The Kitchen – Kritik (Netflix)

TitelThe Kitchen
Genre Drama, Sci-Fi
Jahr2024
FSK12              
RegieKibwe Tavares, Daniel Kaluuya

Starttermin: 19.01.2024 / Netflix

Sci-Fi und die Kunst, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten

Science-Fiction: Ein Genre, das nicht nur fliegende Autos und außerirdische Eindringlinge bietet, sondern auch gerne mal den Finger tief in die Wunde der Gesellschaft bohrt. Schauen wir uns „District 9“ an – ein Film, der nicht nur von invasorischen Insektenwesen handelt, sondern auch von der schmutzigen Seite der Menschlichkeit. Diskriminierung, Vorurteile und Machtmissbrauch – alles verpackt in einer fiktiven Welt, die uns so erschreckend bekannt vorkommt, weil sie realer nicht sein könnte. Ein bitteres Pillenschlucken für unsere eigenen Vorurteile. Auch “The Kitchen” schlägt in eben jene Kerbe, wenngleich das Netflix Original allem reichlich vorhandenen handwerklichen Geschick zum Trotz ein ermüdenden und dennoch bildschön gefilmte Blick auf eine heute schon zur Realität gewordenen Zukunftstristes gibt.

The Kitchen ©Netflix

Und darum geht es…

2044: Die Innenstadt von London ist nahezu vollständig von privilegierten Reichen besiedelt, ausgenommen von einem kleinen Stadtteil. Im unter dem Namen “The Kitchen” bekannte Viertel am Rand der Stadt ist vom technologischen Fortschritt und Wohlstand nichts zu spüren. In einem der gigantischen Hochhauskomplexe lebt auch der alleinstehende Bestatter Izi (Kano). Lange hält er es in der von Kriminalität und Orientierungslosigkeit geprägten Gegend jedoch nicht mehr aus, weshalb er sich zum Ziel genommen hat, endlich in einer luxuriösen Einzimmerwohnung außerhalb von “The Kitchen” unterzukommen – und das könnte bald zur Realität für ihn werden. Doch dann trifft er auf den frisch verwaisten Jungen Benji (Jedaiah Bannerman), den er in dessen Situation unmöglich alleine lassen kann…

The Kitchen ©Netflix

Das London von heute, nur mit Drohnen

Unter Berücksichtigung der vielversprechenden Rahmenbedingungen müsste das dystopische Netflix-Drama eigentlich eine sichere Bank sein. Mit Kibwe Tavares und “Get Out”-Darsteller Daniel Kaluuya auf dem Regiestuhl – ein Ort an dem Kaluuya zum ersten Mal Platz nimmt – und den bereits im Trailer versprochenen tadellos eingefangenen Bildern einer von realpolitischen Faktoren inspirierten Zukunftsvision mit gesellschaftskritischem Subtext, macht das Netflix Original direkt neugierig. Wenn sich das Aushängeschild des US-amerikanischen New Black Cinemas für sein Regiedebüt zurück in seine Heimat Großbritannien begibt, um dort die im Inland vorherrschenden soziologischen Missstände in einem Black-Mirror-ersken Sci-Fi-Drama aufzuarbeiten, kann eigentlich nichts schiefgehen…

The Kitchen ©Netflix

Sieht man jedoch einmal vom in der Tat fantastisch fotografierten, futuristischen Ghetto-Ambiente des Netflix Originals ab, erweist sich “The Kitchen” als ziemlich dröge Sci-Fi-Angelegenheit. Das Publikum begleitet Grime-Rapper und “Top Boy”-Star Kano – an der Performance ist nichts auszusetzen – durch eine dystopische Welt, die aus den Augen der Schwarzen Bevölkerung erzählt, einen ganz neuen Blickwinkel auf bislang meist vom Weißen Standpunkt aus betrachtete, filmische Zukunftsvisionen. Besonders große Erkenntnisse bietet “The Kitchen” dabei jedoch nicht. So fokussiert sich der Plot viel zu sehr auf eine halblebig erzählte Vater-Sohn-Geschichte, die durch die ständige Verlagerung der Protagonistenrolle und die schemenhaften Charaktere, zu großen Teilen oberflächlich geraten ist, wie auch die Welt in der sie spielt.

The Kitchen ©Netflix

Fazit

Das dystopische Vater-Sohn-Drama kommt nicht vom Fleck, während das futuristische Sozialdrama größtenteils ungenutzt bleibt.

Bewertung: 2.5 von 5.

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