| Titel | I’ll Crush Y’All |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Kike Narcea |
Fantasy Filmfest White Nights 2024

Spanish Statham schlägt Schurken
Spanische Genrefilme haben schon lange etwas Besonderes. Es gab eine Zeit, in der es so aussah, als ob jeder neue Beitrag den vorherigen in Bezug auf Ehrgeiz, Härte, und filmische Qualität in den Schatten stellen wollte. Das spanische Action-Genre überlebt seit Jahren durch gelegentliche Filme, die hier und da auftauchen, aber das Land hat bewiesen, dass es in der Lage ist, vereinzelte kleine Actionfilme hervorzubringen. Wenn sich die Diskussion auf Kike Narceas „I’ll Crush Y’All“ (Originaltitel: Os Reviento) verlagert, kann man ihn auf einen dieser Machwerke reduzieren, die hier und da auftauchen. Mit einem Titel wie diesem scheint der Film das Versprechen zu geben, ein knallharter Actionfilm zu sein, der sich lohnen könnte. Was jedoch bei „I’ll Crush Ya’ll“ fehlt, ist umwerfende Action und ein spanisches Flair, eine Eigenart, die das Genre auf der internationalen Bühne hervorheben würde.

Und darum geht es…
Ex-Boxer Gabriel (Mario Mayo) aka Torado (zu Deutsch: Trottel) kommt nach einer langjährigen Haftstrafe überraschend früh aus dem Gefängnis frei, um ein bürgerliches Leben bei seinem Vater auf dem spanischen Land zu führen. Als sein Vater stirbt, tauchen nach und nach immer mehr zwielichtige Gestalten vor seiner Haustür auf, die ihn zu Torado werden lassen: Einem Mann, der nur ein Ziel kennt: Alles und jeden zu zerstören, was sich ihm in den Weg stellt!

Die Klasse eines Billigwaren-Füllmaterial-Netflixfilms
Bis es überhaupt mit der Action losgeht, dauert es über eine halbe Stunde, und dann löst der Titel nicht einmal sein Versprechen ein. Härte und Choreografie haben die Klasse eines Billigwaren-Füllmaterial-Netflixfilms und die Szenen eignen sich nicht mal als YouTube-Clips. Der als spanischer Jason Statham gehandelte Mario Mayo zeigt schauspielerisches Können und strahlt die richtige Leinwandpräsenz aus, um zukünftig weitere, möglicherweise auch (US-)Actionfilme zu drehen, und wenn dies zutreffen sollte, dann bitte in besser umgesetzter Action. Mario Mayo kann definitiv kämpfen und seine Treffer sind eine Wucht, doch für den rauen Ton des Film, sind die Schlägereien nicht realistisch bzw. straßenmäßig genug und für einen spaßigen Actionreißer nicht dynamisch und immersiv genug. Wenn es darum geht, gegen mehrere Gegner anzutreten, wird sich wie gewohnt der Reihe nach angestellt und hektisch geschnitten, um zu kaschieren, dass die Nebendarsteller zwar amüsant und skurril sind, aber eben keine Fighter.

Regisseur Kike Narcea orientiert sich an Vorbildern, ohne deren Klasse zu erreichen. Schießerei mit zwei Waffen auf dem Boden, seitliche Kamerafahrt von jemandem, der rennt und schießt, und andere Actiontropen tauchen auf und wirken deplatziert, vor allem im solch reduzierten Setting. Was andere Länder scheinbar niemals von den Asiaten lernen werden ist, dass es eben nicht nur auf die Choreografie ankommt, sondern auch um Kameraführung und Schnitt. Wenn ein Film im Jahre 2024 mit derart amateurhafter Inszenierung daherkommt, kann man ihn getrost weglassen und zu weitaus lohnenderen B-Movies zugreifen, die beweisen, dass mit wenig Geld beeindruckende Action zu bewerkstelligen ist.

Fazit
Es dauert bis es mit der Action losgeht und dann ist diese dermaßen billig, dass man nicht lange nach besseren Alternativen suchen muss. Auch wenn es als solche angepriesen wird, ist „I’ll Crush Y’All“ definitiv keine Sensation, sollte dem spanischen Actionkino jedoch als Motivation dienen, sich zu bessern.

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