| Titel | Die Löwinnen |
| Genre | Komödie, Action |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Olivier Rosemberg |
Starttermin: 05.02.2026 | Netflix
Von der Savanne ins Reihenhaus
In der goldenen Ödnis der Savanne regiert eine Arbeitsteilung, die Darwin Tränen des Zynismus in die Augen treiben würde. Während der Löwe, dieses prächtige Denkmal patriarchaler Trägheit, mit majestätischer Gelassenheit den Schatten hütet und sein Gebrüll eher der Verdauung als der Einschüchterung dient, sind die Löwinnen die wahren Architektinnen des Überlebens. Mit einer fast schon unheimlichen, instinktiven Effizienz und der lautlosen Eleganz tödlicher Schatten koordinieren sie den strategischen Mord, um das Buffet zu eröffnen. Der „König der Tiere“ hingegen pflegt sein Image als statuarischer Müßiggänger, der erst erwacht, wenn das Fleisch mundgerecht serviert wird. Es ist ein glanzvolles Beispiel biologischer Ungerechtigkeit: Er trägt die Krone, sie trägt die Beute. Ein aristokratisches Modell, das beweist, dass wahre Macht nicht im Handeln liegt, sondern in der unverschämten Fähigkeit, sich für das Nichtstun huldigen zu lassen. Diese animalische Rollenverteilung findet in der französischen Netflix-Produktion „Die Löwinnen“ eine höchst amüsante, bürgerliche Entsprechung.

Die Geschichte von „Die Löwinnen“ spielt sich nicht in verrauchten Gangster-Villen ab, sondern mitten im prekären Alltag zwischen unbezahlten Rechnungen und der Jagd nach Schnäppchen im Discounter. Hier kämpft das „Rudel“ nicht gegen Hyänen, sondern gegen den Dispo. Im Zentrum steht Alex (Rebecca Marder), die mit ihrer besten Freundin (Zoé Marchal) und einer halben Hand voll weiteren Komplizinnen – u.a. verkörpert von Naidra Ayadi – den Entschluss fasst, die Beutekette zu sprengen. Ihr Plan ist so dilettantisch wie furchtlos: Bankraub als Notwehr gegen das soziale Abseits, getarnt unter schlecht sitzenden Männerklamotten. Das ist kein hochglanzpolierter Heist, sondern logistisches Chaos, bei dem die größte Hürde oft darin besteht, die Sturmhaube über die Lockenwickler zu zerren, während die Kinder abgeholt werden müssen. Kriminelle Energie? Vielleicht. Vor allem aber purer Pragmatismus.

Wenn Mütter zu Bankräubern werden
Ob Savanne oder Vorstadtidylle – manchmal muss man als Frau eben selbst zubeißen, wenn die Männerwelt kollektiv im organisatorischen Koma liegt. Netflix’ „Die Löwinnen“ verzichtet dankenswerterweise auf den moralischen Zeigefinger und setzt stattdessen voll und ganz auf den Unterhaltungswert der puren Überforderung. Inspiriert von der realen „Gang des Amazones“, die einst die französische Justiz bloßstellte, nutzt die achtteilige Miniserie die Unsichtbarkeit der „normalen“ Frau von Nebenan als perfekten Tarnmantel – gefolgt von der ultimativen Pointe: Eine der Protagonistinnen, in die Enge getrieben und in Sorge um ihren Sohn, beichtet dem ermittelnden Beamten ihre Taten, nur um von selbigem müde weggelächelt zu werden. Wer eine Schürze trägt, raubt keine Banken – dieser patriarchale Denkfehler wird hier zum charmanten Komplizen, der den Raubkatzen erst den nötigen Vorsprung verschafft.

Dass der ganze Schlamassel trotz des rasanten Tempos nicht im platten Klamauk versinkt, ist dem Ensemble zu verdanken. Die Darstellerinnen spielen ohne jede mühsame Psychologisierung, sondern mit einer Leichtigkeit verströmenden Freude am Spiel, die sich unmittelbar auf die Zuschauerschaft überträgt. Statt emotionaler Erdung gibt es hier Figuren, die durch ihre Macken und ihre schrullige Art über weite Strecken einfach Laune machen. Die Kamera ist dabei ähnlich dynamisch wie die Protagonistinnen selbst – durch und durch auf Komödie getrimmt und somit meilenweit entfernt vom deprimierenden Sozialporno üblicher Vorstadt-Dramen. Man muss das Heist-Rad am Ende eben nicht neu erfinden, wenn man es mit so viel Chuzpe zum Eiern bringt. „Die Löwinnen“ ist weder anspruchsvoll, noch innovativ, sondern ein rasanter, herrlich alberner Trip durch den ganz normalen Wahnsinn, bei dem am Ende nur eines zählt: Dass das Rudel zusammenhält, wenn der Cashflow stockt.

Fazit
Wer braucht schon den König der Tiere, wenn die Frauen den Laden schmeißen? „Die Löwinnen“ ist ein räuberischer Spaß, bei dem die Gerechtigkeit zwar Federn lässt, das Rudel aber ordentlich fette Beute macht.
(Fazit nach zwei Episoden)


