| Titel | Don’t Move |
| Genre | Thriller, Horror |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Brian Netto, Adam Schindler |
Starttermin: 25.10.2024 | Netflix
Nicht bewegen – einschalten!
Serienkiller in Horrorfilmen – die Schachmeister des Todes. Unaufhaltsam, unfehlbar und stets zehn Züge voraus. Während das arglose Opfer noch überlegt, ob es rechts oder links abbiegen soll, hat der Maskenmann längst sämtliche Ausgänge blockiert und steht, kaum überraschend, selbstredend zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Keine Tür ist sicher, kein Versteck gut genug – der menschgewordene Albtraum kennt das Drehbuch meist besser als die Autor*innen selbst. Da ist es eine angenehme Abwechslung, wenn das Glück zur Abwechslung mal nicht ausschließlich auf der Seite des Bösen anzutreffen ist und wie im Falle des nervenaufreibenden Netflix Thrillers “Don’t Move” der vermeintlich einfachen, weil gelähmten Beute so etwas wie Chancengleichheit gewährt.

Und darum geht es…
Seit dem viel zu frühen und tragischen Unfalltod ihres Sohnes im Big Sur State Park ist Iris (Kelsey Asbille) nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bereit, ihrem Leben ein Ende zu setzen, begibt sie sich an den Ort, an dem sich das Unglück ereignet. Als sie gerade den letzten Schritt über die Klippen wagen möchte, wird sie von einem freundlichen Fremden (Finn Wittrock) angesprochen, der sie mit seinem natürlichen Charm und einer unaufdringlichen Art dazu bringt, doch noch weiter am Leben festzuhalten. Doch was Iris nicht ahnt: Der Unbekannte hat nicht etwa aus Nächstenliebe gehandelt, sondern nur, um sie wenig später zu betäuben und zu entführen. Ehe das Betäubungsmittel jedoch seine volle Wirkung entfalten kann, bleiben ihr zwanzig Minuten, um der misslichen Lage zu entrinnen – ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Betäubender Nervenkitzel
Die Prämisse, die sich Adam Schindler und Brian Netto für ihren fiesen kleinen Terrorthriller “Don’t Move” überlegt haben, ist denkbar einfach und dabei überraschend effektiv. Statt als weiterer dröger Überlebenskampf, irgendwo in von gigantischen Wäldern umringten Kulissen – also die Art einschläfernder Horrorfilm die meist spannend klingt, dann aber schnell am monotonen Geschehen scheitert – erweist sich das reduzierte Netflix Original als durchweg fesselndes Spannungskino. Schnindler und Netto gelingt es, das Maximum aus den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln herauskitzeln, indem sie sich voll und ganz auf die einzelnen Komponenten konzentrieren. Das kommt auch der überschaubaren Figurenkonstellation zugute, die anders als in den meisten Genreproduktionen, durchweg glaubhaft aufeinander reagiert und agiert.

Statt das Opfer von einem Fettnäpfchen in das nächste treten zu lassen, während sich der namenlose Widersacher als stets überlegene Instanz präsentiert, unterwandert “Don’t Move” geschickt die Erwartungshaltung des Publikums und eröffnet stattdessen ein Duell auf Augenhöhe. Trotz nahezu vollständiger Lähmung gelingt es Iris, durch das Zutun glücklicher Umstände, immer wieder ihren erschlafftten Hals aus der Schlinge zu ziehen. Größtenteils auf die Ausdruckskraft ihrer Augen reduziert, macht Kelsey Asbille dabei eine fantastische Figur, während sich Finn Wittrock (“American Horror Story”) als charismatischer Serienkiller, dem immer einen passenden Satz auf den Lippen liegt, um seine Gegenüber für einen Moment in Sicherheit zu wiegen, vollkommen aufblühen darf. Qualität statt Quantität ist die Devise – und “Don’t Move” dadurch trotz bekanntem Motiv durch die Bank spannend geraten!

Fazit
“Don’t Move” bietet schnörkelloses Spannungskino, das das Maximum aus der reduzierten Prämisse herausholt!

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