| Titel | Limpia – Schwimm zu mir |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Regie | Dominga Sotomayor Castillo |
Starttermin: 10.10.2025 | Netflix
Mutterschaft jenseits von Blutsverwandtschaft
Mutterschaft ist mehr als Blutsverwandtschaft. Es ist eine Kraft, die Geborgenheit schafft jenseits biologischer Bindung – ein stilles Versprechen, das nicht durch Gene, sondern durch Nähe wächst. Sie beginnt dort, wo jemand Verantwortung übernimmt, Zärtlichkeit schenkt und Schutz anbietet, ohne dass es von ihm verlangt wird. Mutterschaft in diesem Sinn ist keine biologische Tatsache, sondern eine Haltung, ein Dasein für den anderen, leise und zugleich existenziell. „Limpia – Schwimm zu mir“ erzählt genau von dieser Art von Fürsorge: von Nähe, die entsteht, wo sie nicht selbstverständlich ist, und von Bindungen, die trotz aller sozialen Grenzen Kraft und Gefahr zugleich in sich tragen.

Estela (María Paz Grandjean), jung und aus dem ländlichen Süden Chiles stammend, verlässt ihre Heimat und begibt sich in das pulsierende Santiago, um als Hausangestellte für eine wohlhabende Familie zu arbeiten. Zwischen den täglichen Pflichten im Haushalt und dem ständigen Tanz der Erwartungen entsteht eine besondere Nähe zu der sechsjährigen Julia (Rosa Puga Vittini), die selbst in ihrer Einsamkeit gefangen ist. Während die Eltern der kleinen Tochter – Vater (Benjamín Westfall) und Mutter (Ignacia Baeza) – in ihren eigenen Sorgen versinken, wächst zwischen Estela und Julia eine zarte, fast verbotene Vertrautheit. Die Spannungen im Haus, verschärft durch gesellschaftliche Ungleichheit und unausgesprochene Konflikte, tragen den Sommer unaufhaltsam auf ein schicksalhaftes Ende, das Tragödie und Verlust zugleich in sich birgt.

Nähe, Ungleichheit und stille Rebellion
„Limpia – Schwimm zu mir“ ist ein Film über das Ungleichgewicht, das Nähe erzeugt. Über die Zärtlichkeit, die zwischen zwei Menschen entstehen kann – und die Härte der Strukturen, die sie wieder auseinanderreißen. Estela trägt die Welt anderer auf ihren Schultern, wäscht, ordnet, tröstet – und bleibt doch unsichtbar. Ihre Zuwendung ist nicht freiwillig, sondern überlebensnotwendig. In Julia findet sie ein Echo ihrer eigenen Einsamkeit. Zwei Körper, die nach Wärme suchen in einem Haus, das von Abwesenheit hallt. Die Beziehung der beiden ist kein klassisches Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern eine stille Rebellion gegen die Grenzen, die ihnen gesetzt sind. Liebe wird hier zur kleinen, zarten Form des Widerstands – und zugleich zum Ort der größten Verletzlichkeit.

Unter der zarten Oberfläche pulsiert in „Limpia – Schwimm zu mir“ die Kritik an sozialen Hierarchien. Das Netflix Original macht auf unaufdringliche Art sichtbar, wie Arbeit, Verantwortung und Zuneigung entlang von Klassenlinien organisiert sind, und zeigt, wie Unsichtbarkeit und Machtlosigkeit in der Fürsorgearbeit eingebettet sind. Estela wird zur zentralen Figur eines Systems, das sie braucht, ohne sie anzuerkennen. Gleichzeitig zeigt der „Limpia – Schwimm zu mir“, dass Nähe, wenn sie bewusst geschaffen wird, trotz aller sozialen Barrieren einen Widerstand bilden kann – klein, leise und doch unübersehbar.

Fazit
„Limpia – Schwimm zu mir“ ist ein leises Drama, das mehr über soziale Strukturen, Einsamkeit und emotionale Verantwortung aussagt, als es die meisten lauten Filme vermögen.


