The Royal Hotel – Kritik

TitelThe Royal Hotel
Genre Thriller
Jahr2023
FSK16
RegieKitty Green

Kinostart; 11.01.2024

Toxische Männlichkeit tut in beide Richtungen weh!

„Wir müssen die Bedingungen ändern, die Männer dazu ermutigen, ihre Männlichkeit auf Kosten von Frauen auszudrücken. Es ist nicht nur eine Frage der Frauenrechte, sondern eine Frage der Menschlichkeit und der Befreiung aller Menschen.“ – Gloria Steinem

Die Botschaft hinter der Aussage der US-amerikanischen Journalistin Gloria Steinem, dass die Überwindung toxischer Männlichkeit nicht nur im Interesse der Frauen ist, sondern auch ein Schritt hin zur Befreiung und Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen, lässt sich im Grunde auch eins zu eins auf “The Royal Hotel” übertragen. Wenn sich die männliche Trinkergesellschaft in Kitty Greens #MeToo-Thriller in Anwesenheit von zwei hübschen Rucksacktouristinnen wie ein Rudel hungriger Wölfe verhält, und sich das Abenteuer der beiden Protagonistinnen dadurch zum waschechten Albtraum entwickelt, werden andererseits auch die bemüht maskulinen Herrschaften zum Opfer ihres eigenen Männlichkeitsgehabes – toxische Männlichkeit tut eben in beide Richtungen weh!

The Royal Hotel ©Universal Pictures

Und darum geht es…

Als sich bei ihrem Work and Travel durch Australien das Geld langsam dem Ende neigt, müssen die Kanadierinnen Hanna (Julia Garner) und Liv (Jessica Henwick) schnell einen neuen Job an Land ziehen und dafür ihren Partyurlaub an der Küste vorerst auf Eis legen. Also geht es für die beiden zurück ins Landesinnere, ins tiefste Outback, um dort im abgelegenen Pub „The Royal Hotel“ des Barbesitzers Billy (Hugo Weaving) hinter dem Tresen zu arbeiten. Abgesehen von einer großen Miene gibt es im Umkreis der Schenke wenig zu sehen, dafür aber umso mehr geselligkeitshungrige und bierdurstige Bergarbeiter. Je tiefer die Sonne steht und, umso mehr Alkohol über den Tresen wandert, desto ungemütlicher wird die Situation für die hübschen Touristinnen, die schnell zum Objekt der Begierde dutzender einsamer Männer werden, die ihre Hormone nur selten in den Griff bekommen zu scheinen…

The Royal Hotel ©Universal Pictures

Der tut nicht, der will doch nur spielen!

Betrachtet durch die Linsen eines weiblichen Augenpaars mutiert eine feuchtfröhliche Stammtischgemeinschaft, die sich, ihrem Mannsein frönend, zumeist aber auch aus Mangel an Alternativen, in der Abgeschiedenheit des australischen Outbacks die graue Gehirnmasse in Alkohol ertränkt, zum klaustrophobischen Schreckensszenario. Die Welt, die Kitty Green in “The Royal Hotel” erschafft, oder besser noch, einfach genau so abbildet, wie sie für Frauen auf dem gesamten Globus bittere Realität ist, ist schonungslos, kalt und belegt von einer düsteren Vorahnung, die sich jederzeit bewahrheiten könnte. Der australische Thriller weiß geschickt mit der sich daraus entfaltenden Erwartungshaltung zu spielen, öffnet neue Gefahrenquellen, um sie wenig später im Keim zu ersticken, während Feinde zu Freunden und Freunde zu Feinden transformieren. Beängstigende Verwandlungen, zwischen denen oft nur ein Drink oder eine ablehnende Geste liegen.

The Royal Hotel ©Universal Pictures

Atmosphärisch wandelt “The Royal Hotel” über weite Strecken auf den Pfaden eines waschechten Horrorfilms, wenngleich Kitty Green die Grenzen hin zum Genrefilm nie überschreitet. Schon früh legt die Australierin ihrem Publikum die Daumenschraube an, um die Spannung mit fortlaufender Handlung immer weiter anzuziehen und dann kurz vor der Eskalation doch noch einmal den Griff zu lockern. Nicht einmal böse gemeinte, dadurch aber nicht weniger misogynen Aussagen reihen sich an anzügliche Bemerkungen und noch einmal deutlich drastischere Grenzüberschreitungen und etablieren eine angespannte, sich zunehmend dem Siedepunkt nähernde Stimmung. Hanna und Liv – fantastisch gespielt von Julia Garner und Jessica Henwick – sind in diesem Szenario nicht nur sprichwörtlich das Stück Fleisch, das einem Rudel von Raubtieren zum Fraß vorgeworfen wird. Was geschrieben eventuell einen wenig subtilen Anschein erwecken könnte, entpuppt sich in “The Royal Hotel” als unglaublich cleverer Beitrag zur #MeToo-Debatte, der die Erwartungen geschickt unterwandert und dennoch eine emotionale Wucht mit sich bringt, dass es einem mehr als nur einmal kalt den Rücken herunterläuft!

The Royal Hotel ©Universal Pictures

Fazit

Ein ungemütlicher Trip ins australische Outback!

Bewertung: 4 von 5.

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