| Titel | Havoc |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Gareth Evans |
Starttermin: 25.04.2025 | Netflix
Brachiale Gewalt, aber keine Seele
Mit brachialer Härte wie in “The Raid” und “Gangs of London” hat sich Gareth Evans als Meister der intensiven, körperlich spürbaren Action einen Namen gemacht. In beiden Werken entfaltet er Gewalt nicht nur als physische Konfrontation, sondern als pulsierende Erzählform, die das Tempo vorantreibt und die Figuren durch eine nahezu archaische Katharsis zwingt. Besonders in “The Raid” wurde die choreografierte Brutalität zu einem raffinierten Tanz aus Spannung und Energie, der mehr zu erzählen vermochte, als Worte es je könnten. Es ist diese Verschmelzung von roher Gewalt und dem reinen Überlebenswillen, die Evans’ Werk auszeichnet – eine Kunst, die in seinem prominent besetzten Netflix Original “Havoc” unter dem fehlenden dramaturgischen Unterbau größtenteils verblasst.

Und darum geht es…
Während ein eigentlich simpler Raubzug eine blutige Schneise der Verwüstung durch die Stadt zieht, bekommt es Mordermittler Walker (Tom Hardy), der eigentlich nur ein paar Weihnachtseinkäufe erledigen wollte, nur ein paar Blocks entfernt mit einem blutigen Drogenkrieg zu tun. Mittendrin: Charlie Beaumont (Justin Cornwell), der Sohn des korrupten Politikers Lawrence Beaumont (Forest Whitaker). Das Charlie eher unglücklich in die Situation gestolpert ist, veranlasst seinen Vater, eine alte Schuld bei Walker einzufordern. Schon bald wird Walker in ein Netz aus Verrat und Gewalt verstrickt, das ihn an seine eigenen moralischen Grenzen treibt.

Ein blutiger Rausch ohne Substanz
Gareth Evans inszeniert mit “Havoc” einen düsteren Copthriller, der sich viel auf seine betont grimmige Atmosphäre einbildet, erzählerisch aber ermüdend blutleer bleibt. Was als dreckiges Großstadtmärchen über Korruption, Drogen und Verrat gedacht ist, erweist sich so schnell als bleierne Erzählung mit ermüdendem Figureninventar. Tom Hardy spielt einmal mehr den abgekämpften Einzelkämpfer – schweigsam, zerschunden, aber auch ungewohnt leblos. Sein Walker wirkt wie ein entfernter Verwandter von Eddie Brock, doch die Müdigkeit der Figur überträgt sich zunehmend auf das Publikum. Die Nebenfiguren? Namenlos, profillos, bloße Statisten in einem Netz aus Klischees. Trotz hochkarätiger Besetzung mit Forest Whitaker und Timothy Olyphant entwickelt sich kaum ein Spannungsmoment, das über Standardkost hinausgeht.

Die Handlung, angesiedelt in einer von Gewalt und Verrat zerfressenen Stadtlandschaft, gleicht einem Mosaik aus vertrauten Versatzstücken. Lange passiert wenig, dann kommt die Eskalation – brachial, explizit, inszenatorisch pointiert. Wenn Schrottflintenläufe Körper förmlich zerfetzt und Leiber unter der unnachgiebigen Schlagzahl an Schnellfeuersalven perforieren, inszeniert Evans eine rohe, exzessive Körperlichkeit, die durchaus ihre Wirkung entfaltet. Für einen Moment blitzt hier das Können auf, das ihn einst mit “The Raid” berühmt gemacht hat – ein kinetischer Rausch aus Blut und Blei, der aufrüttelt und verstört. Doch die Wucht der Action vermag nicht zu kaschieren, wie wenig “Havoc” jenseits davon zu bieten hat. Gewalt wird zur Attraktion, nicht zur Konsequenz; Action ersetzt keine Figurenzeichnung, und düstere Bilder keine emotionale Bindung. Was bleibt, ist ein Film, der in seinen besten Momenten unterhält – und in seinen vielen anderen schlicht ermüdet.

Fazit
“Havoc“ funktioniert immer dann, wenn die brachiale Action ihre Wirkung entfaltet, doch außerhalb dieser Momente bleibt der Film in einer blutleeren Erzählung gefangen!

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