Daddy’s Head: Kritik zum Horrorfilm – Auf den Spuren von „Der Babadook“

Daddy's Head Film 2024
TitelDaddy’s Home
Genre Horror
Jahr2024
FSK16
RegieBenjamin Barfoot

Heimkinostart: 28.03.2025

Wenn Trauer zum Monster wird…

Der britische Regisseur Benjamin Barfoot machte bereits 2017 mit seinem schwarzhumorigen Thriller „Double Date“ in Genrekreisen auf sich aufmerksam. Nun, einige Jahre später, meldet er sich mit seinem Nachfolger „Daddy’s Head“ zurück – einem Film, der bereits auf internationalen Festivals für Aufsehen sorgte und nun auch in Deutschland das Publikum das Fürchten lehren soll. 

Daddy's Head Film 2024
Daddy’s Home ©Lighthouse Home Entertainment

Und darum geht es…

Nach einem schweren Autounfall werden die lebenserhaltenden Maßnahmen bei James (Charles Aitken) eingestellt. Seine trauernde Witwe Laura (Julia Brown) muss sich fortan allein um ihren Stiefsohn Isaac (Rupert Turnbull) kümmern, der nur schwer mit der neuen Situation klarkommt. Als es in ihrem Zuhause – einem Glashaus im Wald – zu merkwürdigen Vorkommnissen kommt und der Familienhund von einer unheimlichen Kreatur angegriffen wird, glaubt Isaac, dass sein Vater von den Toten zurückgekehrt ist. Währenddessen sorgt sich Laura zunehmend um die mentale Gesundheit ihres Stiefsohns.

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Horror zwischen Verlust und Wahnsinn

Trauer – ein Thema, das im letzten Jahrzehnt als Aufhänger für zahlreiche erfolgreiche Horrorfilme diente, in denen das Böse oft nicht viel mehr als eine Metapher statt eine physische Bedrohung ist. Keine Frage: Viele Regisseur*innen haben diesen Ansatz effektiv genutzt und mit simplen Mitteln beängstigende Filme geschaffen. Doch in den letzten Jahren droht diese Erzählweise für das Horrorpublikum ermüdend zu werden. Das Genre muss aufpassen, dass sich hier nicht schleichend ein neues Horrorklischee etabliert, dass irgendwann seine Wirkung verliert. Im Fall von „Daddy’s Head“ wird die altbekannte Thematik immerhin durch eine interessante Dynamik zwischen einer trauernden Witwe und ihrem Stiefsohn aufgewertet. Regisseur Benjamin Barfoot befasst sich eindringlich mit der angespannten Beziehung zwischen Laura und Isaac – eine junge Frau, die ihr Bestes gibt, aber nicht von heute auf morgen bereit ist, eine alleinerziehende Mutter zu sein und Isaac, der beide Elternteile verloren hat und sich schwer damit tut, seine einzige verbliebene Bezugsperson zu akzeptieren. Eine ohnehin schwierige Situation, die in Verbindung mit dem Verlust der Vaterfigur bereits Horror genug ist – ganz ohne übernatürliche Elemente. 

Daddy's Head Film 2024
Daddy’s Home ©Lighthouse Home Entertainment

Das Drehbuch, ebenfalls von Barfoot verfasst, schafft es, beide Figuren nachvollziehbar zu zeichnen. Dazu tragen auch die starken schauspielerischen Leistungen bei. Julia Brown ist fantastisch als Laura und wechselt gekonnt zwischen Angst, Verzweiflung und Trauer – eine potenzielle neue Scream Queen, die man im Auge behalten sollte. Auch Rupert Turnbull überzeugt als Isaac und beweist, dass Kinder in Horrorfilmen dieser Art nicht zwangsläufig eine Belastung für die Nerven sein müssen – ein klarer Verweis auf „Der Babadook“, der offensichtlich eine Inspirationsquelle für Barfoot war. Zusätzlich punktet „Daddy’s Head“ mit einer starken Kameraarbeit und kontrastreichen Farben. Das atmosphärische Setting – ein Glashaus mitten im Wald – entwickelt sich zu einer eigenen Figur. Jeder Schatten, jedes Knarren birgt eine potenzielle Bedrohung. Die titelgebende Kreatur „Daddy’s Head“ bleibt über weite Strecken ein Mysterium, da der Film auf ausufernde Erklärungen verzichtet. Ein kluger Schachzug, der die unheimliche Wirkung verstärkt. Dass die Kreatur größtenteils im Verborgenen bleibt, erweist sich als weiterer Pluspunkt für den Grusel. Lediglich in den wenigen Momenten, in denen diese vollständig zu sehen ist, hat der Film mit schwachem CGI zu kämpfen – ist dadurch allerdings nicht weniger gruselig.

Daddy's Head Film 2024
Daddy’s Home ©Lighthouse Home Entertainment

Fazit

Auch wenn Monster als Metapher für Trauer sich langsam zu einem neuen Horrorklischee entwickeln, überzeugt „Daddy’s Head“ mit seinem starken Fokus auf die fesselnde Dynamik zwischen überforderter Witwe und trauernden Stiefsohn, starken darstellerischen Leistungen und einer atmosphärischen Inszenierung.

Bewertung: 3.5 von 5.
Daddy's Head Film 2024

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