| Titel | The Jester |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Colin Krawchuk |
Heimkinostart: 29.02.24024
Vom Kurzfilm zum Spielfilm
YouTube ist voll von Horrorkurzfilmen, die mit kreativen Ideen und geringem Budget den Zuschauer für wenige Minuten in Angst und Schrecken versetzen können. In einigen glücklichen Fällen entwickeln sich daraus sogar ganze Horrorfranchises, wie bei „SAW“, der als Kurzfilm begann und nun seinen zehnten Teil erreicht hat, oder dem erfolgreichen Horrorhit „Smile – Siehst du es auch?“, der dieses Jahr in die zweite Runde geht. Mit „The Jester – He will terrify ya“ steigt ein weiterer Film auf diesen Zug auf und versucht, mit der titelgebenden Figur Art the Clown in Konkurrenz zu treten. Ob ihm das gelingt?

Und darum geht es…
Nach dem Selbstmord ihres Vaters werden zwei entfremdete Schwestern (Delaney White & Lelia Symington) von „The Jester“, einem übernatürlichen Wesen, in der Halloween-Nacht verfolgt. Die clownartige Kreatur verbreitet Terror in einer Kleinstadt und hinterlässt eine blutige Spur. Um die Nacht zu überleben, müssen die Schwestern sich mit ihrer eigenen dunklen Vergangenheit auseinandersetzen.


„Terrifier“ auf Wish bestellt
Es ist stets bedauerlich, wenn Kurzfilme vielversprechendes Potenzial zeigen, das jedoch bei der Erweiterung auf Spielfilmlänge nicht erfolgreich funktioniert. Regisseur Colin Krawchuck hat sich offensichtlich von den erfolgreichen „Terrifier“-Filmen inspirieren lassen und versucht, aus dem maskierten Jester eine neue Horrorikone à la Art the Clown zu erschaffen. Bedauerlicherweise verliert sich der Regisseur dabei gänzlich in einer melodramatischen Familiengeschichte über Trauer und Vernachlässigung in der Kindheit und verwendet das charmante, clownartige Monster lediglich als Katalysator. Es ist nicht per se nachteilig, wenn Horrorfilme versuchen, ihrer Handlung mehr Tiefe zu verleihen, wie zahlreiche positive Beispiele zeigen, doch in diesem Fall hätte es ein simpler, blutiger Slasher getan. Insbesondere wenn man dem Jester selbst, seinen Ursprung und die Beweggründe für sein Erscheinen kaum beleuchtet und sich lieber auf die zwischenmenschliche Beziehung zwischen den zwei Schwestern konzentriert, die weder sonderlich interessant, noch berührend ist.

Der Grund liegt auch in den eher durchschnittlichen schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen. Für eine Low-Budget-Produktion sind sie gerade noch akzeptabel, jedoch gestalten sie die emotionalen Szenen auch schwierig, ernst genommen zu werden. Dadurch wird auch das Erzähltempo erheblich gebremst, trotz einer relativ kurzen Laufzeit, die sich deutlich länger anfühlt. Dabei zeigen die Horrorszenen durchaus Potenzial. Der Jester beeindruckt mit einer unheimlichen, jedoch zugleich charmanten Ausstrahlung und einer fesselnden Präsenz. Insbesondere in den brutaleren Szenen, wie beispielsweise seinem Tanz mit einem kopflosen Polizisten, kommt der Film in Fahrt und erinnert an Werke wie den kultigen „Psycho Goreman“. Hätte der Film mehr solcher Szenen und weniger schlecht gespieltes Drama geboten, hätte sich „The Jester“ zu einem weitaus unterhaltsameren Erlebnis entwickeln können.

Fazit
„The Jester“ enttäuscht trotz vielversprechenden Potenzials, da Regisseur Colin Krawchuck sich in einer melodramatischen Familiengeschichte verliert, anstatt das clownartige Monster effektiv als Horrorfigur einzusetzen.


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