| Titel | House of Guinness |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Creator | Steven Knight |
Starttermin: 25.09.2025 | Netflix
Zwischen Malz und Macht
Bier – für die einen beißt es herb, lässt die Zunge brennen; für die anderen fließt es weich, süßlich, fast wie flüssiges Licht, das durch die Gläser tanzt. Ob dunkel oder hell, Ale, Stout oder Lager – jede Sorte atmet eine eigene Geschichte, ein eigenes Leben und hebt das Getränk vom Genussmittel zum Rituale. “House of Guinness” erzählt eine dieser Geschichten – die der Familie Guinness, deren Leben, Macht und Liebe untrennbar mit dem Bier verbunden sind. Intrigen, Sehnsucht und Rivalität fließen durch die Straßen Dublins wie Malzgeruch durch die Brauerei. In acht Episoden entfaltet sich so ein Drama um Erbe, Geheimnisse und Machtkämpfe.

Und darum geht es…
Nach dem Tod von Sir Benjamin Guinness fällt das Familienimperium auf die vier erwachsenen Kinder: Arthur (Anthony Boyle), Edward (Louis Partridge), Anne (Emily Fairn) und Ben (Fionn O’Shea). Während Dublin im 19. Jahrhundert im Umbruch steckt, ringen die Geschwister um Macht, Verantwortung und das Erbe der berühmten Brauerei. Arthur will das Geschäft sichern, Edward sucht Anerkennung, Anne kämpft um ihren Platz in einer Männerwelt, und Ben droht unter dem Druck zu zerbrechen.

Unser Eindruck nach den ersten beiden Episoden
In den Straßen von Dublin liegt der Duft von Malz, von Schmutz, von Aufbruch in der Luft, durchzogen von politischem Machtkämpfen und wirtschaftlichem Wandel. Das Bier, um das sich alles dreht, ist dabei mehr als ein Getränk. Es steht für Blutlinie, für Verantwortung – für ein Erbe, das auf den Schultern einer Familie lastet. Arthur, Edward, Anne und Ben streiten, integrieren, ringen um Einfluss und Anerkennung, während die Stadt um sie herum pulsiert, sich verändert und ständig in Bewegung bleibt. Ein Zustand, der durch die visuelle und klangliche Gestaltung des historischen Dublins des 19. Jahrhunderts lebendig wird. Doch je tiefer die Zuschauerschaft eintaucht, in die finstere Welt von „House of Guinness“, desto klarer zeigt sich, dass das Drama bekannten Mustern folgt: Machtspiele, Intrigen, familiäre Rivalität – man denkt an „Peaky Blinders“, man denkt an „Succession“, doch die Konflikte wirken abgenutzt. Und so verliert sich das Netflix Original nach dem atmosphärischen Einstieg zunehmend in einem breitgefächerten Figurenensemble, das mehr Breite als Tiefe bietet.

Trotz der ausladenden Erzählweise und der distanzierten Porträtierung der zahlreichen Figuren gelingt es „House of Guinness“ immer wieder, Momente zu erzeugen, die tragen. Gerade das klassizistische Dublin kann sich in düsterer Opulenz entfalten, mit Straßen, die nach feuchtem Stein und Rauch riechen, und einem vielschichtigen Klangteppich, der sich wie eine zweite Erzählebene durch die Bilder webt. Hier treffen traditionelle Volkslieder auf orchestrale Filmmusik und treibende Songs der Neuzeit – allesamt durch und durch irisch und stimmungsvoll mit den opulent ausgestatteten Kulissen verwoben. Genau dort liegt die eigentliche Stärke von „House of Guinness“: in Atmosphäre, Klang und visueller Dichte. Das Bier bleibt dabei lediglich Symbol, während Machtspiele und Intrigen das Geschehen bestimmen. Das Ergebnis wirkt groß, atmosphärisch, opulent – aber das schäumende, unmittelbare Leben, das man vom Titel erwartet, bleibt fern.

Fazit
„House of Guinness“ gleicht einem dunklen Stout: opulent, vielschichtig und dicht im Geschmack, doch das spritzige, lebendige Prickeln bleibt hinter der Schaumkrone verborgen.


