| Titel | Chad Powers |
| Genre | Komödie, Sport |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Creator | Glen Powell, Michael Waldron |
Starttermin: 30.09.2025 | Disney+
Stell dir vor, Ted Lasso wäre ein Arschloch
Was, wenn Ted Lasso kein liebenswerter Optimist, sondern ein narzisstischer Blender wäre? Genau mit diesem Gedanken betritt „Chad Powers“ ein Spielfeld, auf dem Anarchie und Charme Hand in Hand gehen. Wenn Russ Holliday (Glen Powell), ein Ex-Quarterback vor den Trümmern seiner Karriere, in der siebenteiligen Disney+ Original Serie, bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, unter dem Pseudonym „Chad Powers“ auf der Bildfläche der College-Football-Liga auftaucht, verwandelt sich selbst die vermeintlich normalste Alltagssituation in ein absurdes Spektakel. Bereits die ersten beiden Episoden versprechen einen wilden Ritt über ein Minenfeld aus Slapstick, schrägen Einfällen und hemmungsloser Selbstinszenierung – wer da nicht dran bleibt, ist selber schuld!

Russ’ Tarnung ist eine Farce par excellence. Eine altbackene Perücke kräuselt sich unter dem Schutzhelm hervor, der krumme Gummizinken wackelt gefährlich, die Fistelstimme krächzt durch die Streben des Gesichtsgitters – Chad wirkt, als sei er direkt einem Cartoon entflohen. Vom kernigen Macho voller Drogen, Eskapaden und Verschwörungstheorien ist kaum mehr etwas übrig; dafür entfaltet sich ein verrückter Balanceakt zwischen komischer Übertreibung und leiser Menschlichkeit. Chad Powers tanzt durch absurde Dialoge, stolpert über peinliche Patzer, stolziert durch groteske Szenen – und macht dabei alles mühelos zu seinem eigenen Chaos. Glen Powell hält diesen Spagat mit spielerischer Brillanz: Sein Chad ist gleichzeitig lächerlich, charmant und tragisch – eine Figur, die man belächelt, während man innerlich mit ihr leidet.

Slapstick trifft Menschlichkeit
Doch auch das Team selbst sorgt dafür, dass das Chaos nie ins Leere läuft. Während Chad mit seinem Mr.-Jackl-und-Mr.-Hyde-Dasein überdreht, erden Trainer, Coaches und Mitspieler das Szenario: leicht überdreht, nie aufdringlich, ein bisschen wie Ted Lasso, und doch vollkommen eigen. So entfaltet nahezu jede einzelne Szene eine kleine Kettenreaktion aus Missgeschicken, witzigen Dialogen und subtilen Gags, die sich wie unsichtbare Fäden durch die Folgen ziehen, während selbst Nebendarsteller wie Steve Zahn („Old Dads“)oder Perry Mattfeld („Who Invited Them“) genügend Raum bekommen, um mitten im Durcheinander Akzente zu setzen und den Humor noch weiter zu steigern.

Absurdität und Übertreibung sind in „Chad Powers“ nicht nur Stilmittel – sie sind der Kern, das pulsierende Herz der Serie. Und doch verheddert sich die Sportkomödie nie ausschließlich im Blödsinn: immer wieder bahnen sich kleine, menschliche Momente ihren Weg durch den Klamauk, Augenblicke, in denen Figuren verletzlich, verzweifelt oder einfach nur menschlich wirken. Genau dieser Spannungsbogen zwischen Slapstick und Feingefühl macht den Reiz aus: Eine Serie, die ihre diametral verlaufenden Tonalitäten perfekt ausbalanciert, so dass man kaum genug kriegen kann von den anarchischen Eskapaden, mit denen Russ/Chad das Spielfeld in ein absurdes Theater der Komik verwandelt.

Fazit
„Chad Powers“ ist Sportkomödie in Hochform: überdreht, absurd, voller Energie und purer Spielfreude. Wer Lust auf chaotischen Humor, sportliche Eitelkeiten und eine Figur hat, die gleichzeitig lächerlich und unwiderstehlich ist, wird hier bestens bedient.


