Hochglanz Grindhouse
Es war in 2007, als die Kultregisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez sich für ihr exploitationwürdigendes Grindhouse-Double-Feature zusammentaten und den Auto-Actioner „Death Proof“ bzw. den Zombie-Horror „Planet Terror“ drehten. Für Grindhouse wurden zudem verschiedene Fake-Trailer angefertigt, wovon „Machete“ und „Hobo with a Shotgun“ Spielfilmrealisierungen erfuhren. Horrorregisseur Eli Roth leistete seinen Beitrag mit dem Trailer zum „Halloween“-inspirierten „Thanksgiving“, dessen Verfilmung er nach sechszehn Jahren übernahm und wie von ihm gewohnt einen goreigen und genrevorbilderverneigenden Slasher der alten Schule serviert, der die grobkörnige Schmuddeligkeit des Ursprungstrailers vermissen lässt.

Und darum geht es…
In Plymouth, Massachusetts, dem Geburtsort von Thanksgiving, kommt es beim Black Friday zum Schnäppchenrausch mit Massenpanik und Todesfolgen im Angebot. Ein Thanksgiving später macht ein als Pilgervater John Carver maskierter Killer mit Axt jagd auf die verantwortliche Highschool-Clique (u.a. Addison Rae, Milo Manheim), die vom Sexiest Man Alive-Sheriff (Patrick Dempsey) unterstützt werden.


Wenig traditioneller Slasher, bemüht traditionell zu sein
Bereits die Black Friday-Ausschreitungen zu Beginn wecken Erinnerungen an den kapitalismuskritischen „Dawn of the Dead“ von George A. Romeros, doch in „Thanksgiving“ sind es nicht Zombies, sondern wahnhafte Schnäppchenjäger, die sich rücksichtslos nehmen, was sie wollen. Etwa wie die Pilgerväter. Der Anfang ist vielversprechend und verrät in welche blutige Richtung der mit leichten Tönen versehene Feiertagsslasher zusteuert. Wer mit Eli Roth vertraut ist, kennt seine Radikalität und Vorbeugung vor Horrorgrößen wie Mario Bava, John Carpenter, oder Wes Craven, aber auch seine Unbekümmertheit, wenn es um Charakerausarbeitung oder Logik geht. Exploitationfans als auch Roth-Fans wird es stören, dass Eli Roth auf den Grindhouse-Look verzichtet. Für einen um Tradition bemühten Slasher bietet „Thanksgiving“ eine zu saubere Optik, die eher ein Minuspunkt ist, wenn man über Teeniestereotypen und Horrorklischees wie dem vom Final Girl hinwegsehen will. Auch Social Media und Smartphones tauchen hier auf, und wo sind die freizügigen Traumfrauen, die neben den einfallsreich umgesetzten Tötungen der zweite wichtige Grund waren, sich Slasher reinzuziehen?

Das hohe Budget merkt man „Thanksgiving“ an und es wird effekttechnisch das derzeit Standardmäßigste beim Splatter herausgeholt, ein Gefühl von Grusel oder Spannung in dieser durchgängigen Horror-Homage fehlt jedoch, auch der Humor fällt flach. Mittlerweile wurden sämtliche Tabus gebrochen, dass Schockwirkungen schwerer zu erzielen sind, und was die kreativen Kills in „Thanksgiving“ angeht, so werden sich womöglich nur die empfindlichen Mägen drehen und eher auf Horrorlaien wirken, wie beim im Ofen knusprig gebratenen Opfer, das als Thanksgiving-Braten vorgesetzt wird. Der axtschwingende Pilgervater hingegen hätte sich eine Membership in der Horrorfigur-Loge verdient, wäre da nicht die zwar vorher angedeutete, dennoch unispirierte Auflösung. Allein wegen der Kills kann man sich „Thanksgiving“ geben, ohne einen innovativen Genrebeitrag zu erwarten.

Fazit
Kreative Kills lassen über Klischees, Hochglanzoptik, und schwachen Schlussteil hinwegsehen, dennoch bleibt „Thanksgiving“ selbst als Slasher-Homage ungenügend.


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