| Titel | Mango |
| Genre | Romanze, Komödie |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 6 |
| Regie | Mehdi Avaz |
Starttermin: 07.11.2025 | Netflix
Netflix’ Postkartenfilm: Wenn Bilder mehr erzählen als Figuren
Andere Länder, andere Sitten, derselbe Dar Salim. Geboren in Bagdad, aufgewachsen in Dänemark, plötzlich deutscher Tatortermittler – und schon kurz darauf Hollywood-Star. In Kopenhagen jagt er in „Darkland“ durch die Schatten der Unterwelt, wo Loyalität und Verrat dicht wie Nebel über der Stadt liegen. Bremen dagegen ist nüchtern, kühl, klar strukturiert: Hier ermittelt er im „Tatort“ mit stoischer Ruhe durch norddeutsche Straßenschluchten. Und dann Hollywood: In „Guy Ritchie’s Der Pakt“ an der Seite von Jake Gyllenhaal, unter der Regie von Guy Ritchie, navigiert er zwischen Taliban, Loyalität und globalen Konflikten. Skandinavischer Noir, deutscher Krimi, amerikanischer Actionfilm – jede Welt schreibt ihre eigenen Regeln, und Salim bewegt sich durch sie wie ein Chamäleon. Jetzt also Spanien. Sonne statt Schatten. Mangobäume statt Maschinengewehre. In „Mango“ spielt er einen Aussteiger in Love – zumindest der Idee nach. Ein Mann, der der Welt entfloh und stattdessen in einer Netflix-Romanze landet, die aussieht wie Urlaub, sich aber nicht danach anfühlt.

„Mango“ erzählt von Freiheit – oder vielmehr von der Sehnsucht danach. Vom Aussteigen, Loslassen, Neubeginnen. Sonne, Meer, weiße Fassaden, Mangobäume im Wind – die perfekte Kulisse für ein Gefühl, das viele kennen, aber nur wenige wirklich leben. Und doch könnte das Gefühl, das das Netflix Original überträgt, nicht weiter entfernt sein vom versprochenen Lebenshunger. Seelenloses All-inclusive statt mediterranem Flair – eine Liebesgeschichte, die nach Salz und Sonne riechen will, aber nach Sonnencreme schmeckt. Alex (Dar Salim) hat sein altes Leben längst hinter sich gelassen und kümmert sich nun um seine Mangoplantage in Málaga, als wäre sie sein einziger Halt in der Welt. Ruhe, Einfachheit, vielleicht sogar Sinn – das ist, wonach er sucht. Dann taucht Lærke (Josephine Park) auf – Architektin, Pragmatikerin, beruflich entschlossen, privat erschöpft. Sie soll auf Alex’ Land ein Luxushotel planen, er will das verhindern. Was als klassischer Konflikt beginnt, soll sich zu einer stillen Romanze entwickeln. Doch die Funken bleiben aus.

Zwischen Mangobäumen und Klischees
Inszenatorisch wirkt „Mango“ wie ein sorgfältig arrangierter Reisekatalog: Jede Einstellung, jede Kamerafahrt betont die landschaftliche Schönheit – die endlosen Strände, die Mangobäume, das funkelnde Mittelmeer, lichtdurchflutete Innenräume. Alles ist perfekt komponiert, fast schon überästhetisiert, doch darunter bleibt die Erzählung bemerkenswert konventionell. Gleichzeitig bedient „Mango“ die Klischees des Genres mit einer selbstverständlichen Regelmäßigkeit: der zurückgezogene Mann auf seiner idyllischen Plantage, die pragmatische Stadtfrau, die auftaucht, um sein geordnetes Leben zu stören, und die vorhersehbare Annäherung, die unvermeidlich in einer romantischen Kulisse gipfelt. Die Handlung folgt vertrauten Mustern, Konflikte werden konstruiert und schnell abgearbeitet, während die ästhetische Perfektion der Umgebung die narrativen Vorhersehbarkeiten nur noch deutlicher hervorhebt.

Auch die Figuren selbst bleiben bemerkenswert flach. Alex und Lærke wirken archetypisch, ihre Konflikte sind funktional, ihre Gefühle nur angedeutet, selten aber nachvollziehbar. Zwischen ihnen entsteht keine spürbare Dynamik, keine chemische Spannung, die eine Romanze glaubhaft machen könnte. So bleibt ihre Beziehung statisch, auf Distanz, während die Sonne über Málaga scheint und die Mangobäume im Wind wiegen. Die Kulisse suggeriert Leben und Freiheit, doch die Menschen darin wirken wie Figuren in einem eleganten, aber leblosen Schaukasten. Was als romantische Flucht in ein neues Leben angelegt ist, bleibt so in seiner Inszenierung glatt, vorhersagbar und kühl. Netflix liefert hier eine visuelle Postkarte, die Sonne und Idyll zeigt, aber keine Wärme vermittelt.

Fazit
Netflix’ „Mango“ zeigt perfekte Urlaubsbilder, doch die Geschichte bleibt flach – eine romantische Postkarte ohne Herz und Authentizität.


