1978: Kritik zum Film – Blutiger FSK-18-Horror aus Argentinien

1978 Film 2024
Titel1978
Genre Horror
Jahr2024
FSK18
RegieLuciano Onetti, Nicolás Onetti

Heimkinostart: 29.01.2026

Argentiniens dunkelstes Kapitel als okkulter Horror

Horror und Politik gehen seit jeher Hand in Hand. Was die Welt beschäftigt und wovor Menschen Angst haben, spiegelt sich immer wieder in den Horrorfilmen des jeweiligen Jahrzehnts wider. Gerade deshalb ist es wichtig, die Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren, besonders in Zeiten, in denen sich Geschichte zu wiederholen droht. Die Brüder Nicolás und Luciano Onetti stammen aus Argentinien, einem Land mit einer zutiefst tragischen Vergangenheit. Einer Geschichte von Leid und Folter, die sich während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 ereignete und das Land bis heute prägt.

1978 Film 2024
1978 ©Busch Media Group

Diesen sehr realen Horror greifen die Onetti-Brüder auf und verarbeiten ihn in ihrem neuesten Film in einer okkult angehauchten Geschichte. Bekannt wurden sie vor allem durch ihre Vorliebe für den Giallo-Stil, der bereits in frühen Werken wie „Francesca“ deutlich spürbar war. Hierzulande dürften Horrorfans vor allem der Backwoods-Schocker „What The Waters Left Behind“ sowie dessen Sequel ein Begriff sein. In „1978″ wird während des WM-Finales eine Gruppe junger Menschen entführt und gefoltert, doch die Peiniger erkennen bald, dass sie die Falschen erwischt haben.

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Politischer Horror ohne Rückgrat

„1978″ ist durch und durch frustrierend. Betrachtet man ausschließlich das Visuelle, liefern die Gebrüder Onetti hier nämlich richtig stark ab und erschaffen einen düsteren Horrorfilm, der mit schön ekelhaften praktischen Effekten und einer dreckigen Atmosphäre aufwartet. Die dämonischen Gestalten erinnern dabei an Filme wie „Baskin“, „Last Shift“ oder „The Void“. Es wirkt, als bekäme man einen ungeschönten Einblick direkt in die Hölle. Auch die gelungene Kameraarbeit und Beleuchtung tragen maßgeblich zur Stimmung bei und kaschieren das vermutlich geringe Budget eindrucksvoll. Und jetzt zum frustrierenden Teil: Inhaltlich kackt „1978″ so richtig ab. Nach einem noch durchaus soliden Aufbau wird in der zweiten Hälfte regelrecht durch die Handlung gehetzt, ohne Raum für Emotionen oder nachhaltige Wirkung zu lassen. Zusätzlich hinterlässt das Drehbuch einen moralisch mehr als faden Beigeschmack.

1978 Film 2024
1978 ©Busch Media Group

Die dunkelsten Kapitel der argentinischen Geschichte in einen Horrorfilm einzubetten ist ein Risiko, das grundsätzlich funktionieren kann. Kaum ein Genre ist schließlich so politisch aufgeladen wie Horror. Eine klare Gut gegen Böse Erzählung, in der sich die Gefangenen gegen die Diktatur auflehnen und ihren Peinigern entgegentreten, hätte zumindest ein Gefühl von Genugtuung erzeugen können. Stattdessen wird eine übernatürliche, dämonische Macht eingeführt, die willkürlich ihre Opfer wählt und Täter wie Opfer dazu zwingt, zusammenzuarbeiten. Besonders problematisch ist dabei, dass der einzige Charakter, der überhaupt näher beleuchtet wird, Miguel ist, ein Teil der Militärdiktatur. Die Vermenschlichung eines monströsen Systems, bei der strukturelle Schuld auf ein vages Generationentrauma reduziert wird, wirkt erschreckend harmlos. Eine schwammige Botschaft, die gerade in der aktuellen politischen Lage gefährlich ist.

1978 Film 2024
1978 ©Busch Media Group

Fazit

„1978″ sieht beeindruckend aus und beweist, dass die Onetti-Brüder ihr Handwerk beherrschen. Doch hinter der starken Oberfläche steckt ein Film, der politische Tiefe verspricht, sie aber nie wirklich einlöst. Statt sich klar zu positionieren, verliert er sich in okkulten Motiven und schwächt Schuld dort ab, wo Haltung nötig gewesen wäre. Übrig bleibt ein atmosphärisch starker, inhaltlich aber erstaunlich leerer Horrorfilm.

Bewertung: 2.5 von 5.
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