Officer Black Belt: Kritik zum Netflix Film – Haudrauf-Action aus Südkorea!

Officer Black Belt Netflix Film
TitelOfficer Black Belt
Genre Action, Komödie
Jahr2024
FSK16
RegieJoo-hwan Kim

Starttermin: 13.09.2024 (Netflix)

Düstere K-Action mit Kommentarspalten-Polemik

Filmjournalismus sollte mehr sein, als nur ein grobmotorisches Abhandeln offensichtlicher Bewertungskriterien wie Kameraarbeit, Darsteller*innen und die Qualität der Spezialeffekte. Er dient dazu, auch neue Blickwinkel zu schaffen; als Reflexion gesellschaftlicher, kultureller und politischer Kontexte – auch, wenn sich das zu bewertende Werk augenscheinlich in erster Linie den Spaß auf die Fahne geschrieben hat. Wenn sich das südkoreanische Netflix Original “Officer Black Belt” vordergründig also als unschuldiger Actionspaß verkauft, heißt es noch lange nicht, dass es unter der unterhaltungverheißenden Fassade nicht einiges zu entdecken gibt, das mehr als nur einmal sauer aufstößt.

Officer Black Belt Netflix Film
Officer Black Belt ©Netflix

Und darum geht es…


Lee Jung-do (Kim Woo-bin) verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten in den Kampfsportarten Taekwondo, Kendo und Judo. Trotz seiner beeindruckenden Talente führt ein eher unauffälliges Leben als Lieferfahrer für das Hähnchenrestaurant seines Vaters oder verbringt seine Freizeit mit seinen Freunden..Doch sein Leben ändert sich drastisch, als er dem Bewährungshelfer Kim Sun-min (Kim Sung-kyun) zufällig hilft, einen gewalttätigen Straftäter festzunehmen. Beeindruckt von Jung-dos Kampfkünsten überredet Sun-min ihn, dem Bewährungsdienst beizutreten und dort als eine Art Mann fürs Grobe zu arbeiten. In dieser neuen Rolle setzt Jung-do seine Fähigkeiten dazu ein, Sexualstraftäter, die gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen, unter Kontrolle zu bringen und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten​.

So subtil wie die BILD-Zeitung…

Sieht man einmal von den durchweg gelungen Choreografien und der temporeichen Inszenierung ab, erweist sich “Officer Black Belt” als mittelschweres Ärgernis, dass mit seiner kaum zu ertragenden Pauschalisierung im Hinblick auf die bleischwere Thematik den kompletten Sehgenuss im Keim erstickt. Mit einem vermeintlich einfachen Ziel, also Sexualstraftäter*innen – wobei Gendern im Fall des K-Actioners, der in seiner Rollenverteilung mehr als eindeutig ist, nicht notwendig ist, weshalb wir fortan darauf verzichten – verrennt sich “Officer Black Belt” schnell in unerträgliche Kommentarspalten-Polemik, wie man sie sonst nur aus Facebook, Instagram und Co. kennt, in dem er sie allesamt als rückfällige Monster deklariert, ohne Hoffnung auf Besserung. Einmal Vergewaltiger, immer Vergewaltiger. Einmal Kinderschänder, immer Kinderschänder. Frauen sind Opfer. Männer, Helden oder Täter. Plakativer kann nicht einmal die BILD-Zeitung.

Officer Black Belt Netflix Film
Officer Black Belt ©Netflix

Dass ein differenzierter Blick auf grausame Gewaltverbrechen, wie diese, unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der Wiedereingliederung nach verbüßter Strafe im Rahmen einer spaßigen Actionkomödie kaum möglich ist, scheint “Officer Black Belt selbst zu wissen, und wandelt seine Tonalität nach wenigen spaßigen Minuten, hin zur harten Haudrauf-Action, die – man ahnt es bereits – natürlich genauso wenig geeigneten Raum für eine entsprechende Abhandlung bietet. Und das möchte er auch gar nicht. Dass eine detaillierte Auseinandersetzung nicht immer vonnöten ist, zeigen diverse Horrorfilme und/oder Psychothriller, die sich dann jedoch auf Einzeltäter, sprich kranke Serienstraftäter und Serienkiller beschränken, anstatt sie, wie das Netflix Original, alle über einen Kamm zu scheren. Hier werden Kinderschänder mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks rückfällig, während die Nachrichten im Hintergrund von laschen Strafen berichten und so verkommt das, was als leichtfüßiger Actionspaß über Zivilcourage und Engagement begann, schnell zum undurchdachten Plädoyer gehen Rehabilitation, das zu allem Überfluss auch noch mehr als nur ein großes Logikloch offenbart.

Officer Black Belt Netflix Film
Officer Black Belt ©Netflix

Fazit

„Officer Black Belt“ beginnt mit gelungenen Actionsequenzen, versinkt jedoch schnell in plakativer Pauschalisierung und unausgereift-polemischem Sprech!

Bewertung: 2 von 5.
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