| Titel | How to Have Sex |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Molly Manning Walker |
Kinostart: 01.12.2023
How to Have Sex, oder besser: Wie man es nicht macht
Gibt es ein bedeutsameres Ereignis im Leben einer Teenager*in als das erste Mal? Glaubt man der langen Liste an Teeniefilmen über heranwachsende Protagonist*innen, die, von Sex nahezu bessesen, meist eine beschwerliche Odysee hinter sich bringen, nur um endlich vom süßen Nektar der körperlichen Liebe zu kosten, gibt es jedenfalls nichts anderes! Kritische Betrachtungsweisen, die die Ängste, Sorgen und sogar Gefahren inkludieren, bilden da eher die Ausnahme und sind kaum auszumachen in der Flut an humoristisch aufgearbeiteten, mit derben Gags versehen Komödien wie “Superbad” oder zuletzt auch der feministischen Anarcho-Comedy “Bottoms”. Während der Titel “How to Have Sex” auf eine ähnliche Herangehensweise hindeutet, offenbart das britische Drama letztlich doch eine ganz andere Perspektive auf das Thema.

Und darum geht es…
Tara (Mia McKenna-Bruce), Skye (Lara Peake) und Em (Eva Lewis) haben ihre Abschlussprüfungen endlich hinter sich gebracht. Grund genug für die drei Freundinnen, die triste Heimat für einen ausgiebigen Partyurlaub an der mediterranen Mittelmeerküste hinter sich zu lassen. Dort angekommen, dauert es nicht lange, bis das feierwütige Trio auf Gleichgesinnte trifft und sich in Alkoholexzessen verliert, während die körperliche Anziehungskraft für allerlei sexuelle Spannungen sorgt. Tara mag zwar noch Jungfrau sein, doch das könnte sich bald ändern – wenn auch anders als sie es sich vorgestellt hat.


Auf den Rausch folgt der Kater
Es hat schon fast etwas von Harold Ramis Zeitschleifen-Klassiker “Und täglich grüßt das Murmeltier” wenn das feierwütige Mädelstrio nach einer durchzechten Partynacht, in der literweise Alkohol zunächst den Körper betritt, nur um ihn dann wieder zu verlassen, am nächsten Morgen direkt mit einer Runde Shots kontert und der Tag erneut seinen alkoholgetriebenen Lauf nimmt. Auf Drinks folgt Rückwärtsessen, oder unverblümt, einfach nur kotzen – darauf folgen noch mehr Drinks. Und das Ganze wieder von vorne. Wer selbst einmal jung war – und das waren wir alle – dürfte sich in der nicht unbedingt rühmlichen, aber zum Heranwachsen nunmal dazugehörenden Feierwut sicherlich wiederfinden. Molly Manning Walker zeigt dabei ein feines Gespür für fast schon dokumentarische Bilder und eine authentische Freundschaftsdynamiken, samt stutenbissigen Zickereien.

Wie im echten Leben auch, hat aber auch dieser elektrisierende Rauch seinen Preis. Während sich “How to Have Sex” lange Zeit selbst wie eine mitreißende Odyssee aus purer Lebensfreude anfühlt, herrscht plötzlich depressiv-drückende Katerstimmung. Aus Feel-Good wird Drama. Aus Drinks der Freude werden Drinks des Vergessens. “How to Have Sex” spielt dabei gekonnt mit den Erwartungen, löst vermeintlich tragische Ereignisse wohlwollend auf, um andererseits zunächst glücklich anmutende Momente doch noch in albtraumhafte Szenarien zu transformieren. Wenn das Drama sich dann seinem eigentlichen Thema, der Einvernehmlichkeit, widmet, dann mit unglaublich feinen Nuancierungen und unter der Berücksichtigung aller Grautöne. Ein faszinierender, emotionaler Trip!

Fazit
Authentisch, mitreißend und einfühlsam: „How to Have Sex“ ist ein echter Geheimtipp!

Wie hat Dir „How to Have Sex“ gefallen?

