„Mean Girls“ trifft Body Horror – bissig, böse, brillant
Vor Mckenna Grace gibt es einfach kein Entkommen. Auf Social Media macht bereits der Witz die Runde, die junge Schauspielerin würde allen anderen die Rollen wegschnappen. Und tatsächlich stehen allein dieses Jahr mit „Five Nights at Freddy’s 2″ und „Regretting You“ gleich zwei große Blockbuster mit ihr in einer der Hauptrollen an, bevor sie im nächsten Jahr in „Scream 7″ und dem Prequel zu „Die Tribute von Panem“ zu sehen sein wird. Fast schon klein, aber nicht weniger fein wirkt da der Streifen „Slanted“, der beim 39. Fantasy Filmfest läuft und sich mit unrealistischen Schönheitsstandards auseinandersetzt.

Und darum geht es…
Die Schülerin Joan Huang (Shirley Chen) gilt als Außenseiterin und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich dazuzugehören. Deshalb unterzieht sie sich einer experimentellen transrassischen Operation, die sie in ein weißes, blondes und blauäugiges Mädchen verwandelt. Von nun an lebt sie als Jo (Mckenna Grace), glaubt ihre Träume erreicht zu haben und setzt ihre Hoffnungen auf die Wahl zur Ballkönigin. Doch selbst nach dieser radikalen Veränderung stellt sich heraus, dass Zugehörigkeit nicht so einfach zu erlangen ist, wie sie dachte. Und man sich bei dem Versuch schnell selbst verlieren kann.

Wie viel würdest du aufgeben, nur um dazuzugehören?
Wenn ein Konzept im Horrorgenre Erfolg hat, wie „The Substance“ im letzten Jahr, dann lassen Nachahmer nicht lange auf sich warten. Aber „Slanted“ als bloßen Abklatsch zu bezeichnen, würde dem Film nicht gerecht werden. Er ist so viel mehr. Das Regiedebüt von Amy Wang ist eine bitterböse Satire über unsere Gesellschaft und deren oft abwertenden Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund. Ein leider immer noch zeitgemäßes Thema, vor allem in Hinblick auf das aktuelle politische Klima, in dem Migration immer wieder als Problem dargestellt wird, statt Vielfalt zu feiern, sich an Akzeptanz zu üben und sich den wahren Problemen zuzuwenden. Rechtsextremismus wird wieder lauter, und der sinnlose Tod von Charlie Kirk wird derzeit für die hasserfüllte Agenda der Rechten politisiert. Selbst in Fällen, in denen Ausländer akzeptiert werden – wie oft hat man in seinem Leben schon Sätze wie „Er ist ja einer von den Guten, der kann bleiben“ gehört? – werden sie von einem großen Teil dieser Gesellschaft dennoch nie als gleichwertig angesehen. Für Teenager, die sowieso schon mit der Suche nach ihrer Identität zu kämpfen haben, ist das eine noch größere Belastung. Genau das thematisiert Wang in ihrem Debüt auf humorvolle, aber auch emotionale Art und Weise.

„Slanted“ mag Gemeinsamkeiten mit Coralie Fargeats Werk haben, konzentriert sich aber im direkten Vergleich nur wenig auf den Aspekt des Bodyhorrors. Statt eines grotesken Verfalls des Körpers sind die Veränderungen hier mehr Nebenwirkung – Hautfetzen und Verformungen des neuen Gesichts – ein Symbol für den inneren Kampf zwischen der alten und neuen Identität. Immer noch unangenehm anzusehen, aber für hartgesottene Horrorfans eher harmlos. Deutlich prägnanter sind da schon die Ähnlichkeiten zum Kultklassiker „Mean Girls“. Das blonde It-Girl mit dämlichen Anhängseln, die Außenseiterin, die sich in den Kreis der Beliebten einschleicht, und das daraus resultierende Drama: das alles ist extrem witzig und bietet zahlreiche Lacher. Allerdings bekommt man irgendwann das Gefühl, man habe es hier mit einer Neuinterpretation des beliebten Teenie-Films zu tun. Das geht so weit, dass „Slanted“ kurzzeitig Gefahr läuft, genau wie Joan, seine Identität zu verlieren und zur Parodie zu verkommen. Wang schafft es dann aber doch noch, das Ruder herumzureißen. Denn so amüsant „Slanted“ mit seinen überspitzten Momenten auch sein mag – allein beim Song „It’s good to be white“ kam der halbe Saal aus dem Lachen nicht mehr heraus – so traurig ist die Geschichte im Kern auch. Joan fühlt sich so unwohl in ihrem Dasein, darin wie die Welt sie sieht, dass sie sich nicht nur einem einfachen Makeover unterzieht. Sie gibt ihre Identität auf, ihre ganze Kultur, die liebevolle Beziehung zu ihren Eltern und ihrer besten Freundin, und genau in dieser Erkenntnis zeigt sich das eigentliche Grauen. Ironischerweise wird das auch im Casting deutlich. Mckenna Grace spielt zwar gut, schafft es aber nie ganz, die Persönlichkeit von Joan einzufangen, die Shirley Chen zu Beginn so eindrucksvoll dargestellt hat.

Fazit
„Slanted“ ist mehr als nur ein Abklatsch von „The Substance“ und „Mean Girls“. Amy Wangs Debüt verbindet bissige Satire mit einer berührenden Identitätssuche und trifft dabei oft ins Schwarze. Auch wenn nicht alles perfekt gelingt, bleibt am Ende ein kluger, witziger und zugleich schmerzhafter Kommentar über Zugehörigkeit und Selbstaufgabe.


