MadS: Kritik zum One-Take-Horrorfilm – Im wahrsten Sinne des Wortes ein Horrortrip!

MadS Film 2024
TitelMadS
Genre Horror, Thriller
Jahr2024
FSKungeprüft
RegieDavid Moreau

Fantasy Filmfest White Nights 2025

90 Minuten Terror ohne Schnitt!

One Shots – wenn Kino zur ungeschnittenen Wirklichkeit wird. Eine einzige atemlose Einstellung, die die Grenzen zwischen Film und Realität verwischen lässt. In “Victoria” folgte die Kamera der titelgebenden Protagonistin durch eine Berliner Nacht voller Exzesse und Eskalationen – roh, intensiv, unausweichlich. Die Echtzeit-Dynamik verstärkt die emotionale Wucht, das Publikum kann sich nicht entziehen. Ein modernes Meisterwerk ist geboren. Doch nicht jede Plansequenz bringt automatisch einen Mehrwert mit sich. “Home Sweet Home” zum Beispiel setzt ebenfalls auf eine augenscheinlich ungeschnittene Erzählweise, wenngleich mit versteckten, nicht wahrnehmbaren Schnitten versehen, und verkommt dabei zur reinen Spielerei – einem Gimmick. Anstatt die Spannung zu verdichten, wirkt die Technik selbstverliebt – eine Machbarkeitsstudie ohne erzählerischen Mehrwert. Etwas, das man der französischen Terror-Keule “MadS” auf keinen Fall vorwerfen kann!

MadS Film 2024
MadS ©Capelight Pictures

Und darum geht es…

Romain (Milton Riche) ist 18 und die Nacht gehört ihm. Eine neuartige Partydroge scheint da genau das Richtige zu sein – zumindest so lange, bis der Rausch eine unheilvolle Wendung nimmt. Auf der Straße stößt er auf eine schwer verletzte Frau, doch sein benebelter Verstand spielt ihm Streiche. Oder etwa doch nicht? Was ist wirklich passiert? Und wer sind die mysteriösen Männer, die sich fortan an seine Fersen klemmen? Während Realität und Halluzination zunehmend ineinanderfließen, kämpft Romain darum, die Geschehnisse zu enträtseln. Doch je intensiver er versucht, Klarheit zu gewinnen, desto mehr verschwimmt die Grenze zwischen Wahrheit und Illusion – und die Nacht droht in einem Albtraum zu enden!

Der „REC”stasy-Horrortrip, der die Grenzen der Wahrnehmung sprengt

Fünf Takes hat es gebraucht, bis sich Regisseur David Moreau mit seinem an einem Stück gedrehten Höllentrip zufrieden zeigte – eine reflektierte Selbsterkenntnis, der man nach der Sichtung von “MadS” uneingeschränkt zustimmen kann. Wenn Kameramann Philip Lozano abwechselnd seinen drei Protagonist*innen bei ihrem Abstieg in den von einer unbekannten psychedelischen Droge befeuerten Wahnsinn auf Schritt und Tritt verfolgt und dabei auch noch wiederholt ästhetische Bilder in atemberaubender Präzision einfängt, ist das schlicht und ergreifend eine technische wie körperliche Meisterleistung. Das größtenteils mit vorhandenen Lichtquellen des nächtlichen Settings geschaffene Bild besticht durch eine rohe, fast dokumentarische Ästhetik, die den fiebrigen Albtraumcharakter der Geschichte verstärkt und die Zuschauerschaft unaufhaltsam in den Strudel des Wahnsinns zieht.

MadS Film 2024
MadS ©Capelight Pictures

Wie “Rec” auf Ecstasy – quasi “REC”stasy: Ein Gedanke, der sich unweigerlich auftut, wenngleich sich “MadS” aufgrund der unzuverlässigen Erzählweise nicht auf die gleiche Weise wie den Found FootageHorror aus Spanien einordnen lässt. Durch die Einnahme einer neumodischen Droge bleibt die Wahrnehmung der Protagonist*innen so verzerrt, dass im Unklaren darüber bleibt, ob die grauenhaften Ereignisse real oder nur ein Produkt ihres psychedelischen Wahnzustands sind. Diese Unsicherheit verstärkt die Intensität der Erfahrung und zieht das Publikum immer tiefer in den Albtraum hinein, der sich nicht mehr von der Wirklichkeit trennen lässt. Das Ergebnis ist ein rastloser, die Zuschauerschaft unmittelbar involvierter Horrortrip, mit einem starken, frischen Cast, der durch seine natürliche, ungefilterte Darstellung der Verzweiflung und des Kontrollverlusts eine fesselnde Intensität ausstrahlt.

MadS Film 2024
MadS ©Capelight Pictures

Fazit

“MadS“ ist eine 90-minütige Höllenfahrt, in einem einzigen Take abgefilmt, dessen hypnotisierende Kameraarbeit den Film zu einem unbarmherzigen Erlebnis macht, das visuell und emotional an die Grenzen führt!

Bewertung: 3.5 von 5.
Fantasy Filmfest White Nights 2025
Alle Kritiken der Fantasy Filmfest White Nights 2025

Wie hat Dir „MadS“ gefallen?

Das könnte Dich auch interessieren!