| Titel | Lovely, Dark and Deep |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Teresa Sutherland |
Heimkinostart: 07.11.2024
Vom Gedicht zum Horrorschocker
Inspiration für Horrorfilme lässt sich oft an den ungewöhnlichsten Orten finden. Regisseurin Theresa Sutherland nahm den Titel „Lovely, Dark and Deep“ aus einem Gedicht von Robert Frost und webte daraus die Grundlage für ihren Film. In der Hauptrolle konnte sie Georgina Campbell gewinnen, die durch den Horrorhit „Barbarian“ Bekanntheit erlangte und nun im düsteren Wald ums Überleben kämpfen muss.

Und darum geht es…
Lennon (Georgina Campbell) tritt ihren neuen Job als Rangerin in einem kalifornischen Nationalpark an, in dem über die Jahre immer wieder Menschen spurlos verschwunden sind. Als erneut eine junge Frau verschwindet, widersetzt sich Lennon dem Befehl ihrer Chefin Zhang (Wai Ching Ho) und macht sich auf die Suche. Sie findet die Frau – verwirrt und kaum ansprechbar. Doch das ist erst der Anfang. Als Lennon erneut in den Wald geht, beginnen die Grenzen zwischen Realität und unheimlichen Visionen zu verschwimmen.

Gänsehaut im Wald, aber keine Klarheit im Plot
Wenn man einen Euro bekommen würde für jedes Mal, dass Georgina Campbell dieses Jahr in einem Horrorfilm mitgespielt hat, in dem unheimliche Kreaturen in einem Wald lauern, dann hätte man zwei Euro. Das ist nicht viel, aber merkwürdig, dass es zweimal passiert ist. Allerdings zeigt „They See You“ diese Gestalten zumindest ab und zu, während „Lovely, Dark and Deep“ die Bedrohung im Wald überwiegend vage hält und eher als allgegenwärtige Präsenz statt als physisches Monster darstellt. Das ist keineswegs etwas Schlimmes, schließlich hat sich psychologischer Horror in den letzten Jahren fest im Genre etabliert. Und anfangs ist die geheimnisvolle Atmosphäre auch wirklich fesselnd, kombiniert mit gruseligen Details, die im Hellen im Hintergrund lauern, und surrealen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben. Doch irgendwann kommt einfach der Moment, an dem man mehr möchte. Und genau das bleibt aus. Hinzu kommt, dass die Erklärung für die Geschehnisse recht simpel ausfällt, was den Eindruck erweckt, als hätte man den Film zuvor unnötig verkompliziert.

Atmosphärisch überzeugt „Lovely, Dark and Deep“ auf alle Fälle, nicht zuletzt dank der intensiven Kameraführung und des eindrucksvollen Settings. Obwohl der Film den Schauplatz als einen Nationalpark im sonnigen Kalifornien verkaufen möchte, wurde er tatsächlich in Paraguay gedreht und beeindruckt mit Aufnahmen majestätischer Landschaften, die gleichzeitig auch geschickt genutzt werden, um unheimliche Momente zu schaffen. Wenn außerhalb des Blickfelds der Hauptfigur Lennon eine Person auf unmenschliche Art und Weise einen Baum hinunterkrabbelt, sorgt das durchaus für Gänsehaut. Aber kann ein Film allein von Atmosphäre und schönen Bildern getragen werden? Manchmal schon – doch hier leider nicht. Theresa Sutherland bietet dem Zuschauer zu wenig, und das Visuelle kann das oft schwache Drehbuch nicht kompensieren, sodass sich die Handlung irgendwann ins Nichts verliert. Georgina Campbell gelingt es dennoch, das Beste aus ihrer Rolle herauszuholen; ihre Performance pendelt gekonnt zwischen Stärke und Verletzlichkeit.

Fazit
„Lovely, Dark and Deep“ hat alles, was einen guten Horrorfilm ausmacht – dichte Atmosphäre, eine starke Hauptdarstellerin und einprägsame Bilder. Nur eines fehlt: ein gutes Drehbuch!


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