| Titel | Die toten Frauen |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Luis Estrada |
Starttermin: 11.09.2025 | Netflix
Basierend auf einer (fast) wahren Geschichte
Es beginnt mit einer Legende, die längst Teil der mexikanischen Schattenchronik geworden ist. Zwei Schwestern, ein Bordell, ein Aufstieg, der in Blut ertrinkt. Doch „Die toten Frauen“ erzählt keine nüchterne Chronik des Verbrechens, sondern eine Fiktion über Macht, Begehren und Rache. Jorge Ibargüengoitias Roman, aus dem die sechsteilige Serie schöpft, war schon eine Verfremdung der wahren Geschichte, eine literarische Maske über den Gesichtern der echten González-Schwestern. Netflix greift nun diese Maske auf – und verwandelt sie in ein ausladendes Panorama über Liebe, Gier und Vergeltung. Mit Erfolg?

Und darum geht es…
Mexiko in den 1960er Jahren: Die Schwestern Arcángela Baladro (Arcelia Ramírez) und Serafina Baladro (Paulina Gaitán) kämpfen sich aus ärmlichen Verhältnissen hoch – und eröffnen ein Bordell. Was zunächst als Rettung wirkt, verwandelt sich schleichend in ein düsteres Imperium aus Macht, Gewalt und System. Je mehr Kontrolle sie gewinnen, desto tiefer verstricken sie sich in ein mörderisches Netz – und werden zu den gefürchtetsten Serienmörderinnen ihrer Zeit.

Unser Eindruck nach den ersten beiden Episoden
Es gibt Retro und es gibt altbacken – „Die toten Frauen“ schlägt eher in die zweite Kerbe. Mit ihrer ausladenden Erzählweise, den weitläufigen historischen Kulissen und einem orchestralen Figurenensemble samt zahlreicher Nebenstränge erhebt die argentinische Original Serie Anspruch auf epochale Strahlkraft. Doch was nach großer, vielschichtiger Erzählung klingt, wirkt in der Umsetzung erstaunlich konventionell. Luis Estradas Inszenierung bleibt klassisch, mit viel Gewicht auf Dialogen, sorgfältig eingerichteten Sets und detailgetreuen Kostümen – alles sauber ausgeführt, aber selten überraschend oder frisch. Nach einem etwas holprigen Einstieg, der dann doch noch eine etwas klarere Linie findet, entfaltet sich so eine Erzählung über Liebe, die in Hass umschlägt, über den Aufbau eines Rotlichtimperiums zwischen Korruption und Unternehmergeist und einer Reihe an weiteren Themen und Motiven.

Trotz sorgfältiger Ausarbeitung seitens der Produktion bleiben viele der inhaltlichen Entwicklungen vorhersehbar und schematisch. Die schiere Fülle an Charakteren und Nebenhandlungen erzeugt eher Zersplitterung als narrative Tiefe, einzelne Figuren wirken wie Skizzen, die nur bedingt mit dem zentralen Plot verwoben sind. Dadurch bleibt auch die emotionale Ergründung der Protagonist*innen, trotz der Entscheidung, sich dramaturgisch größtenteils auf eine der beiden Schwestern zu fokussieren, zumeist auf der Strecke. So entsteht das Bild einer Serie, die handwerklich solide und sorgfältig ausgestattet ist, deren erzählerische Kraft jedoch auf halber Strecke versandet. „Die toten Frauen“ will groß wirken, epische Ausmaße anstreben, doch ihre Schattenseiten und Tiefen bleiben nur schemenhaft erkennbar – und verhallen in ihrer ruhigen, behäbigen Konsequenz merkwürdig altbacken.

Fazit
Eine sorgfältig inszenierte Netflix Original Serie, die handwerklich überzeugt, aber erzählerisch kaum überrascht. „Die toten Frauen“ ist keinesfalls schlecht – nur selten wirklich fesselnd.


