| Titel | Divinity |
| Genre | Sci-Fi, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Eddie Alcazar |
Heimkinostart: 25.07.2025
Schwarz-Weiß, verstörend schön und völlig losgelöst von Konventionen
Steven Soderbergh („Presence“) ist ein Garant für innovatives Filmemachen. Von Geschichten aus der Sicht eines Geistes bis hin zu auf dem iPhone gedrehten Thrillern – keiner seiner Filme gleicht dem anderen. Kein Wunder also, dass er als ausführender Produzent am bizarren Science-Fiction-Film „Divinity“ von Videospiel-Designer und Regisseur Eddie Alcazar begeistert mitwirkt, der nun über Lighthouse Home Entertainment endlich auch in Deutschland erscheint.

Und darum geht es…
In einer fremdartigen, von Menschen bevölkerten Welt widmete der Wissenschaftler Sterling Pierce (Scott Bakula) sein Leben der Suche nach Unsterblichkeit. Stück für Stück entwickelte er die Grundlagen eines bahnbrechenden Serums namens „Divinity“. Jahre später hat sein Sohn Jaxxon Pierce (Stephen Dorff) die Kontrolle übernommen – und verwandelt den einst wohlmeinenden Traum seines Vaters in einen finsteren Albtraum.

Ein audiovisueller Rausch zwischen Retro-Ästhetik und Körperhorror
Hast du jemals von einer besseren Version deiner selbst geträumt? Jünger, schöner, perfekter. Das ist The Sub… Ups, falsch: das ist „Divinity“. Perfektion, Kapitalismus, Machtgier – eingebettet in einem futuristischen 60er-Jahre-Retro-Look erforscht Regisseur Eddie Alcazar in seinem hypnotischen Schwarz-Weiß-Streifen die dunkelsten Abgründe der Menschheit. Und das beeindruckenderweise komplett ohne Drehbuch. Immer wieder flimmern nackte, muskulöse Körper und explizite Sexszenen über den Bildschirm, das Bild flackert und ist körnig, der Score eindringlich und bedrohlich. Dadurch entsteht ein audiovisuelles Chaos, das die Sinne nicht selten überstrapaziert. Zwischen dieser Reizüberflutung findet Alcazar aber auch immer wieder ruhige, fast schon philosophisch anmutende Momente. Ein Gefühl von Intimität inmitten des körperlichen und moralischen Zerfalls.

So überaus stimulierend wie „Divinity“ visuell auch ist, inhaltlich ist er überraschend geradlinig. Fast schon simpel. Alcazar mag sich vielleicht optisch an Größen wie Cronenberg oder Lynch orientieren – in seinen besten Momenten erinnert der Film an Werke wie „Eraserhead“ oder „Der Elefantenmensch“ – verlässt sich allerdings auf einen weitaus weniger komplexen Erzählstil. Alcazar möchte seine Geschichte, seine Botschaft, durch Bilder erzählen, und das gelingt ihm auch, indem er diesen Raum zum Atmen lässt. Nur an dem Gefühl hapert es dann doch. Die Charaktere vermitteln eine gewisse Distanz, weshalb es schwerfällt, sich in das Geschehen so richtig emotional reinzufühlen. Und das trotz starker Performances, allen voran von Stephen Dorff, der in der Rolle des egomanischen Wissenschaftlers voll aufgeht. Nichtsdestotrotz ist „Divinity“ so eigen, dass er praktisch dazu bestimmt ist, Kultstatus zu erreichen. Und das nicht zuletzt dank eines Finales, das eine bizarre Stop-Motion-Kampfszene bereithält.

Fazit
„Divinity“ ist ein ungewöhnliches Kunstwerk zwischen Körperkult, Kapitalismuskritik und audiovisueller Reizüberflutung. Inhaltlich simpel, aber stilistisch radikal. Ein Film, der sicher die Meinungen spalten wird, aber ohne Frage bei jedem Eindruck hinterlassen wird.



