Das Monster von Florenz: Kritik zur Netflix Serie – Mehr als nur True Crime

Das Monster von Florenz Netflix Serie 2025
TitelDas Monster von Florenz
Genre Thriller, Krimi
Jahr2025
FSK16
CreatorLeonardo Fasoli, Stefano Sollima

Starttermin: 22.10.2025 | Netflix

Wahre Verbrechen im Schatten der Toskana

Zwischen 1968 und 1985 erschütterte eine Reihe brutaler Doppelmorde die Umgebung von Florenz. Immer wieder traf es junge Paare, die in ihren Autos in den Hügeln der Toskana Zuflucht suchten – erschossen, die Frauen verstümmelt, mit einer kaltblütigen Präzision, die die Ermittler*innen und die Öffentlichkeit gleichermaßen entsetzte. Der Täter, der von der Presse schon bald den Namen Monster von Florenz erhielt, konnte nie zweifelsfrei identifiziert werden. Verdächtige wurden verhaftet und wieder freigelassen, Verfahren endeten in Sackgassen – und das Rätsel schien undurchdringbar. Über die Jahre verwandelte sich der Fall in ein nationales Trauma, zu einem Symbol für ein Justizsystem, das zwischen Sensationsgier, Irrtum und Machtmissbrauch zerrieben wurde. Netflix’ Miniserie „Das Monster von Florenz“ erzählt diese Geschichte nun als düsteren Kriminalreigen zwischen Rekonstruktion und Psychogramm – ein Jahrzehnte überspannendes Puzzle, das die Grenzen zwischen Wahrheit und Spekulation auslotet. Doch gelingt es ihr, der Wahrheit näherzukommen, oder verstrickt sie sich – wie einst die Ermittlungen – im Labyrinth ihrer eigenen Hypothesen?

Das Monster von Florenz Netflix Serie 2025
Das Monster von Florenz ©Netflix

Wenn man an Florenz denkt, denkt man an mediterrane Abendsonne auf steinernen Mauern, an den kräftigen Duft von Espresso, der durch die engen Gassen zieht, an Kunst, die aus allen Winkeln erblüht. Man denkt an Botticellis Venus, an Michelangelos David, an die Kuppel von Brunelleschi. Florenz – das Herz der Renaissance, ein Ort voller Schönheit und Kultur. Vielleicht ist es genau diese Überfülle an Licht, die den Schatten so tief macht, den „Das Monster von Florenz“ offenbart. Denn in den mediterranen Hügeln der Toskana, zwischen Zypressen und Weinbergen, verbarg sich über Jahre ein Grauen, das nicht in diese scheinbar friedliche Welt zu passen schien. Das Monster von Florenz, ein Name, der klingt wie ein Fluch und schwer und kalt über Stefano Mele (Marco Bullitta), Francesco Vinci (Giacomo Fadda), Giovanni Mele (Antonio Tintis) und Salvatore Vinci (Valentino Mannias) liegt – vier Verdächtige in einer Mordserie über drei Dekaden hinweg, erzählt in vier Episoden. 

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Auf den Spuren von David Fincher


Der narrative Einstieg wirkt wie einem klassischen Slasherfilm entsprungen: ein Paar in einem Auto, das sich innig und leidenschaftlich liebt, eine bedrohliche Gestalt, ein schneller, brutaler Tod. Doch während der Slasher seine Spannung vor allem aus Schockmomenten zieht, lebt „Das Monster von Florenz“ von Atmosphäre und psychologischer Dichte. Gemächlich entfaltet sich so ein Gefühl der Bedrohung, das sich nicht in schriller Eskalation, sondern in dunklen Bildern und einem unheilvollen Score manifestiert. Anstelle einer linearen Jagd nach der Wahrheit liegt der Fokus des Netflix Serie auf den Menschen, die sich in diesem Albtraum bewegen. Dabei bleibt lange Zeit unklar, in welche Richtung sich die Handlung bewegen wird, welche Hypothesen Bestand haben und wer hier überhaupt welche Rolle einnimmt. Diese narrative Unschärfe erzeugt ein lähmendes Gefühl der Unsicherheit, das die Zuschauerschaft ähnlich in die Irre führt wie die ermittelnden Behörden selbst. 

Das Monster von Florenz Netflix Serie 2025
Das Monster von Florenz ©Netflix

Formal erinnert „Das Monster von Florenz“ dabei an David Finchers „Zodiac“: die obsessive Detailarbeit, die drückende Stimmung, die Nüchternheit, mit der die Erzählung vorangetrieben wird. Doch während Fincher vor allem die Ermittler*innen ins Zentrum stellt, bilden hier die Spielfiguren auf der anderen Seite des Verhörraums das Herzstück der Geschichte. „Das Monster von Florenz“ reist hierfür wiederholt durch die Zeitebenen, nimmt in jeder neuen Episode eine neue Figur ins Zentrum und schafft durch diesen Perspektivenwechsel ein gleichmäßig durchdringendes Charakterportrait aller Beteiligten. Die Miniserie ist damit mehr als nur die bloße Rekonstruktion eines grausamen Verbrechens, sondern ein atmosphärisch dichtes Psychogramm all derer, die sich über Jahrzehnte im Schatten des nicht greifbaren Bösen bewegten.

Das Monster von Florenz Netflix Serie 2025
Das Monster von Florenz ©Netflix

Fazit

„Das Monster von Florenz“ bietet True Crime mit Seele: atmosphärisch dicht, psychologisch präzise und intensiv – eine Miniserie, die sich klar von ähnlichen Produktionen abhebt.

Bewertung: 3.5 von 5.
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