| Titel | Mala influencia – Verbotene Liebe |
| Genre | Romanze, Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Regie | Chloe Wallace |
Starttermin: 09.05.2025| Netflix
Sie liebt den Bodyguard
Seit “Fifty Shades of Grey” gilt: Red Flags sind kein Warnsignal, sondern ein Versprechen. Ob “After”, “Culpa Mia” oder “Der Tränenmacher” – toxische Männer mit Haftakte, Gewaltpotenzial und Kindheitstrauma avancieren zur Projektionsfläche naiver Begierde. Wer nicht emotional instabil, moralisch fragwürdig oder justiziabel ist, hat im neuen Liebesnarrativ wenig Chancen. Die romantische Fantasie sehnt sich nicht nach Verlässlichkeit, sondern nach Eskalation mit Anziehungskraft. Kontrollierte Selbstaufgabe im Namen der Leidenschaft. Was als erotisches Drama daherkommt, ist letztlich die kitschige Verklärung psychischer Instabilität. Ein verstörender Trend – und ein aufschlussreicher Blick in die dysfunktionale Grammatik moderner Pop-Romantik. “Mala influencia – Verbotene Liebe”, glaubt man dem Plot, bietet da augenscheinlich keine Ausnahme. Oder etwa doch?

Und darum geht es…
Nach seiner Haftentlassung will Eros (Alberto Olmo) sein Leben neu ordnen – doch statt eines Neuanfangs erwartet ihn ein ungewöhnliches Jobangebot: Ein einflussreicher Unternehmer (Enrique Arce) engagiert ihn als persönlichen Aufpasser für seine Tochter Reese (Eléa Rochera). Die junge Frau ist von dem Gedanken, Tag und Nacht überwacht zu werden, alles andere als begeistert und lässt Eros das auch spüren. Zwischen Misstrauen, Widerstand und stichelnden Wortgefechten prallen zwei Welten aufeinander. Doch je näher sich die beiden trotz aller Differenzen kommen, desto stärker geraten sie in den Sog verdrängter Wahrheiten und gefährlicher Entwicklungen, die alles ins Wanken bringen.

Verboten belanglos
Man kann nicht behaupten “Mala influencia – Verbotene Liebe” hätte es nicht versucht. So ganz scheint sich das spanische Netflix Original mit den Gepflogenheiten diverser Herrschaften aus namhaften Young Adult-Liebesgeschichten nämlich nicht arrangieren zu können. Was Eros von anderen achso-maskulinen Jungspunden seines Schlags unterscheidet, ist, dass sich hinter der vermeintlich gefährlichen Schale ein entwaffnend harmloser Kern befindet – uninteressant, eintönig, einfältig – aber harmlos. Sieht man mal vom Machtgefälle ab, dass sich durch seine Rolle als zugeteilter Aufpasser ergibt, herrschen zwischen Eros und Reese erstaunlich wenig toxische Vibes – bedauerlicherweise aber sonst nichts, was auf gegenseitige Anziehung schließen ließe. Während sich die toxisch männlichen Ausbrüche also auf abschreckende Beispiele außerhalb des frischgebackenen Liebesglücks beschränken, wie in Form von Reeses Ex-Partner, der als überzeichnete Karikatur eines Machos herhalten muss, um Eros gegensätzliche Rolle als Held zu untermauern, bleibt “Mala influencia – Verbotene Liebe” dem Genre zumindest in Sachen devot-naiver Weiblichkeit treu.

So erweist sich Reese, als weiteres Abziehbild der handlungsunfähigen, überforderten Frau in Nöten, deren Existenz weniger als Figur manifestiert, denn als dramaturgisches Accessoire – mit sehnsüchtigen Augen für ihren glorreichen Retter, weichen Konturen und noch weicheren Widerständen. Was als unglaubwürdige Romanze beginnt, mutiert spätestens im letzten Drittel zum Thriller – oder zumindest zu dem, was “Mala influencia – Verbotene Liebe” dafür hält – eine lose Ansammlung genretypischer Versatzstücke, deren Zusammenhalt sich allein aus Behauptung speist: Ein namenloser Stalker, eine diffuse Bedrohung und ein unfreiwillig komischer Showdown, ohne Spannung und emotionale Konsequenz. Die große Enthüllung schließlich wirkt nicht nur hanebüchen, sondern auf tragische Weise beliebig – als hätte der Film selbst irgendwann das Interesse an seiner eigenen Geschichte verloren.

Fazit
Zwischen schablonenhafter Liebe und lahmer Spannung bleibt kein Raum für Qualität!


