Saint and Sinners – Kritik

TitelSaints and Sinners – Heilige und Sünder
Genre Thriller, Krimi
Jahr2023
FSK16              
RegieRobert Lorenz

Starttermin: 19.01.2024 / Prime Video

Glücklicherweise kein gewöhnlicher Neeson-Thriller

Die irische Küstenlandschaft ist ein bezauberndes Stückchen Erde voller wilder Schönheit, an dem sich majestätische Klippen sanft an malerisch grüne Hügel und goldgelbe Strände schmiegen. Verstreut davon, geheimnisvolle Inseln, auf denen sich Felsgestein und Gezeitentümpel zu einer surrealen Kulisse verschmelzen. Die Küste lebt, erfüllt von den Rufen der Möwen und dem Rauschen der Wellen. Grüne Landschaften spiegeln sich im glitzernden Wasser wider, während Robben neugierig aus den Wellen lugen. Diese raue Schönheit, in einem unbändigen Tanz von Land und Meer, verleiht dem Setting der modernen Westerngeschichte des Amazon Originals “Saints and Sinners” einen unvergesslich lebendigen Charakter – auch wenn darin am Ende einzig der Tod wartet.

Saints and Sinners ©Amazon Prime Video

Und darum geht es…

1974: Finbar (Liam Neeson) lebt ein bescheidenes Leben als Buchverkäufer in einem überschaubaren Küstenstädtchen Irlands – zumindest lässt er seine Umwelt in dem Glauben. Denn hinter der vermeintlich harmlosen Fassade des Witwers verbirgt sich ein kaltblütiger Auftragskiller, der, gezeichnet vom Krieg, nur noch wenig in sich spürt, was das Leben lebenswert macht. Nach seinem letzten Auftrag verspürt er den Drang, die Kälte hinter sich zu lassen und das Töten an den Nagel zu hängen, um sich auf seine alten Tage noch einmal etwas zu widmen, für das es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen – selbst wenn es nur ein kleiner Gemüsegarten ist. Als sich jedoch die flüchtigen IRA-Terrorist*innen Doireann (Kerry Condon) und Curtis (Desmond Eastwood) nach einem missglückten Bombenanschlag in seinem Heimatort einnisten, muss Finbar ein letztes Mal zur Waffe greifen…

Saints and Sinners ©Amazon Prime Video

Ein bisschen wie “The Banshees of Inisherin”

Wer in der Annahme, mit “Saints and Sinners” stünde ein weiterer seelenloser Thriller des einstigen Garanten für große Filmkunst Liam Neeson ins Haus, lieber einen großen Bogen um das Amazon Original macht, nimmt billigend in Kauf, eine der ersten positiven Überraschungen des Streamingfilmjahres zu verpassen. Statt dem nächsten “Honest Thief”, “The Marksman”, “The Commuter”, “Retribution” und wie sie doch alle heißen – eine Liste, die sich problemlos weiterführen ließe – erwartet die Prime Video-Community mit “Saints and Sinners” ein hypnotisch-geruhsamer Spätwestern, der sich irgendwo zwischen dem neunfach Oscar-nominierten “The Banshees of Inishering” und dem filmischen Schaffen der Coen Brüder einpendelt. Lustig wird es dadurch aber trotzdem nicht.

Saints and Sinners ©Amazon Prime Video

Subtrahiert man “The Banshees of Inisherin” um den herrlich schrägen Humor und reichert das Irlandsetting stattdessen um den Gebrauch von Schusswaffen, sowie einem reduzierten Racheplot an, kommt man “Saints and Sinners” schon ziemlich nahe. Angesiedelt im Nordirlandkonflikt in den 70er-Jahren, profitiert das Amazon Original ungemein von seinem starken Darsteller*innen-Ensemble, allen voran Kerry Condon und Jack Gleeson, die selbst den endlich mal wieder überzeugend auftretenden Liam Neeson in den Schatten stellen. Das entschleunigte sich Zuspitzen bis hin zur unvermeintlichen Eskalation in Form eines Shootouts im örtlichen Pub besticht indes mit spannenden Charakteren, atmosphärischem Sounddesign und selbstredend natürlich auch mit dem eingangs beschriebenen malerischen Küstensetting. Definitiv einen Blick wert!

Saints and Sinners ©Amazon Prime Video

Fazit

“Saints and Sinners” ist glücklicherweise nicht der nächste 08/15-Actionthriller von Liam Neeson geworden, sondern ein sehenswerter, moderner Irland-Western mit spannenden Figuren und starkem Cast!

Bewertung: 3.5 von 5.

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