| Titel | Hold Your Breath |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Karrie Crouse, Will Joines |
Starttermin: 03.10.2024 | Disney+
Wo endet der irdische, und wo beginnt der übernatürliche Horror?
In den 1930er Jahren verwandelte sich das Herz Amerikas in eine Staubwüste. Die Dust Bowl – eine ökologische Katastrophe von biblischem Ausmaß – fraß sich durch den Mittleren Westen, ausgelöst durch jahrelange Dürre, Windstürme und die Überbewirtschaftung des Landes. Farmer hatten die fruchtbare Prärie für die Ernte gerodet, bis die Böden spröde wurden und unter der sengenden Sonne zerbröckelte, während Staubstürme den Himmel verdunkelten. Familien kämpften gegen die erstickende Trockenheit und wanderten schließlich westwärts, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Angesiedelt in dieser Zeit erzählt das Disney+ Original “Hold Your Breath” die Geschichte einer Mutter und ihrer zwei Kinder, die, auf sich alleine gestellt, in dieser lebensfeindlichen Umwelt auf irdischen Schrecken im Gewand von übersinnlichem Horror stoßen.

Und darum geht es…
In den 1930er Jahren, zur Zeit der Dust Bowl in Oklahoma, kämpft Margaret (Sarah Paulson) darum, ihre Familie vor den Folgen der unaufhaltsamen Sandstürme und der anhaltenden Dürre, die das Leben auf in ihrem Farmhaus bedrohen, zu beschützen. Während ihre Töchter Rose (Amiah Miller) und Ollie (Alona Jane Robbins) an eine übernatürliche Präsenz in Form des Grauen Mannes glauben, versucht Margarete ihre Familie zusammenzuhalten, bis ihr Ehemann von seiner Suche nach Arbeit zurückkehr. Als die mysteriöse Präsenz jedoch immer greifbarer wird, muss sie alles daransetzen, die Wahrheit herauszufinden und ihre Liebsten vor einem unaussprechlichen Grauen zu bewahren

Wenn Horror und Drama im Sande verlaufen
Angesiedelt in der Einöde des späten 19. Jahrhunderts rückte ”The Wind” (2018) eine junge Mutter ins Zentrum eines atmosphärischen Horror-Western und ließ diese in der Einsamkeit der Great Plains von übernatürlichen Erscheinungen heimsuchen. Die trostlose, windgepeitschte Landschaft diente dem Slowburner als Symbol für Isolation, Angst und das Eindringen des Unbekannten. Während “The Wind” den psychologischen Horror mit der rauen Realität des Pionierlebens verband und dabei den schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Realität erforschte, tut es “Hold Your Breath” seinem unverkennbaren Vorbild gleich. Geplagt von persönlichen Schicksalsschlägen und den widrigen Umständen der unberechenbaren Zeit der Dust Bowl, sucht auch das Streaming Original den Schrecken in der Isolation seines historischen Settings – getrübt von den tosenden Sandböden kann man diesen schon mal aus den Augen verlieren. Das Ergebnis ist weit weniger atmosphärisch als es sein könnte und enttäuscht sowohl in seiner Eigenschaft als psychologischem Drama als auch als Horrorfilm.

Wo endet der irdische, und wo beginnt der übernatürliche Horror? Margaret hat bereits ein Kind verloren. Ihr Mann ist fort, auf der Suche nach Arbeit. Die Sandstürme fressen sich in die Atemwege und bedrohen die Gesundheit von ihr und ihren Töchtern. Die Vorräte neigen sich dem Ende. Die düstere Präsenz einer übersinnlichen Erscheinung, die die kleine Familie auseinanderzureißen droht, ist hier nur das i-Tüpfelchen des Horrors der “Hold Your Breath” innewohnt. Nur leider gelingt es Karrie Crouse und Will Joines nicht diese beiden Komponenten unter einen Hut zu bringen, sodass das Horrordrama weit vor der wenig überraschenden Erklärung am Ende vorhersehbar und dadurch kaum spannend geraten ist. “Hold Your Breath” setzt einerseits auf die Verschmelzung von Wahn und Realität, ohne dabei jedoch ein echtes Mysterium zu schaffen, während das menschliche Drama oberflächlicher nicht abgehandelt werden könnte. Dass Sarah Paulson als leidende Mutter funktioniert, hat die “American Horror Story”-Darstellerin bereits des Öfteren bewiesen, gegen das eingestaubte Skript kommt jedoch selbst sie nicht an.

Fazit
Auf der Suche nach menschlichem Drama und psychologischen Horror rinnt “Hold Your Breath” ohne nachhaltigen Effekt durch die Finger wie feiner Sand!

Wie hat Dir „Hold Your Breath“ gefallen?

