich durch seinen plötzlichen Wohlstand massiv.

Vorbei sind die Zeiten, in denen er heimlich in seinem Auto schlafen musste. Probleme? Ja, die hat er immer noch. Aber sie wirken zu konstruiert, um sie ernst zu nehmen, und schon gar nicht wie die direkte Folge von zu viel Geld. Der Film macht zwar deutlich, dass Reichtum nicht alles ist, dass Beziehungen und das eigene Innenleben zählen. Aber er vermittelt gleichzeitig, dass mehr Geld trotzdem ziemlich schön wäre. Eigentlich richtet sich „Good Fortune“ weniger an die, die nichts haben, sondern an die andere Seite: jene, die im Überfluss leben, ihn nicht wertschätzen, ihn nicht nutzen, um das Leben anderer zu erleichtern, und stattdessen auf sie herabblicken. Wirklich witzig ist Ansaris Film selten, amüsant dagegen durchaus. Vor allem die Dynamik zwischen Reeves, Rogen und Ansari trägt ihn. Am Ende bleibt „Good Fortune“ ein Film mit guten Ansätzen und spürbarem Herz, der seiner eigenen Thematik aber zu selten die nötige Tiefe verleiht.

Fazit
„Good Fortune“ ist im Grunde „Der Himmel über Berlin“ für ein Mainstream Publikum, das nicht zu tief graben möchte. Sympathisch, stellenweise witzig und getragen von der Chemie zwischen Reeves, Rogen und Ansari, bleibt der Film in seinen großen Themen aber bewusst oberflächlich. Nett, warmherzig und folgenlos.



