| Titel | Der Schacht |
| Genre | Horror, Sci-Fi |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 18 |
| Regie | Galder Gaztelu-Urrutia |
Starttermin: 04.10.2024 | Netflix
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Sozialkritik auf dem Silbertablett!
Als bissige Parabel auf soziale Ungleichheit gedacht, mutierte das spanische Netflix Original “Der Schacht” aus dem Jahr 2019 schnell zum Publikumsliebling, wenngleich der unausgegorene Mix aus platter Gesellschaftskritik und ermüdend-brutalem FSK 18–Horror qualitativ kaum überzeugen konnte. Hätte Der Watchdog zu diesem Zeitpunkt schon seine digitalen Tore geöffnet gehabt, hätte eine Review für den zähen Sci-Fi-Horror kaum mehr als eine eineinhalb Sterne-Wertung parat gehalten. Doch Erfolg bleibt Erfolg – und dieser zieht nicht selten eine Fortsetzung nach sich. Dementsprechend gibt es mit “Der Schacht 2” fünf Jahre nach dem Erstling wenig überraschend more of the same – und genau da beginnt schon das Problem.

Und darum geht es…
In einem düsteren Zukunftsszenario findet sich eine junge Frau (Milena Smit) in einem vertikalen Gefängnissystem wieder, das aus verschiedenen Ebenen besteht. Auf jeder Ebene leben zwei Insass*innen, die jeden Tag Nahrung von einer Plattform erhalten, die von oben nach unten durch den Schacht fährt. In den wenigen Minuten, die die Plattform auf jeder Ebene innehält, darf gegessen werden, was das Zeug hält. Je tiefer man sich befindet, desto weniger bleibt übrig – zumindest war das in der Vergangenheit so. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Um der Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, wurden neue Regeln eingeführt, deren Nichteinhalten beträchtliche Strafen nach sich ziehen. Doch damit scheinen nicht alle einverstanden zu sein, was eine blutige Revolution nach sich zieht!

Kennt man eine Ebene, kennt man alle Ebenen!
Die simple Prämisse von “Der Schacht” ist schnell erklärt – und nicht minder schnell auserzählt: In einem düsteren, vertikalen Gefängnis kämpfen die Insass*innen um das, was von einer täglich frisch mit Speisen beladenen Plattform auf ihrem Weg nach unten übrig bleibt. Oben schlemmt man im Überfluss, unten hungert man – Kapitalismus und Klassenunterschiede lassen grüßen. Die Gier regiert, Solidarität ist selten und moralische Entscheidungen werden zur brutalen Überlebensfrage. Als Kurzfilm eine gelungene Allegorie auf das Leben – im Gewand eines abendfüllenden Spielfilms schnell ermüdend. Sozialkritik auf dem Servierteller ohne doppelten Boden und ohne Subtext, gibt es nun auch in “Der Schacht 2”. Chancengleichheit bleibt eine Illusion, die neuen vermeintlich moralischen Regeln bestätigen, was bereits Teil Eins zeigte: Der Mensch ist und bleibt ein Barbar.

Daran, dass es sich bei “Der Schacht 2” ebenfalls um einen trostlosen, pseudointellektuellen Cube-Abklatsch handelt, ändern auch die minimalen Neuerungen nichts. Spannung will sich während den wirr erzählten eineinhalb Stunden nie einstellen. Dafür sind die Dialoge zu hölzern, die Handlungsabfolge zu stakkatoartig, die Figuren nie greifbar genug. Kitschig vorgetragene Sozialkritik, schein-philosophische Aussagen und unübersichtliche Gewaltszenen geben sich ohne ein Gefühl für Dramaturgie und Zeit die Klinke in die Hand und strengen mehr an, als dass sie fesseln. Das wird insbesondere dann zum Problem, wenn sich die Unbeständig in der Einhaltung der eigenen inneren Logik häuft. Das alles macht “Der Schacht 2” nicht nur unlogisch, sondern auch unnötig verwirrend, wodurch die Fortsetzung selbst für all diejenigen, die den ersten Teil noch möchten, zur Geduldsprobe werden könnte – und das bis zum unbefriedendenden Ende!

Fazit
Trotz einer marginalen Änderung bietet “Der Schacht 2” more of the same und ist darüber hinaus auch noch unnötig wirr vorgetragen!

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