| Titel | Mantis |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Lee Tae Sung |
Starttermin: 26.09.2025 | Netflix
„Kill Boksoon“ weitergedacht
Südkoreanisches Kino schlägt Wellen – und Netflix wirft sie in die Welt. „Kill Boksoon“, „Ballerina“, „Night in Paradise“: Filme, die früher nur auf Festivals flüsterten, schreien jetzt in Millionen Wohnzimmern. Geschichten über Moral, Chaos und Gewalt, mischen Slapstick mit Tragik, kompromisslose Gewalt mit Gesellschaftskritik und schaffen Figuren, die zugleich verletzlich und gefährlich sind. Genau in diesem Kosmos setzt nun „Mantis“ an – ein Spin-off, das an die Welt von „Kill Boksoon“ anknüpfen will, und wirft die Frage auf: Kann es die Energie und den Rhythmus seines Vorgängers tragen, oder bleibt es selbst in den Schatten der etablierten Welt gefangen?

Und darum geht es…
Han-ul (Yim Si-wan) gründet die Mantis Company und stellt sich damit gegen die etablierten Kräfte der Unterwelt. Nach dem Tod des CEOs von MK Enterprise, Cha Min-kyu (Sol Kyung-gu), geraten Machtstrukturen ins Wanken, und ein erbitterter Wettkampf um Einfluss beginnt. Han-ul trifft auf Jae-yi (Park Gyu-young), seine ehemalige Trainingspartnerin und Rivalin, sowie auf den legendären, zurückgetretenen Killer Dok-go (Jo Woo-jin). Zwischen Intrigen, Loyalitäten und Verrat kämpfen sie um die Vormachtstellung in der Unterwelt. Dabei prallen alte Bindungen auf neue Ambitionen, und jeder Schritt kann den Sieg oder den Untergang bedeuten.

Ein Spin-off auf wackeligen Beinen
Um die Schwäche von „Mantis“ zu begreifen, lohnt sich ein Blick zurück auf seinen Quasi-Vorgänger. Ähnlich wie nun auch das Spin-off, rund zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung auf Netflix, tanzte auch „Kill Boksoon“ erst unsicher zwischen den Genres, als wüsste er nicht, welche Emotion er bei seinem Publikum hervorrufen wollte. Mord, Muttersein, Slapstick, Drama – alles wirbelte durcheinander, und der Antrieb der Geschichte blieb lange verhüllt. Doch dann, in der zweiten Hälfte, legte der K-Actioner die Masken ab und offenbarte, worum es wirklich ging: das brüchige Band zwischen Mutter und Tochter. Plötzlich trug das Drama und erweiterte die brachiale Action um einen Story-Arc, der mitriss. Was „Mantis“ nun jedoch von der Originalgeschichte unterscheidet, ist, dass es diesen Wendepunkt nie erreicht – die Startschwierigkeiten bleiben nicht bloß ein Prolog, sondern bestimmen die gesamte Erzählung.

Während der Auftakt noch Hoffnung weckt – mit einer wuchtigen Kampfszene, in der präzise choreografierte Faust- und Stichwaffenkombinationen mit der dynamischen Kamera zu einem rauschhaften Ballett verschmelzen –, dämpft der sich daraufhin entfaltende Plot die Erwartungen sofort wieder. Die Geschichte nämlich bleibt diffus, ohne erkennbare Linie und überfrachtet mit Erzählsträngen und Figuren, deren Motivationen und Rivalitäten kaum über Altbekanntes hinausweisen. Es bleibt ohnehin rätselhaft, wieso die Welt von „Kill Boksoon” ausgerechnet um ein verschlungenes Netz aus Unternehmensregeln und Gewerkschaftsstrukturen erweitert werden musste, statt sich auf ein packendes Einzelschicksal zu konzentrieren. So formen sich Unternehmensgründung, Arbeitslosenquoten und Regulierungsdebatten zu einer bürokratischen Monotonie, während die elektrisierende, pulsierende Action, die den Film getragen hätte, kaum noch eine Rolle zu spielen scheint.

Fazit
Die Funken von „Kill Boksoon“ glühen heller – und „Mantis“ flackert uninspiriert im Schatten seines Vorgängers.


