Trinket Box: Wenn das Böse erwacht

TitelTrinket Box
Genre Horror, Thriller
Jahr2023
FSK16
RegiePatrycja Kepa, Acoryé White

Heimkinostart: 04.04.2024

Auf den Spuren von Jordan Peele

Horror kann so viel mehr sein als nur ein flüchtiger Schrecken. Hinter den Buu-huus und Ahhhs der Horrorfilmlandschaft verbirgt sich nicht selten eine intellektuelle Spielwiese, die, mit ihren narrativen Strukturen und symbolischen Bildsprachen, das Publikum dazu einlädt, sich mit komplexen gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen. Das macht das Horrorfilmgenre zum idealen Kanal, tief verwurzelte Ängste und Vorurteile im Zusammenhang mit Rassismus und Fremdenhass offenzulegen und diese gleichzeitig zu dekonstruieren. Jordan Peele machte es vor, mit seinem Meisterwerk „Get Out“– und viele andere folgten seinem Beispiel. Auch „Trinket Box: Wenn das Böse erwacht“ geht diesen Weg, kann abseits der dem Thema von Haus aus innewohnender Grausamkeit wenig beitragen…

Trinket Box ©Tiberius Film

Und darum geht es…

Mike (Acoryé White) und Ava Wilson (Augie Duke) sind frisch verheiratet und bereit für ein neues Kapitel in ihrem gemeinsamen Leben. Ein kleines Haus in einer ruhigen, ländlichen Gegend im Süden der USA hat es den Eheleuten auf Anhieb angetan und soll ein neuer sicherer Hafen für die beiden werden. Doch bereits das Kennenlernen mit der schrulligen Senioren-Nachbarin Mrs. Davis (Sandra Ellis Lafferty) fällt ernüchtern aus, als diese eine unpassende Bemerkung über die afroamerikanische Herkunft Mikes äußert. Umso verwunderter ist Ava, als die senile Dame ihr ein Willkommensgeschenk in Form eines alten Amuletts hinterlässt. Was das junge Liebesglück jedoch nicht weiß, ist das sich vor etwas weniger als einhundert Jahren etwas Schreckliches in ihrem neuen Zuhause abgespielt hat – und das droht sich nun zu wiederholen.

Trinket Box ©Tiberius Film

Mehr Low-Budget-Horror nach Schema-F als “Get Out”

Dass die Parallelen zu Jordan Peeles “Get Out” allenfalls inhaltlicher Natur sind, während sich erzählerisch und inszenatorisch ein qualitatives Gefälle auftut, ist bereits nach wenigen Momenten festzustellen. “Trinket Box: Wenn das Böse erwacht” eröffnet mit einem unbekannten Mann, der in der Anonymität der Nacht seinen schäbigen Van mit mehreren Leichen belädt. Backflash ins Jahr 1936. Ein rassistisch motiviertes Hassverbrechen endet in einem übersinnlichen Schreckensszenario. Zurück in die Gegenwart. Ein neues Haus wird bezogen. Keine 30 Sekunden später, der nächste Zeitsprung, drei Wochen in die Zukunft. Die ersten 20 Minuten sind derart unstrukturiert und episodenhaft zusammengeschustert, dass es, wenn die eigentliche Geschichte erst einmal beginnt, es ein gutes Stück braucht, ehe sich das Publikum der fortan endlich linearen Handlung zurechtzufinden.

Trinket Box ©Tiberius Film

Es ist erstaunlich, dass “Trinket Box: Wenn das Böse erwacht” trotz der vornehmlich auf Telenovela-Niveau agierenden Inszenierung, in seinen Horrormomenten dann doch erstaunlich gut funktioniert. Die ordentlich umgesetzten, vorbildlich aufgebauten Jumpscares, die sich eben nicht nur auf den Überraschungseffekt und laute Geräusche verlassen, sitzen jedenfalls. Neu oder innovativ sind sie trotzdem nicht. Dass zwischen diesen raren Gruseleinheiten viel zu wenig in Sachen Atmosphäre geschieht, kommt erschwerend hinzu. Der kitschige Score – beim Sex an billige Pornoproduktionen erinnernd, wenn es tragisch wird an Seifenopern – verwirkt dem interessanten Quell des Horrors einen Großteil der Wirkung. Letzten Endes ist “Trinket Box: Wenn das Böse erwacht” eben doch nur ein weiterer Bessesheitshorror, wenngleich die die Exposition in der Südstaaten-Rassismus-Hölle des frühen 20. Jahrhunderts und auch die wenig überraschende Auflösung aufgrund der Thematik definitiv Unbehagen auslöst.

Trinket Box ©Tiberius Film

Fazit

Kein neuer “Get Out” – dafür ist die Low-Budget-Produktion, ein paar gute Momente hin oder her, viel zu amateurhaft umgesetzt. Ein gewisses Unbehagen aufgrund der Thematik ist dennoch nicht von der Hand zu weisen!

Bewertung: 2.5 von 5.

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