Der Kurier

Der Kurier Netflix
TitelDer Kurier
Genre Thriller, Komödie
Jahr2024
FSK16
RegieDaniel Calparsoro

Starttermin: 10.05.2024 | Netflix

Der spanische Jordan Belfort?

Wieso wirken moralisch ambivalente Figuren wie Jordan Belfort, der gierige und skrupellose Antiheld aus Martin Scorseses Tatsachenverfilmung “The Wolf of Wallstreet” eine derartige Faszination auf uns aus? Besonders heldenhaft ist der Aufstieg des von Leonardo DiCaprio verkörperten Finanzhais jedenfalls nicht – und doch fiebern wir mit, drücken die Daumen und vergessen die Opfer. Dass sich ein ähnliches Verhalten einstellt, wenn sich die spanische Antwort auf den berühmten Finanzverbrecher aus den USA in “Der Kurier” einmal quer durch Europa mogelt, bleibt hingegen fraglich. Dafür fehlt es dem mit den “Élite”-Stars Arón Piper und María Pedraza besetzten Film auf Netflix schlicht und ergreifend an Charisma.

Der Kurier Netflix
Der Kurier ©Universal Pictures

Und darum geht es…

Spanien, 2002: Ivan Marquez (Arón Piper) möchte sein Dasein als mittelloser Angestellter endlich hinter sich lassen, um keinesfalls wie sein Vater zu enden, der sein Leben lang hart gearbeitet hat, nur um im Alter immer noch jeden Cent zweimal umzudrehen. Mit der Einführung des Euros entdeckt der clevere junge Mann ein Schlupfloch, das die Geldwäsche deutlich vereinfacht. Mit einem ausgefuchsten Plan im Gepäck schleicht er sich unter die kriminellen Vereinigungen Spaniens und arbeitet sich schnell hoch zum gefragten Geldkurier des Landes. Doch der Aufstieg birgt auch seine Schattenseiten – und die hören auf den Namen Escámez (Luis Tosar), einem alteingesessenen Geldwäscher, der in Ivan eine Gefahr für seine Geschäfte wittert…

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Der Kurier ©Universal Pictures

Schnelles Geld, noch schneller Vergessen

Seitdem Leonardo DiCaprio als schmieriger Börsenmakler Jordan Belfort in „The Wolf of Wallstreet“ nahezu wertlose Pennystocks unter die Leute brachte, während sein eigenes Vermögen kontinuierlich anstieg, erfreuen sich True Crime Geschichte über den Aufstieg und den Fall krimineller Masterminds großer Beliebtheit. Ein Trend, der auch am Streamingdienst Netflix nicht vorbeiging, der in „Pain Hustlers“ mit Chris Evans und Emily Blunt die kriminellen Machenschaften innerhalb der Pharmaindustrie aufarbeitete und mit „Der Kurier“ jetzt eben auch den spanischen Geldwäscheskandal. Nun ist Daniel Calparsoro jedoch kein Martin Scorsese, Arón Piper kein Leonardo DiCaprio und das Netflix Original kein neuer „The Wolf of Wallstreet“. Wo “Pain Hustlers” bereits nichts Weiteres als bekanntes Malen nach Zahlen fabrizierte, dafür aber mit charismatischen Darsteller*innen und einem rasant geschriebenem Skript daherkam, fehlt es „Der Kurier“ selbst daran.

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Der Kurier ©Universal Pictures

Trotz geschichtlichem Hintergrund möchten sich die Ereignisse in Daniel Calparsoros filmischer Aufarbeitung nie schlüssig zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Die sprunghaft abgesteckten Handlungspunkte wirken oftmals an den Haaren herbeigezogen, während die Figuren allesamt auf der Stelle treten und keinerlei Tiefgang bekommen. Weder Luis Tosar, noch seinem Leinwandkontrahenten Arón Piper – die sich beide bereits in „Fate Game – Ein Schuss genügt“ gegenüberstanden – gelingt es, ihren stereotypen Charakteren Leben einzuhauchen. Was bleibt ist die gewohnte Zurschaustellung von Saus und Braus, reichlich Sex, Alkohol und Geld – hübsch in Szene gesetzt, aber seelenlos.

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Der Kurier ©Universal Pictures

Fazit

Auf den Spuren von „The Wolf of Wallstreet“ einmal falsch abgebogen!

Bewertung: 2 von 5.

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