| Titel | Silent Night – Stumme Rache |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 18 |
| Regie | John Woo |
Heimkinostart: 28.03.2024
John Woo ist zurück!
21 Jahre ist es her, dass sich John Woo nach einer fulminanten Hollywood-Karriere mit dem bedauerlicherweise wenig fulminanten So-lala-Thriller “Paycheck” aus der westlichen Filmlandschaft verabschiedete. Passen zu Weihnachten und stolze 20 Jahre später, meldete sich der Mann hinter Klassikern wie “Hard Boiled” und “The Killer” – beides Hongkong-Produktionen vor seiner cineastischen Reise in die USA – mit seinem Festtags-Actioner „Silent Night – Stumme Rache“ für sein großes westliches Comeback zurück. Auch wenn man einmal vom einigermaßen gelungenen Wortspiel im Titel absieht, weiß Woo mit seinem weihnachtlichen Szenario wenig anzufangen – doch solange die Action passt, kann ja eigentlich nichts schiefgehen…

Und darum geht es…
Es ist Heiligabend, als Brian Godlock (Joel Kinnaman) seinen verblutenden Sohn in den Armen hält. Der Familienvater sieht rot und eilt den beiden Fahrzeugen hinterher, deren Insassen den unschuldigen Jungen bei ihrer Gangschießerei am Straßenrand tödlich verletzten. Die Kurzschlussreaktion kostet Godlock nicht nur seine Stimme, sondern auch beinahe sein Leben. Statt die Gangster zur Strecke zu bringen, fängt er sich eine Kugel ein, die seine Stimmbänder zerfetzt. Frisch aus dem Krankenhaus entlassen, plant er seine blutige Rache, die er, wenn sich der Vorfall am nächsten Weihnachtsfest jährt, in die Tat umsetzen will. Sein Ziel ist der Gangsterboss Playa (Harold Torres). Sein Mittel: rohe Gewalt!


Schweigen ist Silber, Rache ist Gold!
Noch bevor John Woo seinem Protagonisten frontal und äußerst zeigefreudig eine Kugel in die Speiseröhre ballern lässt, lernen wir den von „The Suicide Squar“-Star Joel Kinnaman verkörperten Familienvater als lediglich Grunz- und Schnaufgeräusche von sich gebenden Berserker kennen, der Blind vor Wut, Trauer und Frustration, wie von Sinnen den Mördern seines Sohnes hinterherjagt. Wenn „Silent Night – Stumme Rache“ seinem Antihelden also nach wenigen Minuten die Stimme raubt, ändert sich an Godlocks beschränktem Mitteilungsbedürfnis recht wenig. Seine Sprache ist die Rache – und Kinnamans Spiel auf den Zorn und den Schmerz in seinen Augen beschränkt, was er stellenweise sehr überzeugend zu vermitteln weiß. Dass ausgerechnet John Woo selbst dann noch einmal ein gutes Stück weniger zu erzählen hat, als sein stummer Protagonist, macht „Silent Night – Stumme Rache“ über weite Strecken zu einer ziemlichen Schlaftablette – und der Fakt das eigentlich sonst auch niemand redet, schlicht und ergreifend keinen Sinn.

Dass sich die „Ein Mann sieht rot“-Rachegeschichte auf die niedersten Instinkte des Menschen beschränkt und als filmgewordene Gewaltfantasie der Marke Facebook-Kommentarspaltenbeitrag mehr als polemisch daherkommt, lässt sich verkraften, die zähe Stunde zwischen den Gewalteskapaden weniger. Dass Woo ein Herz für Melodramatik hat, ist nicht neu. Mit dem kitschig-rührseligen Rumgeplänkel, ehe es zur Sache geht, hingegen strapaziert er diese Eigenschaft bis über das Maximum hinaus aus. Dabei beginnt “Silent Night – Stumme Rache” doch vielversprechenden. Bereits die rasante Eröffnungsszene mit Einschusslöcher so groß wie Pampelmusen, großflächig aufplatzenden Blood Packages – mit ein wenig CGI Unterstützung – und brachialer Haudrauf-Action macht Laune. Bis zum Nachschlag im kompromisslosen Finale, in einer Art schwerfälligen John Wick-Gewaltorgie – weniger durchgestylt, dafür taumelnd, mit “bloß nicht sterben und so viele wie möglich zur Strecke bringen”-Mentalität, dauert es viel zu lange.

Fazit
Auch 2023 weiß die Action-Legende John Woo noch, wie man es ordentlich krachen lässt – das kitschige und langatmige Drumherum hätte jedoch nicht einmal in den 90ern funktioniert!


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