| Titel | Black Ritual |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Thomas Marchese |
Heimkinostart: 24.01.2025
Zukünftiger „Scream“-Star als trauernde Mutter
Trauer ist ein Thema, das im Horrorgenre besonders im letzten Jahrzehnt immer wieder aufgegriffen wurde und mittlerweile fast ein eigenes Subgenre bildet. Filme wie „Midsommar“, „The Night House“ oder jüngst „Presence“ zeigen, dass Verlust und Horror Hand in Hand gehen – ein wirkungsvoller Ansatz, um dem Genre mehr Tiefe zu verleihen. Diesen Weg schlägt auch Regisseur Thomas Marchese mit seinem Horrordrama „Black Ritual“ ein, das über Lighthouse Entertainment auf dem Heimvideomarkt veröffentlicht wird.

Und darum geht es…
Sieben Jahre sind vergangen, seit der Sohn der von Suchtproblemen geplagten Cora (Anna Camp) spurlos verschwunden ist. Die junge Mutter macht sich seitdem große Vorwürfe und versucht, ihr Leben so gut es geht in den Griff zu bekommen. Eines Tages spricht sie Abel (John Ales) aus ihrer Selbsthilfegruppe an, der ebenfalls ein Kind verloren hat. Er ist überzeugt, dass ein dämonisches Ritual Coras Sohn zurückbringen kann – und in ihrer Verzweiflung lässt sie sich darauf ein.

Anna Camp tauscht Gesang gegen dämonische Rituale
Anna Camp hat genug vom Singen. Die „Pitch Perfect“-Darstellerin wagt sich ins Horrorgenre – und gleichzeitig an eine emotionalere Rolle. Ein guter Testlauf für ihre kommende Rolle in „Scream 7″, in der sie an der Seite von Final Girl Sidney Prescott ums Überleben kämpft – und hoffentlich eine bessere Figur macht als in „Black Ritual“. Ihre Leistung ist keinesfalls schlecht. Es gibt durchaus Momente, in denen sie glänzt, doch ebenso Szenen, in denen sie die Emotionen ihres Charakters nicht ganz authentisch transportiert. Da ist es nicht verwunderlich dass sie sich in der Vergangenheit vor allem mit komödiantischen Rollen einen Namen gemacht hat. Ein Glück für sie, dass das Gemetzel im „Scream“-Franchise stets von einer schwarzhumorigen Note begleitet wird. Das Horrordrama von Thomas Marchese ist dagegen bitterernst und funktioniert als Allegorie auf Verlust und Trauer, darauf, wozu man in einer solchen Situation bereit ist und wie schamlos Außenstehende diese Gefühlslage für ihre Zwecke ausnutzen. Im Wesentlichen ist „Black Ritual“ damit ein Neuaufguss des Horrorfilms „A Dark Song“, der 2016 erschien und nur wenigen bekannt sein dürfte.

Beide Filme weisen deutliche Parallelen auf. Zwar wurden einige Details verändert, doch im Kern erzählen sie die gleiche Geschichte. Nur dass „A Dark Song“ dies authentischer und tiefgründiger umsetzt. „Black Ritual“ hingegen setzt sich weitaus generischer zusammen. Der Film versucht, durch Zeitsprünge und eine schrittweise Zusammensetzung der Ereignisse eine mysteriöse Atmosphäre zu erzeugen. Die damit verbundenen Wendungen sind allerdings weder überraschend noch sonderlich originell. Einige Szenen hinterlassen dennoch einen starken Eindruck – besonders jene, in der Hauptfigur Cora in einer Vision hilflos mitansehen muss, wie ihr Sohn entführt wird. Die Szene ist gleichermaßen emotional und unheimlich. Doch besonders in der zweiten Hälfte setzt Marchese zu sehr auf herkömmliche Horrorelemente. Das ist insofern bedauerlich, als der Film zunächst zumindest versucht, seinen Charakteren Tiefe zu verleihen, diesen Aspekt jedoch später zugunsten der Horror-Inszenierung links liegen lässt. Beim Score wurde sich richtig ausgetobt. Dieser untermalt konstant das Geschehen und soll zur Atmosphäre beitragen, ist aber ab einem gewissen Punkt einfach nur noch anstrengend.

Fazit
Anna Camps Ausflug ins Horrorgenre liefert gute Ansätze, vernachlässigt diese allerdings um sich altbekannten Mustern hinzugeben. „Black Ritual“ ist dabei immer noch solide, hätte aber so viel mehr sein können.


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