| Titel | Weekend Trip – Schrei der Verdammten |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 16 |
| Regie | Johannes Persson |
Heimkinostart: 30.01.2025
Wenn Likes tödlich werden
Found Footage war einmal – mittlerweile übernimmt Social-Media-Horror das Genre und konfrontiert die heutige Generation mit ihrer Obsession, sich immer und überall im Internet zu präsentieren. Filme wie „Deadstream“, „Host“ oder „Unknown User“ widmen sich auf unterschiedliche Weise diesem Thema und treiben den Puls der Zuschauer in die Höhe. Mit „Weekend Trip – Schrei der Verdammten“ versucht sich auch Schweden an diesem aktuellen Subgenre – mit mäßigem Erfolg.

Und darum geht es…
Eine Gruppe von Influencern (u.a. Molly Nutley, Vincent Grahl, Sofia Kappel, Joel Lützow, Emelina Rosenstielke) wird engagiert, um Content auf einer abgelegenen Insel zu produzieren. Ziel ist es, auf den dortigen Luxus-Campingplatz aufmerksam zu machen und zahlende Kunden anzulocken. Die Insel ist jedoch von der Legende einer Hexe überschattet, die dort ihr Unwesen treiben und Gäste in den Tod reißen soll. Die jungen Leute nehmen davon allerdings nichts ernst – bis das erste Opfer fällt und eine Flucht von der Insel unmöglich erscheint.

„The Blair Witch Project“ geht viral
Schweden ist ein wunderschönes Land. Wem das noch nicht klar war, wird es spätestens nach „Weekend Trip – Schrei der Verdammten“ bewusst. Die Produktion geizt nicht mit idyllischen Naturaufnahmen – einer der wenigen positiven Aspekte der Horrorproduktion. Johannes Persson hat ein gutes Auge dafür, was visuell funktioniert. Es wäre jedoch schön gewesen, wenn sich das auch auf die Handlung übertragen hätte. Doch bleiben wir zunächst beim Positiven: Der übernatürliche Slasher richtet seinen Fokus auf die Social-Media-Generation. Bereits zu Beginn wird deutlich, dass sich der Film „The Blair Witch Project“ als Vorbild nimmt – allerdings stehen hier nicht Found Footage, sondern TikTok und Instagram im Mittelpunkt. Perssons Streifen möchte die Oberflächlichkeit sozialer Medien und die übermäßige Faszination für True Crime thematisieren. Ein vielversprechender Ansatz, der jedoch innerhalb der hundertminütigen Laufzeit zunehmend an Bedeutung verliert und durch generischen Horror ersetzt wird – ohne dabei sonderlich zu unterhalten.

Die Handlung um eine ortsansässige Hexe, die gefoltert wurde und nun auf Rache aus ist, wirkt lahm und wurde bereits in zahllosen Filmen besser umgesetzt. Das scheinen auch die Charaktere zu wissen, denn keiner von ihnen zeigt sich überrascht oder hinterfragt das Geschehen. Sie akzeptieren schlicht, dass eine Hexe Jagd auf sie macht. Die Gruppe von Influencern schaut gelangweilt drein, während ein Jumpscare nach dem anderen auf sie einprasselt. Das wirkt nicht nur befremdlich, sondern auch ziemlich lächerlich – vor allem, da der Twist meilenweit im Voraus erkennbar ist. Den Drehbuchautoren scheint das bewusst gewesen zu sein, weshalb sie versuchen, auf andere Weise zu überraschen und sich dabei übernehmen. Subtilität hätte hier vieles retten können, ähnlich wie in dem unterschätzten Horrorfilm „Witches in the Woods“, in dem die Legende einer Hexe lediglich als Mittel genutzt wird, um Spannungen innerhalb der Gruppe zu erzeugen. Die schauspielerischen Leistungen sind kaum erwähnenswert, und Spannung kommt nur selten auf. Immerhin überzeugen die praktischen Effekte: Einige der blutigen Szenen sind gut inszeniert und unangenehm anzusehen – ein kleines Trostpflaster für Horrorfans.

Fazit
Vielversprechende Ansätze werden durch generische Jumpscares, eine lächerliche Handlung und vorhersehbare Twists zunichtegemacht. Was bleibt, sind schöne Naturaufnahmen aus Schweden und einige solide blutige Effekte.


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