| Titel | Wrongful Death |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 18 |
| Regie | Vjekoslav Katusin |
Heimkinostart: 30.08.2024
Plastikkulissen und Silikonbrüste
Die Veröffentlichung von “Saw” (2004) und “Hostel” (2005) markierte den Beginn einer neuen Ära im Horrorfilm-Genre, das bis heute als Torture Porn bekannt ist. Diese Filme lenkten das Horrorkino in neue, von zügelloser Gewalt und extremen Folterszenen geprägte Bahnen, die in Sachen Blut- und Gore-Gehalt weit über die von klassischen Slasherfilmen geprägten Standards hinaus gingen und eine grausame, voyeuristische Darstellung menschlichen Leidens offenbarten. Doch wie bei jedem Hype, verspürte auch das blutgierige Publikum nach einiger Zeit eine Sättigung und das Subgenre verschwand wieder in den hintersten Ecken der Video- oder heute eher Online-Mediatheken, wo höchstens noch eingefleischte Brutalo-Nerds auf die nächste Grenzüberschreitung warten. Für eben jede ist nun auch Vjekoslav Katusins “Wrongful Death” gedacht, wenngleich der Horrorthriller mit seiner überschaubaren Härte auch dort kaum Anklang finden dürfte!

Und darum geht es…
Als Sophia McElroy (Isabella Brenza) nackt und ohne jegliche Erinnerungen an die letzten Stunden neben dem ihr völlig Fremden Jake Mills (Alexander Man) aufwacht, denkt sie zunächst an eine Vergewaltigung unter Einfluss von Betäubungsmittel. Doch Jake scheint ebenfalls gegen seinen Willen in dieselbe Lage gebracht worden zu sein. Eingeschlossen in einem spärlich eingerichteten Bunker müssen die Beiden schnell feststellen, dass sie Teil eines morbiden Spiels sind, das von ihrem maskierten Entführer (Nebojsa Lukic) über Kameras beobachtet wird. Als eine Stimme über Lautsprecher ertönt und die unfreiwillig Vereinten auffordert, ihre Sünden zu beichten, ist dies der Auftakt eines brutalen Psychospielchens, an dessen Ende einzig und alleine der Tod auf sie wartet!

Ein Torture-Porn-Desaster
Ein düsterer Folterkeller, eine barbusige Frau mit Modelmaßen, ohnmächtig in den Armen eines Gasmaske-tragenden Killers – “Wrongful Death” braucht nicht mehr als eine kurze Exposition, um seine niedrigschwelligen Ambitionen klar anzustecken: Hier herrscht Torture Porn, der besonders einfältigen Sorte. Aus der Zeit gefallen, ideenarm, repetitiv. Nichts was die Saw-Reihe nicht bereits über unzählige Teile hinweg bis zum Erbrechen durchexerziert hätte, oder jede beliebige C-Movie-Gewaltfantasie aus den Tiefen der Direct to DVD-Hölle vor und nach ihr. Was “Wrongful Death” von Amateur-Horror der Marke Olaf Ittenbach und Co. unterscheidet, ist die Tatsache, dass sich heutzutage bereits für einen schmalen Taler eine vernünftige Kamera angeschafft werden kann, weshalb der Horrorfilm zwar immer noch billige, dafür aber immerhin gestochen scharfe Bilder liefert. Atmosphäre oder gar Spannung kommt in den Plastikkulissen jedenfalls keine zur Geltung und selbst allesfressende Gorehounds dürften bei den blutarm und handzahm in Szene gesetzten Schockmomenten kaum auf ihre Kosten kommen. Stattdessen setzt “Wrongful Death” auf schlecht ausgeleuchtete Banalitäten – und wenn gar nichts anderes mehr geht, auf selbstzweckhaft eingestreuten Lesben-Sex unter Zurschaustellung prominent platzierter Silikonbrüste. Dass die beiden Damen weder vorher noch nachher auch nur eine Sekunde zu sehen sind, und dem Plot somit rein gar nichts beizutragen haben, sagt eigentlich alles.

Während der gespenstisch blasse Antagonist in seinem kleinen Kabuff hölzerne Selbstgespräche führt, entflammt für die nahe an der Karikatur gebauten Opfer im Inneren der Folterkammer ein morbides, im Kern jedoch zutiefst langweiliges Spielchens, dessen wahrer Horror in den furchtbaren Dialogen und dem kaum als solches zu identifizierenden Schauspiel liegt. Dass auf das eingestaubte Kammerspiel kein Verlass ist, scheint auch Vjekoslav Katusin bewusst zu sein, der der Kamera gestattet, das triste Szenario hin und wieder zu verlassen. So befördern, klar als Stock Footage zu erkennende Drohnenflüge mit 3D Texteinblendung, der Orte an denen sich das gezeigte abspielen soll, zu unorganisch mit dem Main Plot verwobenen Nebenschauplätzen rund um den Globus – gedreht wurde jedoch in x-beliebigen Lagerhallen und Bürogebäuden im kostengünstigen Kroatien. Dort sieht man dann unter anderem einen lustlosen Eric Roberts als US-Senator, der, wie alle weiteren Randfiguren, eigentlich nur der Erschaffung einer großen Welt dient, die in Zukunft noch ausgebaut werden dürfte. Denn statt die Geschichte zu einem Punkt zu bringen, arbeitet “Wrongful Death” einzig und alleine einer Fortsetzung zu, die wir hoffentlich nie zu sehen bekommen.

Fazit
Auf die Folter gespannt wird hier höchstens das Publikum. “Wrongful Death” quält mit ätzenden Figuren und fürchterlichen Dialogen, statt mit schmerzhaften Gewaltszenen und psychologischen Horror!


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