| Titel | A Journey |
| Genre | Drama, Komödie |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 12 |
| Regie | RC Delos Reyes |
Starttermin: 12.04.2024 | Netflix
DIe letzten Tage auf Erden
Dass die letzten Tage auf Erden mehr als nur eine tränenreiche, pessimistische Zeit sein können, haben herzergreifend-schöne und gleichzeitig auch zutiefst traurige Krebsdramen wie “Spoiler Alarm” (u.a. mit “The Big Bang Theory”-Star Jim Parson) oder “Paddelton”(u.a. mit Ray “Alle Lieben Raymond” Romano) auf rührende Art und Weise unter Beweis gestellt. Das beste Beispiel dafür wie gut Schmerz, Trauer und Humor miteinander harmonieren können, ist die mit Seth Rogen und Joseph Gordon-Levitt besetzt Tragikomödie “50/50”, die in ihren komplexen Emotionen der eigentlich abgedroschenen Metapher einer Gefühlsachterbahn ganz neue Ausmaße verlieh. Ein Zustand von dem das philippinische Netflix Original “A Journey” meilenweit entfernt ist, und egal wie lange die Reise auch geht, immer in weiter Ferne bleibt!

Und darum geht es…
Es ist bereits einige Jahre her, dass Shane (Kaye Abad) den Brustkrebs bezwang, da bekommt sie die schockierende Nachricht, dass sich erneut ein Tumor in ihrem Körper gebildet hat. Dieses Mal in der Lunge – und nahezu unheilbar. Statt sich dem aussichtslosen Kampf erneut zu stellen, möchte Shane die ihr noch verbleibende Zeit mit ihrem Mann Bryan (Paolo Contis) genießen und all die Dinge erleben, die sie schon immer einmal machen wollte. Gemeinsam mit Bryan und ihrem besten Freund Toupet (Patrick Garcia) begibt sich Shane auf einen Roadtrip nach Tasmanien – um die Welt ein letztes Mal in ihrer vollen Schönheit zu erleben.


Gefühle haben keine Checkliste
Denkt man an die facettenreiche und überwältigend emotionale Gefühlswelt, in die die Tragikomödie “50/50” das Publikum eins in etwas mehr als eineinhalb Stunden hinein zog und stellt dieses Empfinden der oberflächlichen Schablonenhaftigkeit von “A Journey” gegenüber, offenbaren sich qualitative Welten. Wo Seth Rogen und Joseph Gordon-Levitt der Zuschauerschaft noch abwechselnd sturzbachartige Heulattacken der Anteilnahme und der Freude entlockten, und das ganz ohne manipulative Kniffe, die die Krebsgeschichte als Rührstück entlarven könnte, entpuppt sich das Netflix Original als emotional abgestumpftes Werk, das unbedingt das komplette Gegenteil davon sein möchte – mit allen Mitteln! Statt jedoch den Charakteren Raum zu geben, sich und dadurch auch das Drama mit Leben zu fühlen, entscheidet sich Regisseur RC Delos Reyes für ein stichpunktartiges Arbeiten möglichst tragischer und/oder herzerwärmender Momente, ohne vorab ein emotionales Grundgerüst zu konstruieren, auf dem es sich aufzubauen lohnt.

“A Journey” verlässt sich größtenteils auf das gesprochene Wort, wenn es darum geht, das Innenleben seiner Figuren zu erkunden. Die Charaktere selbst oder die Darsteller*innen bleiben blutleer. Nichts bleibt unausgesprochen, jede Handlung, jede Entwicklung, jedes Gefühl wird über die Dialoge transportiert, während die penetrante musikalische Untermalung die behauptete Emotionalität förmlich in die Zuschauer*innen hineinpressen möchte. Der Effekt hingegen ist gegenteilig. Die Geduld schwindet von Minute zu Minute und gerät bei der viel zu opulenten Laufzeit von knapp zwei Stunden schnell an ihr Limit. Schuld hierfür, neben der fülle an Klischees und Plattitüden, haben auch die aufgesetzten Dialoge im Zusammenspiel mit den gekünstelten Liebes- und Freundschaftsbekundungen und dem Herumgeblödel innerhalb der behaupteten Gruppendynamik. Darunter leiden die Authentizität, die Emotionalität und letztlich das gesamte gescheiterte Projekt “A Journey”, dass sich, auf den letzten Metern mit einem unerwarteten, kalkulierten Schock, schließlich noch vollständig den Gnadenstoß versetzt.

Fazit
Was beinahe unmöglich erschien, wird in “A Journey” zur bitteren Realität: Das Netflix Original entpuppt sich als das vermutlich erste Krebsdrama, das dem Publikum, abgesehen von Verärgerung, keine einzige Emotion entlockt!

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