Last Samurai Standing: Kritik zur Netflix Serie – Rohe Action im alten Japan

Last Samurai Standing Netflix Serie 2025
TitelLast Samurai Standing
Genre Historie, Action
Jahr2025
FSK16
CreatorKento Yamaguchi, Michihito Fujii

Starttermin: 13.11.2025 | Netflix

Die letzte Schlacht der Krieger

Im Jahr 1878 ist Japan kein Land der Ehre mehr, sondern ein Schlachtfeld. Die Meiji-Ära hat die Samurai entwaffnet, ihre Traditionen ausgelöscht, ihre Bedeutung auf null reduziert – das ist die Geschichte von “Ikusagami”. Eine Erzählung von 292 Männern und Frauen, – einst angesehen, heute von der Regierung ausgegrenzt –, und ihrem Kampf um ein Vermögen von hundert Milliarden Yen für den letzten Überlebenden. Shōgo Imamuras Roman, später als Manga adaptiert, zeigte die Samurai nicht als strahlende Helden, sondern als Menschen am Abgrund: zerrissene Rüstungen, vernarbte Gesichter zwischen Stolz, Verzweiflung und moralischen Grenzen, die im Kampf nach und nach verschwammen. Netflix übersetzt diese Vorlage in „Last Samurai Standing“ in ein visuell wuchtiges Abenteuer durch das spätfeudale Japan – mit Fokus auf brutale, durchkomponierte Schlachten, tödliche Strategien und stumme Allianzen. 

Last Samurai Standing Netflix Serie 2025
Last Samurai Standing ©Netflix

Im Zentrum steht Shujiro Saga (Junichi Okada), ein Mann, der ums Überleben kämpft, aber auch um das, was von der Samurai-Ehre noch übrig ist. Die Kriege, die er in seiner blutigen Laufbahn als angesehener Kämpfer auf den Schlachtfeldern seines Landes durchlebt hat, nagen auch heute noch an ihm, genauso wie der krankheitsbedingte Verlust seiner Tochter. Seitdem die Regierung die Samurai entmachtet hat, ist der einzige Kampf, der ihm bleibt, der mit seinen Dämonen. Erst als ein diabolisches Spiel ihm den Gewinn von hundert Milliarden Yen in Aussicht stellt, erwachen neue Lebensgeister in ihm. Nicht des Geldes wegen, sondern um der jungen, ambitionierten, aber auch unerfahrenen Futaba Katsuki (Yumia Fujisaki) auf ihrem gefährlichen Weg zur Seite zu stehen. Die Regeln sind einfach: Alles beginnt in Kyoto mit fast 300 Teilnehmer*innen. Jede*r von ihnen trägt ein Holzamulett um den Hals. Nur wer in einem Monat in Tokio ankommt – mit 30 dieser Holzmarken – gewinnt. Doch der Weg ist ein Massaker: Nur wer seine Mitstreiter*innen überlebt, hat eine Chance. 

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Blutige Pfade durch die Meiji-Ära

„Last Samurai Standing“ eröffnet mit einer eindrucksvollen Plansequenz: Shujiro kämpft sich ohne erkennbare Schnitte durch ein gesichtsloses Heer, die Action kompromisslos und präzise choreografiert. Dann endet die Szene abrupt mit einem Artillerieeinsatz – Kanonen schlagen ein, das Schlachtfeld versinkt in Schutt und Asche. Das Ende einer Ära. Die Zeit des Schwertes ist vorbei; die Samurai haben keinen Platz mehr in einer Welt, die von Feuerkraft, Cholera und politischen Intrigen beherrscht wird. Trauma, Verlust und der Wunsch nach Verbindung treiben Shujiro weiter – schließlich findet er in Futaba einen Ersatz für das, was er verloren hat, und zieht erneut in den Krieg, nun dieses Mal gegen einstige Mitstreiter*innen und die korrupten Drahtzieher hinter dem perfiden Überlebenskampf gleichermaßen. Trotz politischer Einordnung in den zeithistorischen Kontext Japans versteht sich „Last Samurai Standing“ nicht als historisches Lehrstück, sondern entfaltet sich in erster Linie in seiner Eigenschaft als visuell beeindruckendes Abenteuer.

Last Samurai Standing Netflix Serie 2025
Last Samurai Standing ©Netflix

Trotz handwerklicher Präzision entsteht der Eindruck, dass die Geschichte von „Last Samurai Standing“ im engen Korsett eines abendfüllenden Spielfilms straffer und wirkungsvoller hätte wirken können. In einem schlankeren Gewand als dem einer sechsteiligen Miniserie wäre die Reduktion der Figuren kaum spürbar gewesen und zusätzliche Erzählebenen hätten keinen Platz gebraucht. Stattdessen verlagern sich Aufmerksamkeit und Spannung immer wieder auf Nebenhandlungen, die den Kern der Geschichte wiederholt ausbremsen – besonders die Schwenker in Richtung Hintermänner, die das tödliche Spiel orchestrieren, wirken unnötig, wie laufzeitstreckendes Beiwerk, das den Rhythmus stört. Und doch – als schnörkelloses Actionabenteuer entfaltet „Last Samurai Standing“ eine unverkennbare Kraft: in jeder Bewegung, jedem Schlag spürt man die rohe Härte einer Welt, die Tradition, Loyalität und Überleben auf die Probe stellt. Für all diejenigen, die sich auf historische Kämpfe und die Ästhetik blutiger Konfrontationen einlassen, bleibt „Last Samurai Standing“ somit ein Erlebnis, das sowohl den Nervenkitzel des Schwertkampfs als auch die Leere hinter den Figuren spürbar macht – ein packendes, rohes Actionepos.

Last Samurai Standing Netflix Serie 2025
Last Samurai Standing ©Netflix

Fazit

„Last Samurai Standing“ überzeugt als visuell wuchtiges, präzise choreografiertes Actionepos voller roher Gewalt, Tempo und eindrucksvoller Schlachtszenen – ein packendes Abenteuer durch das späte feudale Japan.

(ohne Wertung / Fazit nach zwei Episoden)

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