Lee Sun-kyun in einer seiner letzten Hauptrollen
Ein einfacher Schlaf kann im Horrorgenre schnell zum blutigen Alptraum werden. Ob durch tödliche Alpträume, wie im Klassiker „A Nightmare on Elm Street“, oder die reale Schlafparalyse, die sowohl in Horrorfilmen als auch in Dokumentationen thematisiert wird – das Thema ist ein wiederkehrender Stoff für Gruselschocker. Mit dem koreanischen Film „Sleep“, in dem das Schlafwandeln für eine Familie fatale Folgen hat, zielt das Fantasy Filmfest darauf ab, seinen Zuschauern das Fürchten zu lehren.

Und darum geht es…
„Da ist jemand!“, murmelt Hyeon-soo (Lee Sun-kyun) mitten in der Nacht, doch seine Frau Soo-jin (Jung Yu-Mi) sieht im dunklen Flur nur den Familienhund. Diese nächtlichen Episoden häufen sich, und Hyeon-soo verhält sich zunehmend bedrohlicher – er wird aggressiver, kratzt sich blutig und beginnt, rohes Fleisch zu essen. Soo-jins Angst wächst mit jedem Vorfall, und sie bekommt kaum noch eine Auge zu, aus Furcht um das Leben ihres Neugeborenen.

Dunkler Humor trifft auf packenden Horror
Der Satz „Zusammen überstehen wir alles“ prangt auf einem hölzernen Schild in der Küche des Ehepaars Hyeon-soo und Soo-jin – eine Aussage, die in den folgenden neunzig Minuten auf eine harte Probe gestellt wird. Dabei wird im finalen Akt sogar zu einer PowerPoint-Präsentation gegriffen, doch selbst die führt nicht zum gewünschten Ziel. Ein herrlich skurriler Moment, der typisch für das Regiedebüt von Jason Yu ist. Szenen, die zwischen Bodenständigkeit und Absurdität pendeln, findet man in „Sleep“ immer wieder und drücken dem Streifen einen innovativen Stempel auf. Der Film hat eine Menge Herz und Humor, was vor allem an der großartigen Chemie zwischen den Hauptcharakteren liegt, die selbst inmitten des Alptraums immer wieder für Lacher sorgen. Dies tut der Atmosphäre auch überhaupt keinen Abbruch. Trotz der humorvollen Einlagen gelingt es Yu, mit seinem Debüt genau das zu schaffen, was zählt: Angst zu erzeugen. In seinen Gruselmomenten erinnert „Sleep“ dabei sehr an amerikanische Genrevertreter ähnlicher Art – allerdings ohne sich dabei zu sehr auf Jump Scares zu verlassen.

Der Auslöser von Hyeon-soos Schlafproblemen bleibt lange im Dunkeln. Sind sie psychischer Natur oder steckt tatsächlich eine Geisterbesessenheit dahinter? „Sleep“ gibt erst in seinen letzten Momenten Antworten und funktioniert bis dahin als packender psychologischer Thriller. Im Kern geht es um die Hilflosigkeit, die man empfindet, wenn ein geliebter Mensch an einer unerklärlichen Krankheit leidet – und die emotionalen Auswirkungen, die dies auf die Familie hat. Welche Auflösung der Film letztlich wählt, soll hier natürlich nicht verraten werden – nur so viel: Das Finale treibt mit seiner angespannten Stimmung den Puls ordentlich in die Höhe. Was man Jason Yu allerdings vorwerfen könnte, ist der etwas holprige Übergang vor dem letzten Akt. Ein Zeitsprung lässt es so wirken, als würde ein wichtiges Stück der Handlung fehlen, und es braucht einen Moment, um sich wieder in die Geschichte einzufinden. Schauspielerisch machen sowohl Jung Yu-Mi als auch Lee Sun-kyun eine gute Figur. Letzterer beeindruckte nicht nur in „Sleep“, sondern ebenfalls beim diesjährigen Fantasy Filmfest in „Project Silence“. Leider gehören diese zu seinen letzten Rollen vor seinem tragischen Tod im Dezember 2023.

Fazit
Ein bemerkenswertes Regiedebüt – mit dem talentierten Lee Sun-kyun in einer seiner letzten Hauptrollen – der die Balance zwischen Horror und dunklem Humor meisterhaft hält. Auch wenn einige inhaltliche Übergänge etwas holprig sind, mindert dies kaum den Unterhaltungswert.

Wie hat Dir „Sleep“ gefallen?

