| Titel | Unter der schwarzen Sonne |
| Genre | Thriller, Krimi |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Creator | Nils-Antoine Sambuc |
Starttermin: 09.07.2025 | Netflix
Dunkle Geheimnisse unter strahlendem Himmel
Der Sommer bringt Stillstand ins Streamingland. Draußen brennt die Sonne alles nieder, während es drinnen wirkt, als gönne sich Netflix eine hitzebedingte Verschnaufpause im aufblasbaren Planschbecken. Die große Welle internationaler Serien ebbt ab, ein paar lauwarme Blockbuster wie “The Old Guard 2” plätschern noch in den Katalog – doch wirklich Wellen schlagen sie nicht. Umso folgerichtiger, dass ausgerechnet ein Titel wie die französische Miniserie “Unter der schwarzen Sonne” diese flirrende Ruhe durchbricht: Darin legt sich ein Geflecht aus Lügen, Gier und Verrat wie eine dunkle Wolke über die sonnendurchfluteten Rosenfelder der Provence und zeigt, dass selbst ein Sommer, der alles verbrennt, manchmal die schwärzesten Geheimnisse ans Licht bringt.

Und darum geht es…
Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit findet Alba (Ava Baya) Zuflucht in der idyllischen Provence. Sie nimmt eine Stelle auf der traditionsreichen Blumenfarm der Familie Vernier an. Doch als Jean Vernier (Thibault de Montalembert), der Patriarch, plötzlich tot aufgefunden wird, gerät Alba unter Mordverdacht. Schockierend entdeckt sie, dass sie nicht nur Erbin des Guts ist, sondern auch Jeans leibliche Tochter sein soll. Die Nachricht entfacht eine Kette aus Misstrauen, Gier und Verrat innerhalb der Familie. Während Madeleine Vernier (Isabelle Adjani), Jeans Witwe, verbissen um ihre Machtposition kämpft, intrigiert Hugo Vernier (Guillaume Gouix), Jeans ältester Sohn, um Alba das Erbe streitig zu machen. Auf der Suche nach der Wahrheit über ihre Herkunft und Jeans Tod muss Alba sich entscheiden: Flieht sie erneut vor ihrer Vergangenheit — oder stellt sie sich dem tödlichen Netz aus Lügen, das die Vernier-Dynastie seit Jahrzehnten umgibt?

Unser Eindruck nach den ersten beiden Episoden
Ein Netz aus Lügen, Gier und Verrat – der Stoff aus dem Original Serien gemacht werden. So auch in der sechsteiligen Miniserie aus Frankreich, die sich, nach einem kurzen Schwenk ins Milieu längst ausgetretener Pfade gleichförmiger Kriminalgeschichten, bereits nach wenigen Takten genau dem widmet, was die Streaminglandschaft in den vergangenen Monaten förmlich zu überschwemmen droht: wohlhabenden Familien, mit maroden Strukturen. Geld, Zwietracht, der Kampf ums Erbe – Liebe und Zusammenhalt sind die Währung des Pöbels. Was zählt, ist einzig Bares und Macht. Einem ähnlichen Duktus, wie diese einleitenden Worten, folgt auch die hochtrabend inszenierte, überdramatisierte Exposition, die ganz in medias res, keine Zeit verliert und sich unmittelbar ins Geschehen eintaucht. Dazu gehört auch die passende Musik, die mit ihren theatralischen Streichern und den sukzessive aufspielenden Stücken permanente Relevanz suggeriert, die die unspektakulär zusammengewürfelte Erzählung zu keinem Zeitpunkt abzubilden weiß.

Wenngleich die Ermittlungen beständig die neu errichteten Familiendynamiken und die damit verbundenen Machtkämpfe begleiten, präsentiert sich „Unter der schwarzen Sonne“ – ähnlich wie zuletzt Netflix’ „Vergiftetes Vermächtnis“ oder „Medusa“ – vornehmlich als ein weiterer „Succession“-Abklatsch, dem jedoch all jenes fehlt, was das Original noch mit Leben erfüllte. Das französische Pendant scheint sich kaum für seine Figuren zu interessieren. Alba – lustlos verkörpert von Ava Baya – bleibt ein konturloser Schatten, eine Hauptfigur, die sich nie wirklich fassen lässt, während selbst Isabelle Adjani, zweifach Oscar-nominiert, als Matriarchin Madeleine zur hochnäsigen Karikatur einer Grande Dame verkommt. Der Rest der Vernier-Familie verharrt indes als blasse Silhouetten, die auf geradezu bedrückende Weise offenbaren, wie wenig die Miniserie daran gelegen ist, echte Charaktere zu zeichnen. Die Dialoge schleppen sich mühsam dahin, der Plot folgt diesem gemächlichen Trott – und jegliches Potenzial für fesselnde Entwicklungen erstickt in einer Flut aus Melodramatik und Belanglosigkeit.

Fazit
“Unter der schwarzen Sonne“ versucht, das Erfolgsrezept von Familiendramen mit Machtkämpfen zu bedienen – bleibt dabei aber eindimensional und oberflächlich!


