The Damned: Kritik zum Film – Ein Schauermärchen in Eis und Nebel

The Damned Film 2024 Sony Pictures Worldwide Acquisitions
TitelThe Damned
Genre Horror
Jahr2024
FSKungeprüft
RegieThordur Palsson

Fantasy Filmfest Nights 2025

Der Frost, der alles verzehrt

Die Eiswinde Islands tragen mehr als nur Schnee: “The Damned” nimmt die Zuschauerschaft mit in ein abgelegenes Fischerdorf des 19. Jahrhunderts, wo die Zeit nicht nur stillzustehen scheint, sondern zu gefrieren droht. Odessa Young steht im Zentrum dieses düsteren Moralphantasmas – als Eva, eine Frau zwischen Verantwortung und Moral, zwischen Rettung und Verdammnis. Gebettet in die schaurige Welt der isländischen Folklore entfaltet sich so eine Geschichte, die vieles unausgesprochen lässt – und gerade darin ihre unheimliche Kraft gewinnt. Wenngleich sie diese nie ganz freisetzen kann.

The Damned Film 2024 Sony Pictures Worldwide Acquisitions
The Damned ©Sony Pictures Worldwide Acquisitions

Und darum geht es…

Die junge Witwe Eva (Odessa Young) lebt in einem isolierten Fischerdorf, das von einem besonders harten Winter heimgesucht wird. Als ein fremdes Schiff vor der Küste zerschellt, stehen Eva und die ansässige Fischer-Gemeinschaft vor einer schweren Entscheidung: Sollen sie die Schiffbrüchigen retten und damit ihre ohnehin knappen Vorräte teilen oder sie ihrem Schicksal überlassen, um das eigene Überleben zu sichern? Sie entscheiden sich gegen die Rettung, doch bald darauf häufen sich mysteriöse Ereignisse: Leichen werden angespült, seltsame Vorfälle häufen sich und die Dorfgemeinde wird von Visionen und unerklärlichen Todesfällen heimgesucht. Alles bloß ein Zufall, oder die Strafe für Ihre Untätigkeit? 

Zwischen Eis und Dunkelheit

“The Damned” zehrt von seiner Umgebung. Die naturbelassenen Küsten, die Isolation inmitten von endlosen weißen Weiten, das knirschende Eis unter dem schweren Schuhwerk – Kulisse und Kamera verschmelzen zu einem Naturgemälde, das karg und zugleich überwältigend ist. Es ist ein Kino der Elemente: Wind, Wasser, Finsternis. Kameramann Eli Arenson fängt diese Welt nicht als bloßen Hintergrund, sondern als organischen Teil der Erzählung. Verankert ist all das tief in der isländischen Folklore, konkret in der Figur des Draugr – eines untoten Rachegeists aus der nordischen Mythologie. Doch “The Damned” verwandelt diesen Mythos nicht in plumpen Schrecken, sondern nutzt ihn als moralisches Korrektiv, als Spiegel innerer Schuld. Der Draugr steht weniger für das Monströse als für das Verdrängte: das, was im Dorf – und in den Figuren – nicht ausgesprochen werden darf. Folklore wird hier nicht folkloristisch bebildert, sondern als kollektives Unbewusstes inszeniert. 

The Damned Film 2024 Sony Pictures Worldwide Acquisitions
The Damned ©Sony Pictures Worldwide Acquisitions

Und doch bleibt “The Damned” seltsam verhaftet. Thordur Palsson eifert zwar eindrucksvoll der Atmosphäre seiner Vorbilder nach, wagt aber selten, sich davon zu lösen. Man spürt die Struktur, spürt das Kalkül: Hier die bedächtige Stille, dort die angedeutete Erscheinung, schließlich der plakativ gesetzte Schock. Die seltenen Momente des Horrors wirken nicht aus der Handlung gewachsen, sondern wie Pflichtmarken einer Blaupause, zu vorhersehbar platziert, zu betont. Wo echtes Unbehagen gedeihen könnte, greift die Inszenierung oft zu stark ein. Sie misstraut dem eigenen Schweigen. Dabei sind die Voraussetzungen da: eine Geschichte über Schuld, über kollektives Wegsehen, über den Preis moralischer Entscheidungen. Auch das Ensemble agiert durchweg stimmig, zurückgenommen, glaubhaft. Doch während sich das Dorf langsam im Nebel verliert, bleibt der Film seltsam deutlich in seiner Handschrift. Als wolle er dem Publikum nicht zu viel zumuten.

The Damned Film 2024
The Damned ©Sony Pictures Worldwide Acquisitions

Fazit

“The Damned” ist ein sorgfältig gebautes Schauermärchen mit atmosphärischem Potenzial. Und dort, wo es auf seine Landschaft und seine Mythen vertraut, entsteht eine dichte, unheimliche Suggestion. Aber es bleibt ein Film, der sich anfühlt wie ein Nachhall – nicht wie ein Ruf.

Bewertung: 3 von 5.
Fantasy Filmfest Nights 2025 Alle Filme, Alle Kritiken
Alle Kritiken der Fantasy Filmfest Nights 2025

Das könnte Dich auch interessieren!