Dead Mail: Kritik zum Horrorfilm – Retro-Hommage im Horror-Gewand!

Dead Mail Film 2024
TitelDead Mail
Genre Horror, Thriller
Jahr2024
FSKungeprüft
RegieJoe DeBoer, Kyle McConaghy

Starttermin: unbekannt

Das Böse lauert im Briefkasten

In den letzten Jahren hat sich vor allem im Horrorgenre der Trend zum Retro-Stil der 80er-Jahre fest etabliert. Bunte Farben und ein eingängiger Synth-Soundtrack – immer wieder greifen Regisseure dieses Jahrzehnt auf. Das Regieduo hinter „Dead Mail“ kombiniert diese Elemente mit dem Fokus auf ein ungewöhnliches Berufsfeld und schafft damit einen der außergewöhnlichsten Beiträge zum 73. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.

Dead Mail Film 2024
Dead Mail ©Dead Mail LLC

Und darum geht es…

Jasper (Tomas Boykin) ist in seinem Job in einer Postfiliale eine Legende, denn er schafft es immer wieder, die Empfänger unzustellbarer Briefe aufzuspüren – ganz gleich, wie hartnäckig der Fall ist. Als ein blutverschmierter Zettel mit einem Hilferuf eintrifft, halten seine Kolleginnen Ann (Micki Jackson) und Bess (Susan Priver) dies für einen schlechten Scherz, doch Jasper lässt die Nachricht einfach nicht los und er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Was er nicht ahnt: Die Botschaft stammt von einem Mann namens Josh (Sterling Macer Jr.), der im Badezimmer des labilen Trent (John Fleck) angekettet ist.

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Skurrile Hommage an die 80er-Jahre mit wirrer Botschaft

Filmfestivals sind wahre Schatzkammern des obskuren Kinos und bieten immer wieder echte Perlen, die oft nie wieder auf der großen Leinwand zu sehen sein werden oder gar überhaupt einer breiteren Veröffentlichung verwehrt bleiben. Es bleibt abzuwarten, wie es dem Streifen „Dead Mail“ ergehen wird. Die Genreproduktion von Kyle McConaghy und Joe DeBoer bringt zwar skurrile Ideen mit, bewegt sich aber erzählerisch auf relativ konventionellen Pfaden und verbirgt dies geschickt hinter ihrem Retro-Stil. Die liebevolle Hommage setzt auf ein körniges Bild und einen Synth-Soundtrack, die lautstark an die 80er erinnern – was jedoch gelegentlich etwas aufgesetzt wirkt. Obwohl dies inhaltlich mehr als passend ist, fokussiert der Film sich im späteren Verlauf doch auf einen Charakter, der sich auf die Herstellung von Synthesizer spezialisiert. Zuvor begleitet der Genremix, nach einer vielversprechenden Eröffnungsszene, erst einmal eine Gruppe von Charakteren in einer Postfiliale, genauer gesagt einer Abteilung für unzustellbare Briefe. Eine interessante Ausgangslage für einen Horrorfilm, die man so bisher noch nicht gesehen hat. Gerade wenn man glaubt, zu wissen, wer der Protagonist ist und wen wir durch den Film begleiten, zollt „Dead Mail“ Klassikern wie „Psycho“ Tribut und verlagert die Narrative auf Josh und Trent, auf die wir bereits zu Beginn einen kurzen Blick erhaschen konnten.

Dead Mail Film 2024
Dead Mail ©Dead Mail LLC

Teile der bisherigen Ereignisse werden aus einer neuen Perspektive erzählt, wobei das Schicksal der beiden eng, mit dem der Postmitarbeiter verknüpft ist und die Handlungsstränge nahtlos ineinander übergehen. Beide Figuren besitzen einnehmende Persönlichkeitsmerkmale, doch vor allem Trent, der als Antagonist fungiert, wird sehr facettenreich dargestellt. Er ist mehr als nur ein schablonenhafter Psychopath, und das Drehbuch stellt sicher, dass man die Beweggründe nachzuvollziehen kann, die ihn in diese Situation treiben. Das große Problem dabei ist jedoch, dass Josh als Opfer weitaus weniger beleuchtet wird, wodurch unklar ist, welche Botschaft McConaghy und DeBoer hier vermitteln möchten. Besonders bitter ist dies im Hinblick auf die queeren Untertöne, die das Regieduo einbringt, sowie die Hervorhebung von Themen wie der Fetischisierung, Unterdrückung und Ausbeutung schwarzer Körper für den weißen Blick. Hier bleibt fraglich, warum nie tiefer auf das Trauma des im Badezimmer angeketteten schwarzen Mannes eingegangen wird und man stattdessen versucht, Verständnis für den weißen Täter Trent zu wecken. Diese unausgewogene Charakterisierung hinterlässt einen faden Beigeschmack – besonders in Kombination mit den humorvollen Elementen.

Dead Mail Film 2024
Dead Mail ©Dead Mail LLC

Fazit

„Dead Mail“ ist eine fesselnde Hommage an das Genrekino der 70er- und 80er-Jahre und punktet mit vielen interessanten Ideen. Allerdings gelingt es dem Film nicht, ein Gleichgewicht in der Charakterisierung seiner Hauptfiguren herzustellen, und vermittelt dadurch eine konfuse Botschaft.

Bewertung: 3.5 von 5.
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