Eden: Kritik zum Film – True Crime in tropischer Kulisse

Eden Film 2024
TitelEden
Genre Thriller, Drama
Jahr2024
FSK16
RegieRon Howard

Heimkinostart: 18.07.2025

Die Schönheit der Natur trifft auf die Hässlichkeit der Menschheit

So spannend wie die wahre Geschichte hinter dem Thriller-Drama „Eden“ ist auch die Veröffentlichungspolitik des Films. Bereits im April lief er in den deutschen Kinos, während der US-Start erst für August angesetzt ist: vermutlich, um mit dem Hype rund um „The Fantastic Four“ und Vanessa Kirby zusätzliche Aufmerksamkeit zu gewinnen. Hierzulande ist das starbesetzte Inselspektakel nun bereits fürs Heimkino erhältlich.

Eden Film 2024
Eden©LEONINE Distrubution

Und darum geht es…

1930 fliehen Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und Dora Strauch (Vanessa Kirby) aus Deutschland auf die abgelegene Insel Floreana, um den Zwängen der Zivilisation zu entkommen. Doch ihre erhoffte Einsamkeit währt nicht lange. Weitere Siedler folgen, darunter das Ehepaar Wittmer (Daniel Brühl, Sydney Sweeney und Jonathan Tittel) und eine exzentrische Baronin (Ana de Armas) mit großen Plänen. Zwischen rauer Natur, begrenzten Ressourcen und wachsendem Misstrauen wird das Zusammenleben bald zur Zerreißprobe.

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Kann man der menschlichen Natur wirklich entkommen?

„Eden“, basierend auf einer wahren Begebenheit, hat eigentlich alles, was ein starkes Drama braucht: ein spannendes Setting, eine dichte Atmosphäre und ein Cast, der sich sehen lassen kann. Regisseur Ron Howard inszeniert die Geschichte einer isolierten Gruppe mit Gespür für Eskalation und lässt von Anfang an ein Gefühl latenter Anspannung durch jede Szene kriechen. Man wartet ständig auf den Moment, in dem alles kippt, und genau diese Erwartung hält den Film über weite Strecken am Leben. Das Ensemble spielt eindrucksvoll miteinander, wirkt präsent und dynamisch, auch wenn einige Akzente hin und wieder etwas aufgesetzt klingen. Besonders Ana de Armas besticht durch enorme Präsenz, charmant, elegant, aber nie distanziert. Gerade wenn ihre perfekte Fassade zu bröckeln beginnt, liefert sie die stärksten Momente. Auch Sidney Sweeney bleibt im Gedächtnis: Ihre Geburtsszene ist intensiv, körperlich fordernd und emotional aufwühlend, eine Szene, die sich mühelos mit der aus „Immaculate“ messen kann.

Eden Film 2024
Eden©LEONINE Distrubution

Thematisch wagt sich der Film weit vor: Manipulation, Gruppendynamik, moralischer Verfall. Man weiß selten, wem man trauen kann. Die Grenzen zwischen richtig und falsch verschwimmen zunehmend, genauso wie die Loyalitäten. Hin und wieder schleichen sich kleine humorvolle Spitzen ein, die fast ins Camphafte abdriften, aber dennoch zum Ton des Films passen. Auch die Kameraarbeit überzeugt mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen, die nicht nur Kulisse, sondern emotionaler Resonanzboden sind. Was „Eden“ jedoch nicht ganz gelingt, ist der philosophische Überbau. Der Film hat viel über die menschliche Natur zu sagen, über unsere Unfähigkeit, zu lernen, unsere Bereitschaft zur Selbstzerstörung, unsere korrumpierbare Moral. Doch vieles davon wirkt eher aufgesetzt als tiefgründig, eher pseudointellektuell als wirklich durchdacht. Und doch trifft der Film an einigen Stellen einen wunden Punkt. Wenn selbst die moralisch Aufgeladensten ihre Prinzipien aufgeben, sobald der Druck steigt und die Gruppendynamik ihren Tribut fordert, ist das ebenso erschütternd wie glaubhaft.

Eden Film 2024
Eden©LEONINE Distrubution

Fazit

„Eden“ ist atmosphärisch dicht, stark gespielt und thematisch ambitioniert. Trotz einiger überzogener Momente und philosophischer Schwächen gelingt ein fesselndes Drama über Moral, Manipulation und den Zerfall menschlicher Ideale in Extremsituationen.

Bewertung: 3.5 von 5.
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