| Titel | Troll 2 |
| Genre | Action, Fantasy |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Regie | Roar Uthaug |
Starttermin: 01.12.2025 | Netflix
Die Trolle wüten wieder auf Netflix
Bevor der neue Riese losstapft, sollte man sich daran erinnern, wie der erste gestolpert ist. „Troll“ war ein Film, der sich Eigenständigkeit auf die Fahne schrieb und dann doch nach Hollywood-Handbuch marschierte: alte Tropen, bekannte Figuren, ein Kaiju-Konstrukt wie aus dem Regal gezogen. Der entlassene Wissenschaftler, die entfremdete Tochter, die sturen Militärs, die Regierung, die alles falsch einschätzt, bis der Riese vor der Tür steht. Ein Monsterfilm à la King Kong & Co., nach Schablone gezeichnet, nur mit norwegischer Postkartenlandschaft als Tapete. Visuell beeindruckend, erzählerisch vollständig im Baukastensystem gefangen. Mit „Troll 2“ steht nun der zweite Anlauf an. Die Frage, die über allem schwebt, ist daher weniger neugierig als notwendig: Gelingt es dem norwegischen Netflix Original, sich aus dem Schatten eines Blockbuster-Abklatschs zu lösen – oder erwartet uns erneut nordische Kulisse für US-amerikanische Routine?

Kaum sind die Trümmer des ersten Angriffs beseitigt, kündigt sich in „Troll 2“ schon die nächste Bedrohung an. In einer geheimen Militärbasis, tief in den Bergen, wird ein bislang unbekannter Troll unter strengster Bewachung festgehalten – ein gewaltiges Wesen, älter, massiver und unberechenbarer als alles, was Nora Tidemann (Ine Marie Wilmann) je gesehen hat. Als ein Sicherheitsfehler zur Katastrophe führt, bricht der Troll aus seiner Gefangenschaft aus und hinterlässt auf seinem Weg durch die Anlage ein Trümmerfeld aus Beton, Stahl und Panik. Während die Behörden fieberhaft versuchen, die Lage zu kontrollieren, zieht das Wesen bereits Schneisen der Verwüstung durch nahegelegene Dörfer und Skiregionen. Das Militär scheitert ein weiteres Mal, und Noras Recherchen offenbaren eine beunruhigende Wahrheit: Dieser Troll ist nicht auf der Flucht – er sucht etwas.

Nordische Kulisse, amerikanische Routine
Es gibt da diesen Film, „Troll 2“ aus dem Jahr 1990, berühmt-berüchtigt und in vielen Kreisen als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gehandelt. Ein Klassiker des Trash-Kinos, der für sein absurdes Drehbuch, hölzerne Dialoge und unfreiwillige Komik geliebt und gefürchtet wird. Dass das neue Monsterabenteuer seitens Netflix denselben Namen trägt, könnte ihm eigentlich einen leichten Vorteil verschaffen – schließlich kann man kaum schlechter abschneiden als der berüchtigte Namensvetter –, doch selbst dieses kleine Plus weiß „Troll 2“ nicht für sich zu nutzen. Stattdessen macht die Fortsetzung exakt da weiter, wo bereits der erste Teil an Ideenmangel, uninspirierten Figuren und dem stumpfen Abhaken von Genreklischees gescheitert ist, und daraus ergibt sich unmittelbar die ernüchternde Erfahrung: ein dröges Abhaken altbekannter Genremuster, das sich wie die dreiste Kopie ohnehin schon ermüdeter US-Vorbilder anfühlt. Was folgt, ist eine stakkatoartige Schnitzeljagd, ein ideenloses Hetzen von Checkpoint zu Checkpoint, ohne Drive, ohne Aufbau, ohne Rhythmus – und mit erstaunlich wenig Monsteraction. Ein kurzer, beinahe alibihafter Après-Ski-Überfall, ein paar umherfliegende Menschen – das war’s fast schon. Selbst das prominent auf dem Poster beworbene Duell zweier Trolle verpufft nach Sekunden, als wolle das Netflix Original auf keinen Fall zu viel Spektakel riskieren.

Statt mit spaßiger Kaiji-Schlachten zu unterhalten, verliert sich „Troll 2“ in endlosen Erklärdialogen, pseudo-mythologischem Hintergrundrauschen und militärischen Planspielen, die sich anhören wie improvisiertes Laientheater. Da ist Platz für unmotivierte Romanzen, humorlose Witzversuche und Drama auf Telenovela-Niveau – aber erstaunlich wenig Raum für Monster-Gekloppe. Weder die Dramaturgie noch die Bedrohung wirken konstant: Die Trolle erscheinen immer nur dann, wenn die Handlung gerade frische Luft braucht, und das Militär taucht genauso beliebig auf und ab. Logik löst sich im Nebel des norwegischen Gebirges auf, der Spaß bleibt in diesem Dunst gleich ganz verborgen – und die wenigen Monsterszenen, die übrig bleiben, wirken wie ein Überbleibsel aus einem deutlich besseren Film, der leider nie veröffentlicht wurde. Damit untergräbt „Troll 2“ sogar die ohnehin fragile Qualität seines Vorgängers. Was Teil 1 zumindest visuell beeindruckend machte, verpufft hier im Nichts – und selbst der Namensvetter aus den Neunzigern, berüchtigt als schlechtester Film seiner Zeit, hinterlässt am Ende den schrägeren, erinnerungswürdigeren Eindruck. Dieser neue „Troll 2“ schafft nicht einmal mehr das – auch nicht dann, wenn das kurz angeteaserte Monster-Mash-Up für das unbeeindruckende Finale dann doch noch seinen Weg auf die heimischen Bildschirme findet.

Fazit
„Troll 2“ macht da weiter, wo Teil 1 aufgehört hat und verkommt so zu einem weiteren zähen, uninspirierten Blockbuster-Abklatsch, der weder Spannung noch Spaß zu bieten hat.


