| Titel | Lazareth – End of Days |
| Genre | Thriller, Sci-Fi |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Alec Tibaldi |
Heimkinostart: 27.09.2024
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Während “28 Years Later” gerade auf der großen Leinwand zeigt, wie eine Welt auch Jahrzehnte nach einer Pandemie nicht zur Ruhe kommt, versucht “Lazareth – End of Days” diese Grundidee auf kleinerer, intimerer Ebene zu variieren. Zehn Jahre nach einer Seuche harren hier Menschen aus, deren Leben kaum noch an so etwas wie Zukunft erinnert. Zombies oder blutrünstige Mutanten braucht es nicht, um die Aussichtslosigkeit zu spüren; es reicht der Mensch selbst, der für andere zur größten Gefahr wird. Doch das, was auf dem Papier nach einem intensiven Kammerspiel klingt, erweist sich als zähe Geschichte ohne emotionale Wucht. Und so wird Langeweile zum eigentlichen Feind – zumindest für das Publikum.

Und darum geht es…
Im Zentrum steht eine abgelegene Hütte, in der Mutter Lee (Ashley Judd) mit ihren beiden Töchtern Rae (Sarah Pidgeon) und Aria (Katie Douglas) seit einer Dekade überdauert. Ihre Kinder kennen die Welt jenseits der verrotteten Zäune nur aus warnenden Geschichten über Ansteckung und Tod. Der Alltag wird von ständiger Vorsicht bestimmt, jede Außenwelt scheint Bedrohung. Als eines Tages ein junger Mann namens Owen (Asher Angel) schwer verletzt auftaucht, gerät das fragile Gleichgewicht ins Wanken: Der Fremde bringt nicht nur Gefahr, sondern weckt auch Neugier und leise Hoffnungen.

Zehn Jahre nach der Seuche – und nichts zu erzählen
Bekannte Versatzstücke – die isolierte Familie, ein ungebetener Eindringling, eine Mutter, die um jeden Preis Kontrolle behalten will – werden hier nach altbekannter Rezeptur zusammengestellt, ohne sie jemals zu hinterfragen oder weiterzudenken. Was sich wie ein nervenzerrender Psychothriller entfalten könnte, erstickt in einem bekannten Erzählfluss, dem weder Schärfe noch emotionale Tiefe innewohnen. Die Kinder, die das Leben draußen nur aus vagen Erzählungen kennen, wirken wie Statisten, während der Fremde kaum mehr ist als ein funktionaler Auslöser für Konflikte, die nie echte Konsequenzen tragen. So düster das Setting auch gestaltet ist – es bleibt Kulisse, keine Bühne für glaubwürdige Figurenentwicklung. Stattdessen reiht sich Szene an Szene, atmosphärisch nicht ohne Wirkung, inhaltlich aber so austauschbar wie der Cast, der solide agiert, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Gerade weil “Lazareth – End of Days” sich so sehr auf seine trostlose Grundstimmung verlässt, fällt umso deutlicher auf, wie wenig Substanz unter dieser Fassade liegt. Die Prämisse einer Welt, in der das vermeintlich Gute – die Familie – selbst zum Käfig wird, hätte Spielraum für radikalere Wendungen geboten. Doch Regie und Drehbuch bleiben in bekannten Bahnen: eine misstrauische Mutter, Töchter, die nur zögerlich begreifen, was vor ihnen liegt, ein Fremder, der alles in Bewegung bringen soll, aber selbst blass bleibt. Zwischen knarrenden Dielen, Schatten und verschlossenen Türen fehlt die existenzielle Unruhe, die ein solches Szenario tragen könnte. Auch darstellerisch bleibt alles im Rahmen Streamingware ohne erinnerungswürdige Momente zu schaffen. Wer sich vom Setting ein intensives Endzeit-Drama erhofft, bekommt nur routiniertes Abspulen vertrauter Muster – mit einem vermeintlich überraschenden Ende, das niemanden überraschen dürfte, der das Genre kennt.

Fazit
“Lazareth – End of Days” hüllt sich in Endzeit-Düsternis, ohne je inhaltlich zu zünden. Ein austauschbarer, spannungsarmer Beitrag, der sein eigenes Potenzial verschenkt.



