| Titel | Superstar |
| Genre | Biopic, Musik |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Creator | Claudia Costafreda, Nacho Vigalondo |
Starttermin: 18.07.2025 | Netflix
Eine Biografie wie ein Fiebertraum
Was passiert, wenn man das Leben eines Popstars nicht nacherzählt, sondern durch die Augen all jener zeigt, die sie formten, liebten, bekämpften – oder einfach nur ausstellten? Wenn eine Biografie nicht erklären, sondern explodieren will? „Superstar” ist nicht interessiert an einem klaren Bild von Yurena. Die sechsteilige Netflix Serie zersägt das klassische Biopic in Fragmente, um daraus einen halluzinogenen Spiegelpalast zu bauen. Heraus kommt kein Denkmal, sondern ein sinnlicher, überbordender, zutiefst verunsichernder Trip.

Und darum geht es…
Die junge spanische Sängerin Yurena (Ingrid García-Jonsson), ehemals unter dem Namen Tamara bekannt, wird Anfang der 2000er Jahre mit einem schrillen Popsong über Nacht zur landesweiten Sensation. Während ihr extravagantes Auftreten und ihre Musik von der Öffentlichkeit oft belächelt werden, wächst gleichzeitig eine treue Fangemeinde heran, die sie als Kultfigur feiert. Unterstützt – und kontrolliert – wird Yurena dabei von ihrer Mutter Margarita (Carmen Machi), die als Managerin über Karriere, Auftritte und Interviews bestimmt. Doch hinter der grellen Fassade einer schillernden Popkarriere offenbart sich bald ein komplexes Netz aus emotionaler Abhängigkeit, Medienmanipulation und innerer Zerrissenheit.

Unser Eindruck zwei Episoden
Yurena – einst Tamara – war eine der schillerndsten und umstrittensten Popfiguren Spaniens in den frühen 2000ern. Berühmt geworden mit „No cambié“, belächelt, verehrt, gehasst – und irgendwann verschwunden. „Superstar” rekonstruiert diese Reise nicht chronologisch, sondern episodenweise durch die Perspektiven derer, die sie begleitet oder bekämpft haben. Man könnte sagen: „Superstar” ist weniger Serie als Zitat, weniger Erinnerung als Mythos, weniger Porträt als popkulturelle Séance. Und das ist gewöhnungsbedürftig – manchmal sogar anstrengend. Die Grenzen zwischen Realität und Erinnerung verschwimmen, während visuelle Metaphern und expressive Inszenierungen weiter herausfordern. Eine Herangehensweise, die Aufmerksamkeit verlangt, dadurch aber umso unverwechselbarer wird.

Schon die erste Episode deutet an, worauf man sich hier einlässt: Die Wohnung von Margarita verwandelt sich in einen surrealen Fiebertraum, als hätte David Lynch versehentlich das falsche Skript in die Hände bekommen. Und genau das ist vielleicht das größte Wagnis von „Superstar”: Es will nichts erklären, sondern fühlen lassen. Der Popstar ist hier nicht Subjekt, sondern Projektionsfläche. Keine Szene wirkt beliebig, nichts dient der bloßen Dramaturgie. Natürlich wirkt das streckenweise auch überambitioniert. Manchmal droht „Superstar” zu implodieren unter all der Symbolik und dem visuellen Rausch. Und wer sich auf eine lineare Biografie freut, dürfte schnell überfordert sein. Das Netflix Original muss man mögen – oder man bleibt außen vor. Aber genau das ist auch seine Stärke. Eine Serie, die nicht allen gefallen will – und einige Wenige dadurch umso mehr begeistert.

Fazit
„Superstar” ist keine Serie, die man nebenbei schaut. Sie fordert – und überfordert mit Absicht. Ihre Bildsprache ist wild, ihr Aufbau chaotisch, ihre Emotionalität schwer greifbar. Aber wer sich auf sie einlässt, bekommt ein Biopic, das man so mit Sicherheit noch nicht gesehen hat.


