| Titel | Bring Them Down |
| Genre | Thriller, Drama |
| Jahr | 2024 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Christopher Andrews |
Fantasy Filmfest Nights 2025
Im Schatten des Unausgesprochenen
Konflikte bleiben, auch wenn sie verschwiegen werden – und richten dort oft erheblichen Schaden an. Sie sickern in zwischenmenschliche Beziehungen, vergiften den Geist und schüren Rachefantasien. Was nicht aufgearbeitet wird, arbeitet gegen uns, bis es sich eines Tages explosionsartig entlädt. “Bring Them Down” erzählt von eben jener schleichenden Kraft des Unausgesprochenen; von einer sich zuspitzenden Familienfehde, durchzogen von Schuldzuweisungen, Misstrauen und Hass, bis aus innerem Grollen rohe Gewalt wird. Mittendrin, statt nur dabei: Barry Keoghan (“Saltburn”), der nach seiner Oscar®-nominierten Performance in “The Banshees of Inisherin“ erneut eine Schlüsselrolle einnimmt, in einer Geschichte, die von der zerstörerischen Kraft unausgesprochener Konflikte lebt

Und darum geht es…
Michael (Christopher Abbott) lebt mit seinem Vater Ray (Colm Meaney) zurückgezogen in der rauen Landschaft Westirlands. Gezeichnet vom frühen Verlust seiner Mutter und der Last familiärer Schuld, führt er ein stilles, abgeschiedenes Leben. Als mehrere Schafe verschwinden, gerät er in einen eskalierenden Streit mit dem Nachbarn Gary (Paul Ready) und dessen unberechenbarem Sohn Jack (Barry Keoghan). Was als Misstrauen beginnt, wird zur blutigen Fehde zwischen zwei Familien. In einer Umgebung, in der Gewalt vererbt und Schweigen zur Norm geworden ist, wird Michael gezwungen, sich den Schatten seiner Vergangenheit zu stellen – und der Frage, wie weit man gehen muss, um sich von ihr zu befreien.

Das Schweigen der Gewalt
Es ist nicht die erste Fehde, die sich zuspitzt, angesiedelt in einer überschaubaren Gemeinschaft in den naturbelassenen Weiten des irischen Berglands. So verselbstständigte sich schon in “The Banshees of Inisherin” eine scheinbar harmlose Uneinigkeit auf absurde und humorvolle Weise – und das nur, weil Probleme nicht angesprochen, sondern totgeschwiegen wurden. Deutlich rabiater und eskalativer gestaltet sich der Zwist in “Bring Them Down”, wenn sich Barry Keoghan und Co. tiefer und tiefer in eine kompromisslose Spirale aus Schuld, Schweigen und Gewalt verstricken , bis der einzige Ausweg schließlich von Blut gesäumt ist. Dabei ist es gerade die stille Wucht des Films, die unter die Haut geht – ein unaufgeregter Thriller, der auf Explosivität verzichtet und seine Spannung aus der unausweichlichen Eskalation zieht.

Dass “Bring Them Down” seine beklemmende Wirkung entfalten kann, ist nicht zuletzt dem Cast zu verdanken – allen voran Barry Keoghan, der einmal mehr eine Figur verkörpert, die sich jeder einfachen Lesart entzieht. Als Jack ist er, wie die anderen Beteiligten auch, weder bloß Täter noch Opfer, sondern ein Produkt seiner Umwelt – geprägt von roher Männlichkeit, zerrütteten Familienverhältnissen und einer unartikulierten Wut, die unter der Oberfläche brodelt. Ein Motiv, das sich durch die gesamte Geschichte zieht und durch den geschickten Perspektivenwechsel im Mittelteil noch einmal verstärkt wird. Einen Gewinner wird es am Ende hier keinen geben, dass ist klar – und wenn dann, ist es das Publikum, das mit “Bring Them Down” ein nihilistisches Stück Kino serviert bekommt, das unter die Haut geht!

Fazit
Intensiv gespielt, atmosphärisch dicht und ohne jede Hoffnung auf Erlösung – “Bring Them Down” geht unter die Haut!


