| Titel | 60 Minuten |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Oliver Kienle |
Starttermin: 19.01.2024 / Netflix
Martial Arts Made in Germany
Sieht man einmal von dem völlig unter dem Radar gelaufenen Indie-Action-Projekt “Plan B – Scheiß auf Plan A” aus dem Jahr 2016 ab, findet Martial Arts in der deutschen Film- und Serienlandschaft nahezu gar nicht statt. An einen deutschen John Wick wäre bis heute nicht zu denken gewesen. Ein Zustand, den das Netflix Original mit “Rheingold”-Darsteller Emilio Sakraya in der Faustschläge verteilenden Hauptrolle nun ändern könnte. In Sachen Haudrauf-Action muss sich der rasante Trip durch die Straßen von Berlin nämlich keinesfalls vor der Konkurrenz in Übersee verstecken!

Und darum geht es…
Octavio Bergmann (Emilio Sakraya) ist MMA-Kämpfer und wartet bereits ungeduldig darauf, dass sein Gegner eintrifft, um den Kampf endlich zu starten. Eigentlich sollte er längst bei seiner 7-jährigen Tochter Leonie (Morik Heydo) sein, die am selben Tag Geburtstag hat. Der Meinung ist auch seine Ex-Freundin, die ihm kurz bevor es losgehen soll, ein Ultimatum stellt: Wenn er in 60 Minuten nicht bei der Feier erscheint, stellt sie einen Antrag auf das alleinige Sorgerecht. Octavio muss nicht lange überlegen und macht sich auf den Weg, nichtsahnend, dass er damit den Ärger einer Gangsterbande auf sich zieht, die durch sein Nichterscheinen im Ring einen riesigen Haufen Geld verlieren – und die sind bereits dicht auf den Fersen!


Emilio Sakraya kloppt sich durch Berlin
Dem deutschen Netflix-Actioner “60 Minuten” hätte gutgetan, seinen Titel beim Wort zunehmen und sich befreit von dem die Laufzeit auf 90 Minuten streckendem Ballast auf das wesentliche zu reduzieren: die brachiale Prügelodysee einmal quer durch Berlin. 60 Minuten hätten dafür dicke gereicht, vielleicht sogar in Echtzeit? Wenn der blondierte – steht ihm! – Emilio Sakraya durch pulsierende Technoclubs, überfüllte Ladengeschäfte und schmale Seitengassen von Wedding nach Neuköln hetzt und dabei abwechselnd seine namenlosen Gegner*innen zu brei schlägt oder verfolgt durch den Großstadtdschungel sprintet, macht “60 Minuten” eine verdammt gute Figur – wie auch sein engagierter Hauptdarsteller. Seit Lola ist kein Deutscher mehr so spektakulär durch die Hauptstadt gerannt wie Octavio .

Wer hätte gedacht, dass der völlig unterrepräsentierte deutsche Genrefilm zu solch großartigen Actionszenen imstande ist. Neben den starken Choreografien und der übersichtlichen, gerne auch lange ohne Zwischenschnitte auf dem Geschehen verweilenden Kamera, überraschen die körperlichen Auseinandersetzungen zudem mit einer angenehmen Glaubwürdigkeit. Hier ist niemand unzerstörbar, Körpertreffer zeigen ihre Wirkung und Schläge gehen, aus dem Gleichgewicht gebracht durch eingesteckte Treffer, auch mal daneben. Was Emilio Sakraya hier an den Tag legt, ist wirklich beeindruckend. Nun hat “60 Minuten” neben der überzeugenden Action aber auch noch einen minimalistischen, aber doch viel zu aufgeblähten Plot im Gepäck – und der nimmt mehr Raum ein, als einem lieb ist. Das Ausmaß der kriminellen Machenschaften im Hintergrund ist unnötig groß und bremst den pulstreibenden Berlin-Marathon immer wieder aus.

Fazit
Der spannungsgeladene Zweikampf bestehend aus Rennen und Kämpfen durch den Großstadtdschungel Berlins geht zwischendurch immer wieder kurzfristig die Puste aus. Die Action hingegen ist überraschend großartig!

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