Femme: Kritik zum Rachethriller – Ein Film, der einen nicht mehr los lässt!

Femme 2023 Film
TitelFemme
Genre Thriller, Drama
Jahr2023
FSK16
RegieSam H. Freeman, Ng Choon Ping

Heimkinostart: unbekannt

Eine Spirale aus Gewalt und Begehren

In einer Welt, in der das vermeintlich Andersartige nicht nur auf Ablehung stößt, sondern sich regelrecht in Hass und Gewalt manifestiert, wirft „Femme“ einen Blick auf die zarten Grauzonen zwischen Täter und Opfer, Liebe und Hass, Rache und Vergebung. Sam H. Freeman und Ng Choon Ping entwickeln hierfür ihren gefeierten Kurzfilm zu einem faszinierenden, doppelbödigen Thriller weiter. Das Resultat ist ein atemloser Streifzug durch die Schattenseiten menschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Zwänge, der die Zuschauerschaft herausfordert, sich mit widersprüchlichen Gefühlen auseinanderzusetzen. Ein Schlag in die Magengrube – und das auf allen Ebenen!

Femme 2023 Film
Femme ©Pandastorm Pictures

Und darum geht es…

Jules (Nathan Stewart-Jarrett), ein Drag-Künstler, tritt unter dem Namen Aphrodite Banks auf und lebt auf der Bühne die Kraft und das Selbstbewusstsein seines alternativen Selbst aus. Doch jenseits dieser glänzenden Fassade trifft ihn eines Nachts die brutale Realität: Ein Übergriff von Preston (George MacKay), einem homophoben Straßenschläger, wirft ihn aus seiner Rolle und lässt ihn gebrochen und erschöpft zurück. Der physische Schaden, den Jules davon trägt, überwiegt den körperlichen Schmerz, sodass er auch drei Monate nach der Tat noch immer mit den Folgen zu kämpfen hat. Um sich der Normalität wieder anzunähern, besucht er einen Sauna-Club – und trifft auf Preston, der ihn außerhalb der Rolle als Aphrodite nicht wiedererkennt. Während Jules seine Chance auf Vergeltung wittert und sich deshalb auf eine gefährliche Liaison mit seinem Peiniger einlässt, verschwimmen die Grenzen zwischen Rache und Verlangen zunehmend zu einem toxischen Geflecht aus Machtspielen und Leidenschaft  – mit ungeahntem Ausgang.

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Masken, Macht und Begierde – Ein Thriller, der unter die Haut geht

“Femme“ erzählt von Rache und Begierde, zwei diametrale zueinander verlaufenden Instinkten – und doch untrennbar miteinander verflochten. So dauert es nicht lange, bis Jules auf Preston trifft – wieder, diesmal in einer Schwulensauna – was in ihm den unbändigen Wunsch nach Vergeltung weckt, der sich zunehmend in einer obsessiven Besessenheit manifestiert. Dabei ist es nicht nur der Hass, der ihn antreibt, sondern auch eine ungeahnte Anziehungskraft. Genau diese Ambivalenz ist es, die “Femme” zu einem faszinierenden und nicht immer bequemen Erlebnis macht, während sich Jules’ Racheplan mehr und mehr zu einem gefährlichen Tanz durch ein Minenfeld aus Macht, Kontrolle und unbestimmter Leidenschaft entwickelt. 

Femme 2023 Film
Femme ©Pandastorm Pictures

Nathan Stewart-Jarrett liefert in der Rolle von Jules eine atemberaubende Darbietung, die den komplexen inneren Konflikt seines Charakters meisterhaft einfängt. Er verkörpert die widersprüchliche Natur des verletzten, verletzlichen Mannes und des selbstbewussten, manipulativen Drahtziehers, der immer tiefer in die Zerrissenheit seiner eigenen Rache hineingezogen wird. Die Chemie zwischen ihm und George MacKay in der Rolle des Preston, einem gewalttätigen, innerlich zerbrochenen Mann, der seine wahren Gefühle hinter einer Maske aus Gewalt versteckt, ist von einer intensiven Spannung zwischen sexueller Anziehung, roher Körperlichkeit und subtiler Lieber durchzogen. Animalisch, gebrochen, menschlich.

Femme 2023 Film
Femme ©Pandastorm Pictures

Ambivalenz als Essenz

“Femme“ geht über die bloße Darstellung von Homophobie und sexueller Identität hinaus – und zielt darauf ab, das System der Maskeraden, die wir im Alltag tragen, zu entlarven. Das Macht- und Kontrollspiel ziehen sich durch die gesamte Erzählung und verwandeln den Thriller in ein psychologisches Spannungsfeld, das uns dazu zwingt, die Vorurteile und Projektionen in unseren eigenen Wahrnehmungen zu hinterfragen. Trotz der klassischen Rachegeschichte bleibt „Femme“ unvorhersehbar, ohne die Beziehung zwischen Jules und Preston in einfache Schablonen zu zwängen. “Femme” verweigert sich dabei jeder klaren Antwort, lässt Raum für Ambivalenz und fordert uns heraus, sowohl die Taten als auch die Gefühle der Protagonisten zu hinterfragen. Es gibt keine einfachen Lösungen, keine schwarz-weißen Antworten – nur die brutale Realität, dass Menschen in ihrer tiefsten Zerrissenheit nicht nur verletzen, sondern auch fähig sind zu lieben.

Femme 2023 Film
Femme ©Pandastorm Pictures

Fazit

Am Ende bleibt „Femme“ als ein Thriller im Gedächtnis, der mehr hinterlässt als nur einen Nervenkitzel. Er schürt das Unbehagen und bietet gleichzeitig einen seltenen Blick auf die Fragilität von Identität und das zerstörerische Potenzial von Rache und Liebe!

Bewertung: 4.5 von 5.
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